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Stand: 09.04.2017

WWF-Artenlexikon

Bonobo (Pan paniscus)

Lebensraum Tropischer Regenwald dabei bevorzugt Primär- und Sumpfwälder, aber auch Sekundär- und Trockenwälder
Geografische Verbreitung Demokratische Republik Kongo
Gefährdungsstatus IUCN: "stark bedroht"
CITES: Anhang I
Bestandsgröße mindestens noch 15.000 bis 20.000 Bonobos in der Wildnis

Die engsten Verwandten des Menschen

Bonobos sind neben den Schimpansen die engsten Verwandten des Menschen. Sie wurden erst im Jahr 1929 als eigene Art erkannt. Obwohl sie umgangssprachlich auch Zwergschimpansen genannt werden, sind sie nur geringfügig kleiner als Schimpansen und ihnen äußerlich sehr ähnlich. Bonobos leben in großen Gemeinschaften von etwa 30 bis 80 Tieren. Weibchen spielen im Sozialgefüge eine zentrale Rolle und übernehmen überwiegend die Führung der Gruppen. Bonobos sind bekannt für ihr ausgeprägtes Sexualverhalten und scheinen nach dem Motto „Make love, not war“ zu leben. Sie sind in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo beheimatet und dort von Wilderei, Lebensraumverlust und Krankheiten stark bedroht. Ihre geringe Bestandsgröße, die zersplitterte Verbreitung und die niedrige Reproduktionsrate machen die Bonobos äußerst empfindlich.

Systematische Einordnung

Der Bonobo (Pan paniscus), manchmal auch Zwergschimpanse genannt, gehört zur Familie der Menschenaffen und zur Ordnung der Primaten. Gemeinsam mit den Gibbons und den Meerkatzenverwandten bilden die Menschenaffen die Gruppe der Altweltaffen. Die Alt- und Neuweltaffen sind die beiden Verwandtschaftsgruppen der Affen, die wiederum zusammen mit den Koboldmakis die Unterordnung der Trockennasenaffen bilden. Die Trockennasenaffen gehören neben den Feuchtnasenaffen zur Säugetierordnung der Primaten. Die Familie der Menschenaffen gliedert sich heute in vier Gattungen mit sieben Arten: Bonobo, (Gemeiner) Schimpanse, Westlicher Gorilla, Östlicher Gorilla, Sumatra-Orang-Utan, Borneo-Orang-Utan und Mensch. Dabei gehören die beiden Arten Bonobo und (Gemeiner) Schimpanse zur Gattung der Schimpansen. Die beiden Schimpansenarten sind die nächsten Verwandten von uns Menschen. Bonobos wurden erst im Jahr 1929 als eigene Art erkannt und sind somit die zuletzt beschriebene Menschenaffenart.

Merkmale

Bonobos sind die kleinste Menschenaffenart. Obwohl sie umgangssprachlich auch Zwergschimpansen genannt werden, sind sie nur geringfügig kleiner als Schimpansen. Bei den Bonobos unterscheiden sich Männchen und Weibchen im Vergleich zu den anderen Menschenaffen nur wenig in Größe und Gewicht. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bei Männchen bis zu 83 Zentimeter und bei Weibchen bis zu 76 Zentimeter. Stehend erreichen sie eine Größe von rund 1,15 Meter. Männchen wiegen etwa 36 bis 43 Kilogramm und Weibchen 26 bis 36 Kilogramm.

