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Stand: 13.05.2016

WWF-Artenlexikon

Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Lebensraum Fischreiche Küstengebiete; Geburt und Aufzucht der Jungen an überflutungssicheren Standorten, wie Eisschollen, Felsen oder Sandbänken.
Geografische Verbreitung Verbreitung in drei getrennten Beständen: Beiderseits Nordatlantiks von der kanadischen Ostküste über Island bis zur Bretagne und zur Kola-Halbinsel. Kleinere Vorkommen in der deutschen Bucht und der Ostsee.
Gefährdungsstatus IUCN: weltweit „nicht gefährdet“
Rote Liste Deutschland: „stark gefährdet“
Bestandsgröße Gesamt: etwa 200.000 Tiere
Ostsee: etwa 24.000 Tiere, überwiegend nördlich von Bornholm (an der deutschen Ostseeküste noch keine Geburt)
Wattenmeer: etwa 4.000 Tiere, davon knapp 1.000 in Deutschland
Trend: zunehmend
Kegelrobbe (<i>Halichoerus grypus</i>) © Wild Wonders of Europe / Laurent Geslin / WWF
Kegelrobbe (&lt;i&gt;Halichoerus grypus&lt;/i&gt;) © Wild Wonders of Europe / Laurent Geslin / WWF

Schwerfällig an Land, agil im Wasser

An seiner spitz zulaufenden, „kegelförmigen“ Schnauze ist das größte Raubtier Deutschlands – die Kegelrobbe – leicht zu erkennen. Aufgrund ihres grauen, gefleckten Fells wird sie in vielen Ländern auch als „Graurobbe“ bezeichnet. Männchen bringen bei einer Körpergröße von etwa 2 bis 2,5 Meter mehr als 250 Kilogramm auf die Waage, während die Weibchen mit 2 Metern Länge und 150 Kilogramm Körpergewicht kleiner und deutlich leichter sind. Kegelrobben gehören wie die Seehunde zu den Hundsrobben. Evolutionär haben sie sich weiter vom Leben auf dem Land entfernt als andere Robbenarten. Sie haben keine ausgeprägten Ohren und kommen an Land nur schwerfällig vorwärts, da sie nicht in der Lage sind, ihre hinteren Gliedmaßen unter den Körper zu bewegen. Im Wasser hingegen erreichen sie Geschwindigkeiten von über 30 km/h. Im Extremfall können sie bis zu 300 Meter tief tauchen und 30 Minuten unter Wasser bleiben. Für die Nahrungssuche beschränken die Tauchgänge sich gewöhnlich auf Tiefen bis zu 100 Meter.

Weiterführende Informationen

"Blubber" gegen die Kälte

Vor Kälte schützen Kegelrobben sich durch den „Blubber“, eine dicke Unterhautspeckschicht, die auch als Energiereserve dient. Während des Fellwechsels sowie in der Paarungs- und Wurfzeit zehren die Kegelrobben ausschließlich von ihren Fettreserven. In den folgenden Monaten legen sie sich durch die Jagd auf Fisch eine neue Speckschicht zu. Kegelrobben sind Opportunisten, ernähren sich jedoch überwiegend von Fisch. Die Beute variiert dabei regional und saisonal, beliebt sind jedoch insbesondere Dorsch, Hering und Plattfisch. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Krebse und Weichtiere. Eine ausgewachsene Kegelrobbe benötigt im Durchschnitt 4 bis 8 Kilogramm Nahrung am Tag.

Geburt und Aufzucht

Die Geburt der jungen Kegelrobben findet je nach Region zwischen Oktober und März statt, im Wattenmeer von November bis Januar, in der Ostsee von Februar bis März. Dabei bringt das Weibchen ein einzelnes Junges zur Welt. Für Geburt und Aufzucht der Jungen suchen die Tiere überflutungssichere Bereiche auf. In der Ostsee wählen die Kegelrobben zu diesem Zweck häufig auch Packeisformationen. Dies ist wichtig, da das weiße Lanugofell der Jungtiere seine thermischen Eigenschaften verliert, wenn es nass wird. Nach etwa einem Monat erfolgt der Fellwechsel und die Jungtiere erobern das Wasser. Im Alter von drei bis sechs Jahren sind die heranwachsenden Tiere geschlechtsreif.

