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Stand: 05.01.2017

Protectorenreise: Zwölf Tage im „wilden“ Kaukasus

Als Global 200 Protector schützen Sie die faszinierendsten Gegenden der Erde. Wie viel Ihr außergewöhnliches Engagement bewirkt, davon können Sie sich aus nächster Nähe überzeugen. Denn jedes Jahr laden wir Sie in eines unserer Projektgebiete ein. Dort gewinnen Sie tiefe Einblicke in unsere Arbeit, lernen unsere Mitarbeiter persönlich kennen – und erleben atemberaubende Natur. Im Sommer 2016 führte die Reise in den Kaukasus.

Elf Protectoren und zwei Reiseleiter bildeten die Reisegesellschaft – Männer und Frauen aus ganz Deutschland und verschiedensten Alters. Sogar ein Achtzigster wurde im Kaukasus gefeiert! Zu den Reisenden gehörte der WWF-Mitarbeiter und Protector Thomas Werner. Er schildert seine lebhaften Eindrücke von diesem Hotspot der Artenvielfalt:

Der Kaukasus – viel wussten die meisten von uns nicht über dieses Gebirge an der Schwelle zu Asien. Und so wurden wir schon bei der Ankunft im georgischen Schwarzmeerhafen Batumi überrascht. Unsere Fahrt durch die lebendige, architektonisch reizvolle Stadt endete in einem bestechend schönen Hotel, wo uns bei Sonnenuntergang und Meerblick regionale Spezialitäten serviert wurden.

Unsere erste Anlaufstelle in Batumi war das WWF-Büro. Hier übernahm es Senior Forest Officer Ilia, uns in die ökologische Bedeutung der Region einzuweisen. Mit rund 7000 verschiedenen Gefäßpflanzen, 400 Vogel- und 200 Fischarten ist sie ein Artenparadies. 1600 Pflanzenarten gibt es nur hier auf der Welt.

Rückzug der großen Wildtiere

Die Schönheit des Kaukasus © Dr. Heinz Klöser / WWF
Die Schönheit des Kaukasus © Dr. Heinz Klöser / WWF

Auf Wanderungen durch den Kaukasus schweift der Blick weit über schroffes Gestein und grasbewachsene Hügel. Vor der massiven Abholzung durch den Menschen bestimmten dichte Wälder das Bild. So wie noch heute im Mtirala Nationalpark – Ziel unserer Exkursion am zweiten Reisetag – mit seinen Masurischen Walnussbäumen, Götterbäumen, Blauglockenbäumen, Sicheltannen: Viel reicher als unserer kam der Kaukasuswald uns vor. Doch mit seinem Rückgang verloren ganze Tierarten ihren Schutz. Luchs, Braunbär, Wolf und der Kaukasus-Leopard, von dem es nur noch um die 40 Exemplare gibt, fanden keine Beutetiere mehr. Sie zogen sich immer weiter zurück. Auf Höhen unter 4000 Metern sind sie kaum noch anzutreffen. Umso aufregender war, wie nahe wir ihnen noch kommen sollten.

Tiflis – Kulturperle und Knotenpunkt des WWF

Wundervolle Landschaften wechselten sich vor unseren Augen ab, als es an Tag 3 mit dem Zug weiter in die georgische Hauptstadt Tiflis ging. Die Millionenstadt ist allemal eine Reise wert. Die spannende Altstadt mit der Metechi-Kirche und dem Denkmal des Stadtgründers Wachtang I. Gorgassali lässt sich auch aus der Luft erkunden: Eine Seilbahn, die zur Perser-Festung Narikala aus dem dritten Jahrhundert führt, verläuft über sie hinweg. Typisch für Tiflis sind die Schwefelbäder, nach der die Stadt auch benannt ist. Tiflis bedeutet: warme Quellen. Die Anlagen sind in der Regel unterirdisch. Nur eine Kuppel im persischen Stil ragt heraus.

Das WWF-Büro in Tiflis koordiniert die WWF-Arbeit im Kaukasus. Hier erhielten wir einen Überblick über die vielfältigen Stellschrauben, an denen gedreht wird, um die Region zu fördern und zu schützen. Auf einer halbtägigen Wanderung durch den Borjomi Kharagauli Nationalpark, dem ältesten Georgiens, konnten wir das vor Ort erfahren. Kaum weniger faszinierend als das größte zusammenhängende und weitestgehend unberührte Waldgebiet Europas mit seinen wilden Rhododendren war jedoch das Höhlenkloster Vardzia. Die 13-stöckige Anlage aus dem 12. Jahrhundert ist in eine 500 Meter aufragende Felswand geschlagen.

Alles im Dienst der Wissenschaft

Bezoarziege © Hartmut Jungius / WWF
Bezoarziege © Hartmut Jungius / WWF

Unsere nächste Station war der Khosrov Nationalpark nahe Armeniens Hauptstadt Eriwan. Er besteht aus zahlreichen von Basaltschluchten zerschnittenen Plateaus. Georgi vom WWF-Büro Tiflis hatte uns schon dargelegt, wie der Naturschutz Früchte trägt und dass bereits immer mehr der großen Wildtiere in die Fotofallen ,tappen‘. Nach tollen Aufnahmen von Luchsen, Bären, Wölfen, Leoparden und ihren Futtertieren konnten wir Im Khosrov Nationalpark nun auch die automatischen Kameras selbst bestaunen. Nicht nur Braunbär & Co. wurden hier fotografiert. Auch ihre Hinterlassenschaften, die wir ganz in der Nähe der Fallen fanden, wurden sorgfältig abgelichtet, um zum Beispiel die Herkunft ihrer Verursacher zu bestimmen. Wir hingegen hielten uns lieber an Schreiadler, Wiedehopf oder die als Beute für die Leoparden so wertvolle Bezoar-Ziege als Fotomotiv. 

Der Club, der uns zu Tränen rührte

Prallvoll mit Natur- und Kulturerlebnissen war unsere Reise. Doch besonders beeindruckt hat uns, wie die Arbeit des WWF auch den Menschen im Blick hat: Im Borjomi-Charagauli Nationalpark bekommt nun jede Familie im Winter sieben Kubikmeter Feuerholz. So ging der illegale Holzeinschlag zurück. Die Bewohner der Dörfer rund um das armenische Kloster Tatev erhielten neue Erwerbsquellen, eine Fabrik für Heilkräuter wurde gebaut. In einem Dorf können jetzt abends die Straßenlaternen angehen, ein anderes hat neuerdings Abfalltonnen und wurde an eine Müllverbrennungsanlage angeschlossen, ein weiteres erhielt für jede Familie einen eigenen Zugang zu Trinkwasser. Tief berührt hat uns alle der "Club der Naturschützer": In einer Schulkooperation mit dem WWF engagieren sich 15 kleine Aktivisten mit Stolz und Feuereifer für ihre Umwelt. Sie pflanzen Bäume, säubern Bäche von Müll, pflegen Bienenkörbe. Ihr Lehrer weiß: "Wer als Kind so viele Bäume pflanzt, wird später keine Bäume illegal fällen."

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