Bonobos erscheinen schlank und agil. Sie besitzen einen kleinen, runden Kopf, einen zierlichen Körper und lange, schlanke Gliedmaßen. Wie bei allen Menschenaffen, außer dem Menschen, sind die Arme länger als die Beine. Die Großzehen der Füße sind analog zum Daumen wie bei den meisten Affen opponierbar. Aus diesem Grund funktionieren die Füße als so genannte Greiffüße. Das Fell der Bonobos ist schwarz ebenso wie das Gesicht, die Ohren, die Hand- und Fußsohlen. Allerdings kann ihr Fell im Alter manchmal ergrauen. Das Gesicht der Bonobos ist unbehaart und flach mit einer vorgewölbten Kieferpartie und roten Lippen. Über den Augen haben sie so genannte Überaugenwülste - eine Verdickung des Stirnbeins. Die Kopfbehaarung ist häufig in der Mitte längs gescheitelt und dünnt manchmal im Alter bis zu einer Teil- oder Vollglatze aus. Viele Bonobos haben Backenbärte. Die unbehaarten, anliegenden Ohren ragen mehr oder weniger aus der Kopfbehaarung heraus.

Bonobos sind sehr gute Kletterer und bewegen sich am Boden ebenso wie die anderen afrikanischen Menschenaffen typischerweise vierfüßig im so genannten Knöchelgang fort. Dabei treten sie hinten je nach Geschwindigkeit der Fortbewegung mehr oder weniger mit der ganzen Fußsohle auf, während vorne die Finger zu einer offenen Faust gekrümmt werden und nur die mittleren Fingerglieder und die Knöchel den Boden berühren. Zwischenzeitlich stehen Bonobos auch gerne aufrecht und können kurze Strecken auf zwei Beinen laufen.

Äußerlich sehen Bonobos ihren nächsten Verwandten, den Schimpansen, sehr ähnlich. Es gibt nur wenige Körpermerkmale, die sie unterscheiden. Während beide Arten fast gleich groß sind, unterscheiden sich jedoch ihre Körperproportionen. Bonobos haben längere Beine, kürzere Arme und einen schmaleren Rumpf als Schimpansen. Der Kopf der Bonobos ist runder, das Gesicht flacher und die Mundpartie ragt weniger nach vorne. So wirkt ihr Gesicht feiner, weicher und weniger kantig als das der Schimpansen. Die Lippen der Bonobos sind rot, die der Schimpansen dunkel. Den Bonobos fällt eine aufrechte Haltung unter anderem durch ihre längeren, muskulöseren Beine und der zentraleren Position des Kopfes über dem Rumpf leichter als Schimpansen.

Lebensweise

Bonobos leben hochkomplex organisiert in so genannten Fission-Fusion-Gemeinschaften. Typischerweise gehören dazu rund 30 bis 80 Männchen und Weibchen, die sich regelmäßig in kleinere Gruppen aufteilen und wieder zusammenkommen. Diese Kleingruppen zählen zwischen vier und 23 Bonobos und sind gemischtgeschlechtlich, so dass Männchen und Weibchen das ganze Jahr über zusammen sind. Es wird angenommen, dass fehlende interspezifische Konkurrenz um Nahrung durch Gorillas ein wichtiger Faktor im Laufe der Evolution für die Bildung solch großer Gemeinschaften bei Bonobos gewesen sein könnte. Als die größten Affen in ihrem Verbreitungsgebiet hatten die frühen Bonobos ein besonders reichhaltiges Nahrungsangebot und konnten in großen und stabilen Gruppen umherziehen.

In der Gemeinschaft der Bonobos gibt es eine Rangordnung. Diese ist relativ flexibel und nicht linear. Die ranghöchsten Bonobos sind typischerweise ein so genanntes Alpha-Weibchen und ihr Sohn. Der soziale Status eines Weibchens ist abhängig von starken Bindungen zu anderen Weibchen. Ältere Weibchen sind in der Regel ranghöher als jüngere. Weibchen, die noch keinen Nachwuchs haben, sind zunächst rangniedrig. Der soziale Status der Männchen ist vor allem von dem ihrer Mütter abhängig. Häufig gibt es mehrere in etwa gleichberechtigte Bonobos auf einer Rangebene. Der Rang ist dabei auch situationsabhängig beispielsweise von der Verfügbarkeit der Nahrung oder der Paarungsbereitschaft eines Weibchens. Die Weibchen haben enge Bindungen untereinander, bilden Koalitionen und führen die Gruppen an. Die Männchen hingegen haben keine engen Bindungen untereinander und befinden sich selten in Koalitionen oder ähnlichen Kleingruppenkonstellationen. Die Mütter und andere Weibchen stellen die engsten Verbündeten der Männchen dar.

