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Stand: 03.12.2013

WWF-Artenlexikon

Saola (Pseudoryx nghetinhensis)

Lebensraum Feuchter Regenwald zwischen 500 m und 800 m Höhe, eventuell bis zu 1200 m
Geografische Verbreitung Annamiten-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Laos und Vietnam
Gefährdungsstatus IUCN: Vom Aussterben bedroht
CITES: Appendix I
Bestandsgröße Unbekannt
Populationsschätzung sehr schwierig, vermutlich nur 250 adulte Tiere
Saola © William Robichaud
Saola © William Robichaud

Überraschende Neuentdeckung

Bei seiner wissenschaftlichen Entdeckung 1992 war dieses mittelgroße, bis zu 100 kg schwere Wildrind aus Südost-Asien eine Sensation. Kaum jemand hatte vermutet, dass noch große unentdeckte Säugetierarten in den Wäldern dieser Welt vorkommen. Über 20 Jahre später weiß man immer noch nicht besonders viel über das Vu-Quang-Rind, wie die Art ebenfalls genannt wird. Seinen Namen verdankt das Saola seinen bis zu 50 cm langen Hörnern, denn im Vietnamesischen bedeutet Sao La „Spindelhorn“.

In seinem Lebensraum, den Bergen im Grenzgebiet von Laos und Vietnam, lebt das Saola einzeln in dichten Regenwäldern. So bekommen es Forscher kaum einmal lebend zu Gesicht, und auch einheimische Jäger sehen es sehr selten. Es gibt nur fünf wissenschaftlich anerkannte Nachweise des Saola seit seiner Entdeckung, der letzte im September 2013 durch eine WWF-Kamerafalle in Vietnam. Von 1999 bis 2010 gab es sogar überhaupt keine Nachweise. Über die Bestandsgröße des Saola kann daher nur spekuliert werden – die Weltnaturschutzunion IUCN vermutet, dass es nur 250 adulte Tiere gibt.

Auch über die Biologie des Saola weiß man sehr wenig. Zwar wurden schon mehrere Male Saolas in menschliche Obhut gebracht, aber diese Tiere verstarben stets nach kurzer Zeit. Forscher konnten immerhin ermitteln, dass sowohl Männchen als auch Weibchen die charakteristisch geraden Hörner tragen, die ein wenig an die Hörner der Oryx-Antilopen erinnern. Daraus leitet sich auch der wissenschaftliche Name Pseudoryx ab. Die Kälber kommen vermutlich im Zeitraum April bis Juni zur Welt. Die wenigen Kamerafallenbilder lassen vermuten, dass Saolas tag- oder dämmerungsaktiv sind. Von Einheimischen vor Ort weiß man, das Saolas meist einzeln leben und unter anderem gerne die Blätter eines Aronstabgewächses fressen.

Schutz des Saola

Die noch überlebenden Saolas verteilen sich auf mehrere, voneinander getrennte, fragmentierte Populationen in Laos und Vietnam. Während auf laotischer Seite vor allem der illegale Holzeinschlag den Lebensraum bedroht, sind Saolas auf der vietnamesischen Seite zusätzlich durch Wilderei gefährdet. Gerade weil man so wenig über die tatsächlichen Populationszahlen des Saola weiß, steht der Schutz seines Lebensraums im Vordergrund der Bemühungen.

Vor Ort hat der WWF daher mit geholfen, in Laos und Vietnam ein Netz aus Schutzgebieten und Korridoren einzurichten. Die so erhaltenen Wälder dienen nicht nur dem Schutz der Biodiversität, sondern auch als Kohlenstoffspeicher dem weltweiten Klimaschutz. Daher werden diese Schutzmaßnahmen unter anderem mit Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit über die KfW Entwicklungsbank finanziert. So entstanden 2011 inmitten des Annamiten-Gebirges nicht nur Korridore, die bestehende Schutzgebiete und Nationalparks miteinander verbinden, sondern in den vietnamesischen Provinzen Thừa Thiên–Huế und Quảng Nam sogar zwei Saola-Naturreservate.

In diesen Schutzgebieten hat der Schutz der Saola-Population höchste Priorität für den WWF und die Forstbehörden. Täglich gehen Teams aus WWF-Waldschützern und staatlichen Rangern auf Patrouille, entfernen Schlingfallen und zerstören illegale Wilderercamps. So werden Bedrohungen frühzeitig erkannt und der Wald vor Abholzung und Degradation geschützt. Denn nur mit effektiven Schutzmaßnahmen für seine Lebensräume hat das Saola eine langfristige Überlebenschance.

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