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Stallhasen lassen die Ohren hängen

31. März 2010

WWF und GEH: dramatischer Verlust der biologischen Vielfalt auf dem Bauernhof

 

Berlin - Hasen findet man immer seltener in Feld und Wiese, sondern bereits seit Jahren auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Vielen seiner domestizierten Verwandten ergeht es kaum anders. Die Kaninchenställe von heute ähneln industriellen Fleischfabriken und dort finden sich fast nur noch auf schnelles Wachstum getrimmte Mastkaninchen. Der WWF und die Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen (GEH) beklagen, dass das Artensterben vor Nutztieren nicht halt mache. Auch im Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt verabschiede sich jede Woche eine Haustierrasse von diesem Planeten.  

 

Von den 56 einheimischen Kaninchenrassen gelten derzeit 18 als gefährdet. Ursprünglich wurden die Tiere zur Fleischerzeugung und wegen ihres Felles gezüchtet. Die einst wertvollen Felle werden heute kaum noch genutzt. Um den Konsum von jährlich 41 000 Tonnen Kaninchenfleisch in Deutschland zu decken, setzt die Landwirtschaft auf wenige Hochleistungsrassen. Die genetische Vielfalt bleibt dabei auf der Strecke. Bei den „Stallhasen“ ist zum Beispiel das Angora Kaninchen, das früher wegen seiner Wolle sehr beliebt war, nahezu verschwunden. Auch der  „Meissner Widder“, von der GEH zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres 2010“ erklärt, ist ein kräftiges bis zu fünfeinhalb  Kilo schweres Tier, das vor 100 Jahren als wertvoller Lieferant hochwertiger Silberfelle gezüchtet wurde. Heute gilt der Meissner Widder als Tier als extrem gefährdet. „Bei lediglich vier Züchtern mit sieben  Rammlern und 14 Häsinnen findet sich der graubraune Farbschlag“, berichtet Antje Feldmann, Geschäftsführerin der GEH.  Werden nicht bald weitere Züchter gefunden, ist dieser Schlag bald ausgestorben“.  

 

Bei alten Rinder-, Schweine-, Ziegen-, Hühner- und Schafrassen sieht es ähnlich aus. In Deutschland umfasst die Rote Liste der Nutztiere mittlerweile 103 Rassen. „Die Einschränkung der Nutzung auf wenige Rassen ist nicht nur hierzulande ein Problem“, erläutert  Matthias Meissner,  Referent für Landwirtschaft beim WWF. Weltweit gelten mehr als die Hälfte Nutztierrassen als gefährdet. Mit den Tieren sterbe ein Stück kultureller  und biologischer Vielfalt. Um diese Entwicklung zu stoppen, machen sich WWF und GEH  dafür stark, Nutztiere zu erhalten, die an die Region, die Böden und die jeweilige Landschaft angepasst sind.  „Fleisch von alten Haustierrassen kann preislich nicht mit der Massenware aus den industriellen Großbetrieben mithalten. Immer mehr Konsumenten legen jedoch gerade beim Fleisch auf eine ökologische Produktion“,  so Matthias Meißner. Der WWF sieht für die alten Haustierrassen durchaus Chancen, allerdings müsse sich die Agrarpolitik stärker als bisher um ihren Erhalt kümmern und zum Beispiel die regionale Vermarktung fördern. „Wir wollen keine Zoos für Haustiere, sondern wir wollen alte Nutztierrassen nutzen“, unterstreichen GEH und WWF. Insbesondere in der Landschaftspflege und beim ökologischen Landbau ergäben sich große Potenziale, um alte Haustierrassen wirtschaftlich attraktiv zu machen.

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