Bonobos gelten insgesamt als besonders friedlich. Insbesondere Männchen zeigen Weibchen gegenüber nur sehr selten Aggressivität. Ebenso kommt es auch unter Weibchen nur vereinzelt zu Konflikten. Zwischen Männchen gibt es hingegen immer mal wieder aggressives Verhalten, wenn auch in moderater Intensität. Gegenseitige Tötungen sind bei Bonobos nicht bekannt. Eine sehr wichtige Rolle bei der Regulation ihres Soziallebens, der Pflege von Beziehungen und dem Abbau von Spannungen scheinen dabei sexuelle Interaktionen zu spielen, die vollkommen unabhängig vom Zweck der Fortpflanzung sind. Sämtliche Tiere der Gemeinschaft haben mehrmals täglich Sexualkontakte miteinander, unabhängig von Geschlecht, Alter, Verwandtschaft und sozialem Status. Dabei umfasst die Sexualität der Bonobos eine Vielfalt von Praktiken wie verschiedene Stellungen beim Geschlechtsverkehr, Petting, Oralverkehr, Zungenküsse, Selbstbefriedigung usw. Sexuelle Interaktionen sind bei sozialen Spannungen, nach Konflikten und beim Zusammenkommen mehrerer Gruppen der Gemeinschaft besonders häufig zu beobachten. Im Vergleich zwischen gemischtgeschlechtlichen und gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten sind insbesondere die zwischen Weibchen am häufigsten. Diese dienen der Pflege ihrer Bindungen untereinander und damit auch der Sicherung ihrer jeweiligen sozialen Stellung. Weitere Aktivitäten zur Festigung des Zusammenhaltes der Gruppe sind die soziale Körperpflege, das so genannte Grooming und das Spiel miteinander. Bonobos zeigen eine relativ große Toleranz gegenüber anderen Gemeinschaftsmitgliedern. Das friedliche, aggressionsarme Miteinander ist für Bonobos, die in relativ großen Gemeinschaften leben, eine Herausforderung. Wahrscheinlich steht diese Friedfertigkeit im evolutionären Zusammenhang mit der Entwicklung der häufigen sexuellen Interaktionen. Verwandtenselektion, also ein indirekter Fortpflanzungserfolg durch die Unterstützung von Verwandten, spielt dabei bei Bonobos wahrscheinlich keine Rolle, da die Mitglieder der Gemeinschaft oft nicht direkt miteinander verwandt sind. Ein weiterer Aspekt für die Erklärung der Friedlichkeit ist offenbar auch, dass das Nahrungsangebot im Verbreitungsgebiet der Bonobos besonders reichhaltig ist und es somit weniger intraspezifische Konkurrenz gibt. Möglicherweise ist das auch der Grund dafür, dass Bonobos kaum Werkzeuge zur Ernährungsweise gebrauchen. Insgesamt attestieren Untersuchungen Bonobos eine etwas höhere Sozialkompetenz als Schimpansen und gleichzeitig eine leichte Unterlegenheit in körperlichen Fertigkeiten.

Bonobos sind tagaktiv und legen auf der Suche nach Nahrung und Schlafplätzen täglich durchschnittlich zwei bis drei Kilometer zurück. Wenn einzelne Männchen oder Weibchen den Aufbruch einer oder mehrerer Kleingruppen initiieren wollen, suchen sie sich manchmal große Äste, die sie dann lautstark hinter sich herziehen bis sich die anderen Tiere angeschlossen haben. Innerhalb eines Jahres durchstreifen die Mitglieder einer Bonobogemeinschaft ein bis zu 60 Quadratkilometer großes Gebiet. Dabei beträgt die Überlappung der Streifgebiete mehrerer Bonobogemeinschaften zwischen 40 und 66 Prozent. Reviermarkierungen oder Patrouillen gibt es bei Bonobos nicht. Begegnungen zwischen Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften verlaufen friedlich.

