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Stand: 23.01.2017

WWF-Artenlexikon

Saiga-Antilope (Saiga tatarica)

Lebensraum trockene Steppenlandschaften und Halbwüsten
Geografische Verbreitung Kalmykien (Russland), Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan und Mongolei
Gefährdungsstatus Saiga-Antilope als Art vom Aussterben bedroht
Gefährdungsstatus der Unterarten (nach IUCN):
Westliche Saiga (S. t. tatarica) "vom Aussterben bedroht"
Mongolische Saiga (S. t. mongolica) "stark gefährdet"
CITES: Anhang II
Bestandsgröße Gesamtpopulation: ca. 120.000
Kasachstan: 108.200 S. t. tatarica
Mongolei: ca. 12.000 S. t. mongolica
Saiga-Antilope. © Pavel Sorokin / WWF

„Außerirdische“ in der Steppe

Das Auffälligste an der Saiga-Antilope ist ihre ungewöhnliche Nase. Das aufgeblähte, bucklige Organ überragt den Mund, formt einen beweglichen kurzen Rüssel und erinnert ein bisschen an den „Fernseh-Außerirdischen“ Alf. In Wirklichkeit erleichtert die anatomische Besonderheit den Tieren das Überleben in ihrem Lebensraum. In den zentralasiatischen Steppen, in denen das Thermometer im Winter bis weit unter den Gefrierpunkt fällt, im Sommer aber auf über 40 Grad Celsius steigen kann, hilft die verlängerte Nase der Saiga-Antilope bei der so genannten Thermoregulation. Im Winter wird die eiskalte Atemluft im gewundenen Inneren der Nase vorgewärmt. Im Sommer wiederum wird das Blut in der feuchtkalten und stark durchbluteten Nasenschleimhaut ein paar Grad heruntergekühlt, um das Hirn vor Überhitzung zu schützen.

Antilopen am Abgrund

Die bernsteinfarbenen, bis zu 40 Zentimeter langen Hörner sind eine weitere Besonderheit der männlichen Saiga. Der Kopfschmuck wurde ihnen zum Verhängnis, da die Hörner in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als angebliches Mittel gegen Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel begehrt sind. Daher wurden in der Vergangenheit bevorzugt die männlichen Tiere gewildert. Die Folge sind Populationen, in denen das Geschlechterverhältnis heute so stark verschoben ist, dass in manchen Gebieten nur ein Männchen auf hundert Weibchen kommt. Dies hat negative Auswirkungen auf den Fortpflanzungserfolg. Aber auch als Fleischlieferant werden die Saigas gejagt.

Zusätzlich machen den Antilopen der Verlust geeigneten Lebensraumes und die Unterbrechung ihrer traditionellen Wanderrouten durch menschliche Aktivitäten zu schaffen. Der Lebensraumverlust und die unkontrollierte und illegale Jagd brachten die Saiga-Bestände zum Einbruch: Von 1,25 Millionen Mitte der 1970er Jahre auf circa 50.000 Tiere im Jahr 2008. Durch die erfolgreiche Naturschutzarbeit, u.a. des WWF, erholten sich die Bestände in den darauffolgenden Jahren wieder. Doch nun stehen die asiatischen Steppenantilopen erneut vor dem Aussterben.

Mysteriöses Massensterben

In der größten Saiga-Population in Kasachstan, im Betpak-Dala-Gebiet, die zuletzt 242.500 Tiere umfasste, griff im Mai 2015 ein mysteriöses Massensterben um sich. Mehr als 200.000 Saigas sind innerhalb kurzer Zeit qualvoll verendet. Eine Zählung im Juli 2015 ergab lediglich noch 31.300 Tiere im betroffenen Gebiet. Ein herber Rückschlag für die Naturschutzarbeit, denn diese Population erholte sich gerade von der verheerenden Wilderei der 1990er Jahre. Als Todesursache wurde ein Bakterienstamm identifiziert, der die Wild- und Rinderseuche hervorruft. Dieser kommt jedoch auch normal im Atemwegstrakt der Saigas vor, ohne die Krankheit auszulösen. Darüber hinaus waren bisher keine Fälle mit solch verheerenden Todesraten bekannt. Dass die Seuche den Großteil der Betpak-Dala-Population der Saigas dahinraffte, steht laut bisherigem Untersuchungsstand wohl im Zusammenhang mit veränderten Umweltbedingungen.

2017 greift auch eine Seuche in der mongolischen Unterart um sich. Die sogenannte „Pest der kleinen Wiederkäuer“ wird von Schaf- und Ziegenherden auf die Saigas übertragen. Innerhalb kurzer Zeit (November 2016 bis Januar 2017) sind in dem viel kleineren Bestand in der Mongolei bereits mehr als 2500 Saigas verendet. Erneut ist die Saiga in Gefahr.

Projekte des WWF

Der WWF setzt sich bereits seit 1994 für die Steppenantilopen ein. Neben wissenschaftlichen Forschungen zu Populationsgrößen, Verbreitungsgebieten und Wanderrouten, erarbeitete der WWF gemeinsam mit anderen Naturschutzorganisationen einen Plan zur Rettung der Saiga-Bestände, der von den Verbreitungsstaaten akzeptiert wurde. Kurzgefasst sieht er vor, bestehende Schutzgesetze verstärkt umzusetzen, mehr Schutzgebiete auszuweisen und den Handel mit Produkten der Saiga-Antilope besser zu kontrollieren.

Der WWF Russland unterstützt das Stepnoy Schutzgebiet im Oblast Astrachan (südliches Russland) beim Schutz der Saiga. In der Mongolei betreibt der WWF Maßnahmen zum Schutz der Mongolischen Saiga (S. tatarica mongolica) vor Wilderei. Der WWF Mongolei unterstützt mehrere mobile Saiga-Ranger Gruppen, die sich aus freiwilligen Einheimischen zusammensetzen. Das internationale Engagement verschiedener Naturschutzorganisationen und auch der Einsatz der Regierungen gegen den illegalen Handel zeigten Wirkung. Durch die Schutzmaßnahmen wuchs der Bestand der Saiga-Antilopen zwischenzeitlich wieder auf mehr als 300.000 Tiere Anfang 2015 an. Die um sich greifenden Seuchen drohen diese Erfolge zunichte zu machen. 

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