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Stilles Sterben in Deutschland

21. Mai 2006

Über die Hälfte der Säugetiere und Fische von Nord- bis Bodensee steht vor dem Aus

 

Der 22. Mai ist der Internationale Tag der biologischen Vielfalt

 

 

 

Frankfurt a. M., 21.05.2006-Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt warnt der WWF vor dem Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten in Deutschland. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation sind hierzulande über die Hälfte aller Säugetiere und Fische akut bedroht. Nicht besser ist es um die Pflanzen bestellt: 67 Prozent aller nur in Deutschland heimischen Pflanzen sind gefährdet. Hauptgrund für das stille Sterben ist der weiter zunehmende Lebensraumverlust durch Landwirtschaft, Verkehrswege- und Häuserbau, so der WWF.

 

 

 

Nach Angaben des WWF gelten in Deutschland 520 Tier- sowie 512 Pflanzenarten als ausgestorben oder verschollen, darunter 12 Säugetierarten. Von den untersuchten Aren sind 5.711 Arten akut gefährdet. Weltweit stehen 16.119 Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten.

 

 

 

Vom kleinen Einzeller bis zum großen Säugetier gibt es in Deutschland derzeit rund 48.000 Tierarten in freier Wildbahn. 'Davon sehen wir im Alltag allenfalls Tauben, Fliegen und Kaninchen', sagt WWF-Artenschutzexperte Roland Melisch. 'Daran sind wir selbst schuld. Als erste Art in der Evolution schaffen wir es im Alleingang, einen großen Teil der übrigen Arten zu vernichten.' Die Mehrzahl der Tiere und Pflanzen ist erst in den vergangenen 150 Jahren mit der sich rasant entwicklenden Industrialisierung ausgestorben. Trauriger Höhepunkt des Artenschwunds in Deutschland waren die 1960er und 1970er Jahre.

 

 

 

Obwohl sich das öffentliche Bewusstsein seither gewandelt hat, wird nach Ansicht des WWF in der Bundesrepublik noch viel zu wenig für den Artenschutz getan. 'Jeden Tag werden über einhundert Hektar Natur für Gebäude und Straßen zubetoniert. In der Landwirtschaft blühen die Monokulturen, es gibt nach wie vor Überdüngung und einen massiven Einsatz von Pestiziden', sagt WWF-Artenschützer Melisch. Beim Weltgipfel in Johannesburg vor vier Jahren habe die deutsche Regierung eine Trendwende beim Artensterben bis 2010 mit beschlossen. 'Wenn das ernst gemeint war, müssen die politischen Entscheidungsträger endlich vor der eigenen Haustür ernst machen', so Melisch.

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