Bonobos sind sowohl Baum- als auch Bodenbewohner. Einer Untersuchung zur Folge halten sie sich tagsüber etwas mehr als die Hälfte der Zeit am Boden auf. Zum Schlafen bauen sie sich jeden Abend im Kronendach ein neues Nest, wobei sie dafür bestimmte Baumarten bevorzugen. Zum Schutz gegen starken Regen nutzen Bonobos manchmal Schirme und Kopfbedeckungen aus Blättern und anderen Pflanzenteilen.

Insgesamt können Bonobos verschiedener Gemeinschaften und Populationen durchaus signifikante Unterschiede in ihrem Verhalten zeigen, so dass manches Verhalten unter Umständen differenziert betrachtet werden muss. Dies lässt auf eine hohe kognitive Flexibilität und Anpassungsfähigkeit schließen. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der Forschungsstand über Bonobos verglichen mit dem über andere Meschenaffenarten insgesamt noch relativ begrenzt ist.

Fortpflanzung

Bei Bonobos werden die Männchen etwa mit zehn Jahren und die Weibchen mit neun bis zwölf Jahren geschlechtsreif. Die Empfängnisbereitschaft der Weibchen wird durch eine zyklusabhängige, hormonell bedingte Schwellung und Pinkfärbung der Genitalien angezeigt. In der empfängnisbereiten Phase paaren sich die Weibchen besonders häufig und mit mehreren Geschlechtspartnern der Gemeinschaft. Der Fortpflanzungserfolg eines Männchens ist vor allem von zwei Faktoren abhängig: zum einen von seinem sozialen Rang und zum anderen von der Unterstützung der Mutter. Männchen pflegen mehr oder weniger feste Beziehungen zu einzelnen Weibchen. Je ranghöher ein Männchen ist, desto mehr investiert es in eine Beziehung zu einem bestimmten Weibchen, desto öfter paart sich dieses Weibchen dann mit dem Männchen und desto größer ist letztlich die Wahrscheinlichkeit für das Männchen seine Gene weitergeben zu können. Zudem zeigen Studien, dass Mütter ihre Söhne dabei unterstützen, Zugang zu paarungsbereiten Weibchen zu bekommen. Je mehr Nachkommen ein Männchen produziert, desto größer ist auch der Fortpflanzungserfolg der Großmutter.

Bonoboweibchen bekommen etwa im Alter von 13 bis 14 Jahren ihren ersten Nachwuchs. Nach einer Tragzeit von rund acht Monaten kommt meistens ein einzelnes Junges zur Welt. Die Geburten erfolgen das ganze Jahr über. Die Mutter-Kind-Bindung ist bei Bonobos sehr innig. Bonobokinder werden mehrere Jahre lang gesäugt. Die Mütter teilen ihre Schlafnester mit ihren Jungen, bis sie nach rund vier bis acht Jahren ihren nächsten Nachwuchs erwarten. Infantizid, also Kindstötung durch Männchen, ist bei Bonobos nicht bekannt. Durch die Promiskuität der Weibchen bleibt die Vaterschaft unklar. Vermutlich können die Weibchen dadurch Infantizid verhindern und somit ihren Fortpflanzungserfolg erhöhen. Bis zur Selbstständigkeit der Jungtiere vergehen viele Jahre. Die Entwicklung vollzieht sich dabei insgesamt langsamer als bei Schimpansen. Im Alter von etwa sechs bis dreizehn Jahren verlassen die jungen Weibchen die Gemeinschaft und schließen sich einer neuen an. Die jungen Männchen bleiben hingegen ihr Leben lang in derselben Gemeinschaft. Bei den meisten anderen sozial lebenden Altweltaffen ist es genau andersherum.