 

Rückkehr in die alte Heimat

Verbreitung findet die Kegelrobbe hauptsächlich in subarktischen bis kalt-temperierten Küstengebieten des Nordatlantiks. Von der kanadischen Küste über Island, Großbritannien und Irland sowie das europäische Festland bis hin zur russischen Kola-Halbinsel sind Kegelrobbenkolonien beheimatet. Nachdem die Anzahl der Kegelrobben innerhalb weniger Jahrzehnte in der Ostsee von ehemals über 100.000 Tieren bereits auf wenige tausend geschrumpft war, ist dank eines Jagdverbots und des Rückgangs an Umweltgiften wieder ein Zuwachs des Bestandes zu verzeichnen. In der Ostsee, überwiegend nördlich von Bornholm, gibt es bereits wieder 24.000 Tiere und auch in deutschen Gewässern werden ganzjährig Kegelrobben gesichtet. Hervorzuheben ist hierbei der Greifswalder Bodden, wo vor etwa 10 Jahren wieder die ersten Robben gesichtet wurden. Es halten sich jetzt rund 30 Tiere ganzjährig im Bodden auf. Im Frühjahr, wenn der Hering zum Laichen in die Flachwässer zieht, wurden schon rund 100 Tiere in der Region erfasst. 

 

Dennoch steht die Kegelrobbe in Deutschland als „stark gefährdete“ Art auf der Roten Liste. Gefahr durch den Menschen droht ihr von verschiedenen Seiten. Was Menschen als Erholungsgebiet nutzen ist für die Kegelrobben ihr natürlicher Lebensraum, in dem sie ungestörte Wurf- und Erholungsplätze benötigen. Zudem konkurrieren Kegelrobben und Fischer um Fischbestände. Immer wieder kommt es vor, dass Robben sich beim Versuch, Beute aus Fischereigeräten zu entnehmen, verfangen und ertrinken oder als Beifang enden. Weiterhin ist die Verschmutzung der Meere ein Problem. Kegelrobben stehen am Ende der Nahrungskette und nehmen Schadstoffe deshalb in angereicherter Form auf, was zu Missbildungen führen kann, ihr Immunsystem schwächt und sie anfällig für Krankheiten macht.

 

So setzt sich der WWF für die Kegelrobben ein

Der WWF setzt sich unter anderem mit Projekten zu Monitoring, Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit für die Rückkehr der Kegelrobbe an die deutsche Ostseeküste ein. Im WWF-Projekt „Junior Ranger als Robbenbotschafter“ in Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat Südost-Rügen konnten junge Menschen sich bis April 2016 zu Robbenbotschaftern ausbilden lassen und sich für ihren Schutz stark machen.

 

Mit dem Ziel, ein ganzjähriges Kegelrobbenmonitoring zu ermöglichen hat der WWF das Biosphärenreservat bei der Anschaffung eines Bootes unterstützt. Um auf die Rückkehr der Kegelrobben vorbereitet zu sein ist es notwendig, verlässliche Daten über die Tiere zu sammeln. Mögliche Störungen können so frühzeitig erkannt und minimiert werden.

 

Eine weitere wichtige Aufgabe ist es im Dialog mit lokalen Fischern präventives Konfliktmanagement zu betreiben. Der WWF arbeitet daran, die Konflikte mit der Fischerei zu minimieren. Eine Möglichkeit hierzu ist die Einführung von zeitlich begrenzten fischereifreien Zonen. Erfolge lassen sich auch durch den Einsatz von alternativen Fischereigeräten erzielen, die sowohl den Zugriff der Robben auf den Fang reduzieren als auch das Gefährdungspotential für die Tiere minimieren. 

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