Reisebericht 2010: Coto de Donana und Wal- und Delfin-Beobachtung vor Tarifa
Reisebericht von Claudia Marloh, Major Donor Manager, WWF-Deutschland
Die Beobachtung der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Nationalparks und Naturparks von Donana stand im April dieses Jahres im Vordergrund der von Herrn Dr. Heinz Klöser geleiteten WWF-Reise. Dieses Weltnaturerbe, Biosphärenreservat und Feuchtgebiet zählt zu den unberührten Lebensräumen des europäischen Kontinents und ist von internationaler Bedeutung.
Unsere Reise sollte in El Rocío beginnen, einem kleinen, jedoch berühmten Wallfahrtsort Spaniens, der direkt am Nationalpark Coto de Doñana in der Provinz Huelva gelegen ist. Rocío heißt auf Deutsch Tau bzw. "Morgentau". Die Marienstatue, die von einem Jäger einst gefunden worden sein soll, hat El Rocio zu einem einzigartigen Wallfahrtsort gemacht. Der Ort mit seinen großen Plätzen und den ungeteerten, staubigen Straßen wirkt ein wenig wie ein verlassenes Geisterdorf des Wilden Westens. Die Plätze werden umsäumt von zahlreichen hermandades, den Herbergen für die Wallfahrer. Angeblich (aber kaum zu glauben) kommen während der Wallfahrt - der Romeria zu Pfingsten – über eine Million Menschen nach El Rocio. Den Rest des Jahres über hat der Ort nur etwa 800 Einwohner.
Den ersten Ausflug unternehmen wir mit dem Bus in das beeindruckende Waldgebiet „Coto del Rey“, das durch Korkeichen geprägt ist und dann hinein in die Feuchtgebiete, die sogenannten Marismas. Wir sehen Rotwild und Wildschweine, zwar nicht die seltenen Luchse, jedoch ihre Fußspuren. Die hohen Niederschläge der vergangenen Monate haben den Marismas einen idealen Wasserstand für viele Brutvogelarten gebracht. Die Marismas entstanden aus den riesigen Sedimentmengen, die Andalusiens großer Fluss, der Guadalquivir, in seinem Delta ablagerte.
Am dritten Tag geht es mit dem Bus in den Süden des Nationalparks, der sich über lange Marismas, Wanderdünen und lange Strände erstreckt. Es sind spektakuläre Wanderdünen, die sich auf einem 30 km langen Strandabschnitt vom Ort Matalascañas bis zur Mündung des Guadalquivir erstrecken. Wir sehen einige Muschelfischer, die hier auf einem Teilabschnitt leben und fischen dürfen. Die Arbeit im Wasser ist hart und schwer. Nur 8% der Muscheln lassen sich verkaufen.
Auf einem Turm sind Wanderfalken zu sehen, die angeblich schnellsten Tiere der Welt. Auf der Fahrt am Strand begegnen uns Strandläufer, Brandseeschwalben, Korallenmöven, Zwergseeschwalben und viele weitere seltene Vogelarten. Auch eine ganz neue Art, die Bengalen-Seeschwalbe können wir auf unserer Reise sichten.
Unser nächster Ausgangspunkt für Naturbeobachtungen wird nach El Rocio nun eines der schönsten weißen Dörfer Andalusiens, Arcos de la Frontera. Wir lernen die atemberaubende Gebirgslandschaft des Naturparks Sierra de Grazalema während eines langen Spazierganges durch ein Tal vom Ausgangsort Benamahoma nach El Bosque kennen.
Weiterer Höhepunkt der Reise ist die Wal- und Delfin-Beobachtungstour in der Meerenge von Gibraltar, die wir von Tarifa aus unternehmen. Bevor wir an Bord gehen, erfahren wir Wissenswertes über die hier lebenden Wale und Delfine und die Arbeit von firmm, einer Schweizer Stiftung, die das Ziel verfolgt, Wale und Delfine sowie ihren Lebensraum zu erforschen und zu schützen. Nach ziemlich windigen Tagen stand nicht fest, ob uns ein Whale-Watching überhaupt möglich sein würde. Doch wir hatten Glück! Nach dem Passieren der Hauptfahrrinne für Containerschiffe sind uns gleich einige große Tümmler begegnet. Auch einige Grindwale tauchten ganz in unserer Nähe auf, hielten sich einige Zeit an der Wasseroberfläche auf und boten so ein ideales Fotomotiv.
Der letzte Tag der Reise war der Stadt Sevilla gewidmet, von wo aus die Reise zurück nach Deutschland gehen sollte, wäre da nicht die isländische große Aschewolke gewesen, die uns in Sevilla noch ein Weilchen hielt. Ein lokaler Stadtführer führte uns zu den zahlreichen Plätzen und Monumenten der Stadt. Dazu gehörten der Alcazar, die Burg der Maurenherren Sevillas mit ihren märchenhaften Gärten und die Kathedrale, eine der größten Kirchen der Welt, erbaut auf den Grundmauern einer maurischen Moschee. Vom Turm der Kathedrale hatten wir einen wunderschönen Ausblick. Mit einer Flamenco-Veranstaltung endete der offizielle Teil der Reise.
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