Geografische Verbreitung

Bonobos kommen in kleinen verstreuten Gebieten ausschließlich innerhalb eines insgesamt rund 563.000 Quadratkilometer umfassenden Areals im mittleren Teil der Demokratischen Republik Kongo vor. Ihr Verbreitungsgebiet ist zu allen Seiten durch einen fast geschlossenen Ring aus Flüssen begrenzt: im Norden und Westen vom Kongo, im Osten vom Lualaba und im Süden von Kasai und Sankuru. Dabei stellt der Kongo eine biogeografische Ausbreitungsbarriere nach Nordwesten dar und trennt das Verbreitungsgebiet der Bonobos klar von den Verbreitungsgebieten der Schimpansen und Gorillas, die auf der anderen Seite des mächtigen Flusses leben. Wissenschaftler vermuten, dass einige der gemeinsamen Vorfahren der Bonobos und Schimpansen möglicherweise während einer Dürrezeit vor rund einer Millionen Jahre den Kongo überquert haben und sich die beiden Arten auf den zwei Seiten des Flusses seitdem getrennt voneinander entwickelt haben. Im südlichen Teil des Verbreitungsgebietes wurde im Jahr 1970 zum Schutz der Bonobos der Salonga-Nationalpark mit einer Größe von etwa der Fläche Baden-Württembergs geschaffen. 

Lebensraum

Bonobos sind typische Bewohner des tropischen Regenwalds im hügeligen Tiefland des Kongobeckens mit Erhebungen bis zu 700 Metern. Sie bevorzugen dichte, schwer zugängliche Primärwälder und saisonal überflutete Sumpfwälder, kommen aber auch in Sekundärwäldern und Trockenwäldern vor und halten sich gelegentlich im halboffenen Savannenland und auf sumpfigen Lichtungen auf.

Ernährungsweise

Bonobos sind Allesfresser und ernähren sich überwiegend von Pflanzen. Früchte und Samen machen etwa die Hälfte der Nahrung aus. Blätter, Stängel, junge Triebe, Pflanzenmark, Baumrinde, Blüten, Honig und Pilze gehören ebenfalls zur Bonobo-Nahrung. In Sümpfen und kleinen Gewässern finden Bonobos auch mal Wasserpflanzen und Algen. Gelegentlich steht auch tierische Kost auf dem Speiseplan wie Insektenlarven, Ameisen, Termiten, Regenwürmer, kleine Reptilien, Vögel und mittelgroße Säugetiere wie Ducker oder andere Affen. Es jagen sowohl Männchen als auch Weibchen und sie jagen entweder einzeln oder auch in Gruppen. Dabei können sich die Jagdmethoden unterscheiden. Bei größerer Beute fressen die Weibchen zuerst und kontrollieren die Aufteilung des Fleisches. Bonobos teilen ihre Nahrung mit allen Gruppenmitgliedern unabhängig von Verwandtschaft. Insgesamt verbringen sie rund ein bis zwei Drittel des Tages mit Nahrungssuche und -aufnahme.

Bonobos spielen als „Gärtner des Regenwaldes“ eine wichtige Rolle in ihrem Ökosystem im Kongobecken. So sind die Verbreitung und das Überleben einiger Pflanzen von der Aussaat durch Bonobos abhängig, indem sie aufgrund ihrer Ernährungsweise Samen verteilen und dadurch zur ständigen Regeneration des Regenwaldes beitragen. 

