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Stand: 12.01.2016

WWF-Artenlexikon

Atlantischer Lachs (Salmo salar)

Lebensraum Lachse bevorzugen die gemäßigten bis arktischen, küstennahen Gewässer des Atlantiks. Sie verbringen ihre Wachstumsphase im Meer, wandern aber zum Laichen zurück in die Flüsse, in denen sie geschlüpft sind.
Geografische Verbreitung Im westlichen Teil des Atlantiks ist er vom nördlichen Quebec in Kanada bis Connecticut in den USA verbreitet; im östlichen Teil von Portugal bis zum Nordpolarmeer, um Island, Großbritannien und Südgrönland, darüber hinaus häufig auch in der Ostsee.
Gefährdungsstatus IUCN: „nicht bedroht“
Bestandsgröße Keine Angaben
Atlantischer Lachs. © Paul Nicklen/National Geographic Stock / WWF-Canada
Atlantischer Lachs. ©  Paul Nicklen/National Geographic Stock / WWF-Canada

Wanderer zwischen den Welten

Der Atlantische Lachs hat einen langgestreckten Körper mit einem schlanken Schwanzstiel. Die erwachsenen Tiere sind auf dem Rücken grünlichgrau gefärbt, ihre Seiten sind silbrig mit dunklen Punkten, ihr Bauch ist weiß. Zur Laichzeit verfärbt sich ihr Rücken nach dunkelblaugrün, seine Seiten werden orangerot. Der 90 bis maximal 150 Zentimeter lange Atlantische Lachs erreicht ein Gewicht von bis zu 30 Kilogramm. Lachse bevorzugen die gemäßigten bis arktischen, küstennahen Gewässer des Atlantiks.

Sie haben eine sehr eigentümliche Lebensweise: Als anadrome Wanderer verbringen sie ihre Wachstumsphase im Meer, wandern aber zum Laichen zurück in die Flüsse, in denen sie geschlüpft sind. Diese hindernisreiche Wanderung dauert bis zu einem Jahr. Anfang November bis Ende Februar erreichen sie ihre Laichgebiete in den Oberläufen der Flüsse. Anschließend legen die Weibchen bis zu 30.000 Eier von etwa sechs Millimeter Größe. Mehre¬re Männchen befruchten die Eier. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach ein bis fünf Monaten. Etwa 40 Tage lang ernähren sie sich von ihrem Dottersack. Nach maximal fünf Jahren färben sie sich silbern und wandern flussabwärts Richtung Meer. Vor der Westküste Grönlands liegt eines der wichtigsten Aufwuchsgebiete der Lachse. Hier mästen sie sich mit Krebsen und kleinen Fischen, bis sie nach weiteren ein bis vier Jahren fortpflanzungsfähig werden und an ihren Geburtsort zurückkehren.

Für den Fang der Lachse auf dem Meer benutzen die Fischer in der Regel Stellnetze und Langlei¬nen. Lachse werden auch mit Heringen als Köder während ihrer Laichwanderung in die Flüsse gefangen. Aufgrund schwindender Bestände dürfen nur noch 5.000 Tonnen Atlantischer Lachs im Jahr gefischt werden. Gleichzeitig rangiert Lachs auf der Liste der beliebtesten Speisefische seit Jahren ganz weit oben. Seine Popularität hat über die Jahre noch erheb¬lich zugenommen, im Jahr 2004 betrug sein Marktanteil allein in Deutschland über zehn Prozent. Diese hohe Nachfrage kann nur noch mithilfe von Zuchtlachsen aus Aquakulturen befriedigt werden. In Norwegen, der Heimat der weltweit größten wildlebenden Lachsbestände, gehört die Fischzucht zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Rund 500.000 Tonnen Lachs und Regenbogenforelle werden in Norwegens Fischfarmen jedes Jahr produziert. Ebenfalls große Zuchtanlagen gibt es vor Island, Irland, Schottland, den Färöer-Inseln, den USA und Kanada.

Lachszuchten in großem Stil sind eine Bedrohung für die wild lebenden Bestände, die oft in unmittelbarer Nähe zu den Zuchtfarmen leben: Lachse in Zuchtkäfigen müssen gefüttert und gegen Krankheiten behandelt werden. Der Bedarf an Fischfutter für Aquakulturen ist heute schon so groß, dass er einen Faktor für die weltweite Überfischung darstellt. Der WWF schätzt, dass die Fischfarmen bis zum Jahr 2010 das gesamte Fischöl und die Hälfte des Fischmehls weltweit verbrauchen werden. Außerdem werden vier Kilogramm frei lebender Fisch benötigt, um ein Kilogramm Aquakulturfisch zu züchten. Die im offenen Wasser verankerten Netzkäfige stellen zudem keine Barriere für Parasiten oder Krankheitserreger dar, die von hier nach außen dringen. Andererseits sind auch die Lachse in den Zuchtkäfigen dem Einfluss von außen ungeschützt unterworfen. Etwa eine halbe Million Lachse entkommen jährlich aus norwegischen Zuchtkäfigen, das ist einer von vier norwegischen Lachsen.

Auch in Deutschland war der Lachs einst in vielen Flüssen zuhause. Zum Aussterben des Lachses in unseren Gewässern hat einerseits die Überfischung der Laichbestände geführt. Andererseits wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts Dämme und andere Querbauten in die Flüsse gesetzt. Damit war der Weg der Lachse zu ihren angestammten Laichgründen versperrt und ihre Fortpflanzung verhindert.

Ein Ausweg aus dem Dilemma sind heute Zuchtfische mit dem „Bio“-Siegel. Bio-Lachs stammt zum Beispiel aus Aquakulturen in Schottland. Das Futter der Bio-Lachse kommt aus Fängen, die ausschließlich zur Lebensmittelerzeugung verwendet werden. Der Einsatz von Chemikalien, Antibiotika, Wachstumsregulatoren und gentechnisch veränderten Organismen ist verboten. Auch für im Meer gefangenen Fisch gibt ein Zertifikat: Der MSC (Marine Stewardship Council) zertifiziert Fischereien, die bestandserhaltend fischen. Die fünf pazifischen Lachsarten (Oncorhynchus spp.) werden seit dem Jahr 2001 nach MSC-Kriterien vor der Küste Alaskas befischt.

Der WWF fordert grundsätzlich einen umweltschonenden Betrieb aller Aquakulturen:

  • Lachsfarmen müssen in ausreichendem Abstand zu den Wildtierbeständen betrieben werden.
  • Zuchtlachse sollten individuell gekennzeichnet sein, damit ihre Herkunft zurückverfolgt werden kann.

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