Bestandsgröße und Gefährdungsstatus

Die Datenlage zur Bestandsgröße und zur genauen Verbreitung der Bonobos ist derzeit noch relativ begrenzt. Die Konflikte in der Demokratischen Republik Kongo hatten zur Folge, dass in den vergangenen Jahren nur wenige Bestandsuntersuchungen durchgeführt werden konnten. Zwischen 2003 und 2010 sind nur rund ein Viertel des gesamten historischen Verbreitungsgebietes systematisch untersucht worden. Demnach gibt es aktuell keine Angaben zur Größe des Gesamtbestandes der Bonobos, sondern nur einen Mindestwert von noch 15.000 bis 20.000 Bonobos in der Wildnis. Bei der Auswertung der Daten aus dem Zeitraum zwischen 2003 und 2010 wurden vier Gebiete identifiziert, in denen es wahrscheinlich noch die größten Vorkommen gibt. Diese sind im Norden der Block „Maringa-Lopori-Wamba“, im Osten der Block „Tshuapa-Lomami-Lualaba, TL2“, im Süden der Block „Salonga“ und im Westen der Block „Lac Tumba-Lac Mai Ndombe“. Es wird angenommen, dass der Salonga-Nationalpark etwa 40 Prozent der gesamten Bonobopopulation beheimatet. Der Park gilt somit als eines der wichtigsten Rückzugsgebiete für diese Art. Auf der Basis der vorhandenen Daten zur Verbreitung und Bestandsgröße der Bonobos entwickelten Forscher um Hickey im Jahr 2012 ein Model zur Voraussage, wie wahrscheinlich eine Region im historischen Verbreitungsgebiet als Lebensraum für Bonobos geeignet ist. Dementsprechend sollen dort in Zukunft gezielte Bestandsuntersuchungen durchgeführt werden.

Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gelten Bonobos als stark gefährdet. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES sind sie im Anhang I gelistet. Jeder internationale kommerzielle Handel ist somit verboten. Auch in ihrem Verbreitungsland, der Demokratischen Republik Kongo, stehen sie unter Schutz.

Bedrohungsfaktoren

In der Demokratischen Republik Kongo kam es auch nach der offiziellen Beendigung des Krieges 2003 immer wieder zu schweren Unruhen, die Teile des Landes in bürgerkriegsähnliche Zustände versetzten. Aufgrund jahrzehntelanger gewaltsamer Konflikte, Korruption und Missmanagement, fehlender staatlicher Investition in Ausbildung und notwendige Infrastruktur herrscht in weiten Teilen des Landes große Armut. In der Rangliste des "Index der menschlichen Entwicklung", einem Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen, lag die Demokratische Republik Kongo im Jahr 2016 auf Platz 176 von 188.

Die drei größten Bedrohungen für die Bonobos sind heutzutage Wilderei, Lebensraumverlust und Krankheiten. Ihre geringe Bestandsgröße, die flickenteppichartige Verbreitung und die niedrige Reproduktionsrate machen die Bonobos äußerst empfindlich.

Die Tiere in den zentralafrikanischen Wäldern sind in vielen Regionen eine wichtige Nahrungsquelle für die Bevölkerung. Doch seitdem das so genannte Buschfleisch nicht mehr nur zur Selbstversorgung dient, sondern auch in die Städte transportiert und dort verkauft wird, ist die Jagd nicht mehr nachhaltig. Die Kommerzialisierung des Buschfleischhandels hat mittlerweile dazu geführt, dass es in weiten Teilen der zentralafrikanischen Wälder so gut wie keine großen und mittelgroßen Wirbeltiere mehr gibt. Auf der Suche nach Beute dringen die Jäger deshalb in immer entlegenere Gebiete vor. Insgesamt gilt die Jagd nach Buschfleisch als die größte Bedrohung für die gesamte Tierwelt in der Demokratischen Republik Kongo. Obwohl Bonobos unter Schutz stehen, werden auch sie als Buschfleisch gejagt, verkauft und verspeist. Wissenschaftler haben im Jahr 2011 Untersuchungen veröffentlicht, die zeigen, dass jährlich rund 270 Bonobos in der Region TL2 im östlichen Verbreitungsgebiet getötet und auf den Märkten der Stadt Kindu als Buschfleisch verkauft wurden. Korrupte Strukturen und mangelhafte Überwachung erleichtern die Wilderei sogar in Schutzgebieten. Im Salonga-Nationalpark zeigten Untersuchungen in den Jahren 2003 bis 2006 zahlreiche Spuren von Wilderei. In der Folge konnte die illegale Jagd durch Antiwilderei-Maßnahmen deutlich reduziert werden. Die Bonobobestände im Lokofasektor im Süden des Salonga-Nationalparks waren daraufhin im Zeitraum zwischen 2006 und 2015 stabil. Bei der Jagd nach Buschfleisch jeglicher Art kommen vor allem Schlingen und Schrotflinten zum Einsatz, aber auch Sturmgewehre und Giftpfeile. Das Auslegen von Schlingen stellt dabei ein besonderes Problem für die Tiere dar. Sollten sie es schaffen sich wieder zu befreien, drohen tödliche Infektionen der Wunden oder zurückbleibende körperliche Behinderungen. Verwaiste Bonobokinder werden von den Wilderern manchmal am Leben gelassen und als Haustiere verkauft. Die Wilderei stellt derzeit die größte Bedrohung für Bonobos dar.

Die Demokratische Republik Kongo hat ein enormes Bevölkerungswachstum. Siedlungen und Ballungsräume gibt es vor allem entlang der Flüsse und Straßen. Durch Brandrodung werden traditionell landwirtschaftliche Flächen zur Subsistenzwirtschaft gewonnen, die bisher keinen großen Lebensraumverlust dargestellt haben. Während der Unruhen und Kriege haben sich viele Leute in entlegene Gebiete zurückgezogen, dort die Natur genutzt und degradiert und konnten erst nach Beendigung der Konflikte in ihre Siedlungen zurückkehren. Der nachkriegszeitliche Ausbau der Infrastruktur und neue Wirtschaftsbeziehungen stellen nun aber eine ganz neue Dimension der Bedrohung für die Natur dar. Die Demokratische Republik Kongo verfügt über Bodenschätze und Erdölvorkommen und eignet sich unter anderem für den Anbau von Palmöl im großen Stil. Rund 99 Prozent des Lebensraumes der Bonobos bieten beste Bedingungen für die Umwandlung in Palmölplantagen. Wenngleich Holzeinschlag und Bergbau bisher noch keinen großen Lebensraumverlust für die Bonobos dargestellt haben, könnte ihr Überleben durch entsprechende Aktivitäten der Industrie sehr schnell in großer Gefahr sein.

Obwohl bei Bonobos bisher noch keine populationsübergreifende Krankheitsepidemien bekannt sind, stellen natürliche Erreger wie beispielsweise Ebola und vom Menschen übertragene Krankheiten wie Atemwegsinfekte eine große potentielle Bedrohung dar. Bei den anderen Menschenaffen in Zentralafrika hat es durch Epidemien bereits zahlreiche Verluste gegeben. In manchen Gebieten in Gabun und der Republik Kongo sind seit den 1990er Jahren bis zu 90 Prozent der Schimpansen- und Gorillabestände durch Ebolafieber umgekommen. Die Ausbreitung einer Infektion würde durch die Lebensweise der Bonobos in großen Gemeinschaften mit vielen Sozialkontakten besonders begünstigt werden. Vor allem durch zunehmende Buschfleischjagd, aber auch durch Forschung, Tourismus und Auffangstationen kommen Bonobos verstärkt mit Menschen in Kontakt und können sich anstecken. In Wamba erkrankten einige Bonobos an Atemwegsinfekten als Soldaten und Vertriebene in ihr Verbreitungsgebiet vordrangen. In Malebo, einer dicht von Menschen besiedelten Region, wurden bei Bonobos Infektionen mit dem Humanen Respiratorischen Synzytial-Virus und Pneumokokken nachgewiesen. Im Jahr 2014 gab es eine Ebolafieber-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo im Verbreitungsgebiet der Bonobos, von der allerdings nicht bekannt ist, dass sich auch Bonobos angesteckt hatten. Diese Fälle zeigen, dass Krankheiten eine ernstzunehmende Gefahr darstellen.

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