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Stand: 13.05.2013

Das Ende der Jagd mit Blei

Die Jagd steht in Deutschland dem Naturschutz nur noch selten im Wege. Die dabei verwendete Munition aber schon – wenn sie bleihaltig ist.

Die Jagd auf Seeadler ist glücklicherweise verboten. Trotzdem fallen sie in großen Zahlen der Jagd zum Opfer. Ein großer Teil der majestätischen Vögel stirbt an Bleivergiftungen. Fast ein Drittel aller in Deutschland untersuchten Seeadler starben an Bleivergiftung, im Müritz Nationalpark verendeten mehr als zwei Drittel der Vögel daran.

Toter Seeadler. © Thomas Neumann / WWF
Toter Seeadler. © Thomas Neumann / WWF

Blei in der Nahrung

Der Tod kam für die Seeadler durch die Nahrung. Zum Verhängnis werden ihnen Rückstände aus der Jagd: Die Adler fressen vor allem die von Jägern an Ort und Stelle ausgeweideten Organe oder aber auch angeschossenes, verendetes Wild– und nehmen dadurch Blei aus Geschossrückständen auf. Den Greifvögeln schadet das Schwermetall, da sie über eine besonders aggressive Magensäure verfügen, um etwa auch Knochen zersetzen zu können. Das aufgenommene Blei kommt dadurch allerdings in die Blutbahn und vergiftet die Vögel.

Blei in der Nahrung kann bei Mensch und Tier sowohl bei akuten Vergiftungen als auch bei chronischen Dosen zu Schädigungen des Nervensystems oder der Nieren führen. Zudem kann es die Fruchtbarkeit einschränken. Deshalb wurde in den letzten Jahrzehnten der Bleiausstoß durch Industrie und Verkehr streng geregelt. Da die Grundbelastung durch Blei ohnehin hoch ist, versucht man seit Jahren zusätzliche Quellen auszuschalten. Bleibt noch die Regelung für bleihaltige Munition.

WWF-Experte Janosch Arnold © R. Gramling / WWF
WWF-Experte Janosch Arnold © Roland Gramling / WWF

Zeit für das Verbot

„Die Zeit ist reif dafür“, ist sich WWF-Experte Janosch Arnold sicher. Denn die Beweise sind eindeutig: Bleihaltige Munition aus der Jagd hat gravierende Folgen für die Tierwelt und ist auch für den Menschen nicht unbedenklich. In Amerika konnte man bei Grizzlies im Yellowstone Nationalpark schon erhöhte Bleiwerte feststellen – bezeichnenderweise aber nur während der Jagdsaison. Auch bei Krähen, Kleinsäugern und Amphibien konnten schon erhöhte Bleiwerte festgestellt werden. Neuere Studien aus den USA belegen, dass 93 Prozent aller untersuchten erlegten Hirsche Bleikontaminierung aufweisen – wer sich also regelmäßig einen Wildbraten schmecken lässt, erhöht unter Umständen seine Schwermetallbelastung. „Da es negative Folgen für Tiere hat und eine Gefährdung für Menschen bei häufigen Verzehr von mit Bleimunition geschossenen Wildfleisch nicht ausgeschlossen werden kann, befürworten wir ein Verbot für bleihaltige Munition“, sagt Janosch Arnold. „Jetzt ist auch der politische Wille da für ein Komplettverbot – es wird schon bald kommen.“

Bleihaltige Munition war und ist bei Jägern wegen der sicheren und schnellen Trefferwirkung geschätzt. Blei ist durch das hohe spezifische Gewicht und seiner Deformationseigenschaften  ideal zur Konstruktion von schnell wirkenden Geschossen geeignet. Genau das ist aber auch das Problem: Um schnell und sicher im Wildkörper zu wirken, deformieren und/oder zerlegen sich Bleigeschosse beim Aufprall in sehr viele Partikel – und das Blei findet sich somit im Körper des Tier verteilt.  Trotzdem war die Jägerschaft lange kritisch zu einem Verbot von bleihaltiger Munition: Es gäbe nicht genügend geeignete bleifreie Munition, lautete das Hauptargument. Auch die tierschutzgerechte schnelle Wirkung und das Abprallverhalten werden oft noch kritisch gesehen. „Das Problem erledigt sich aber – es gibt eine zunehmende Auswahl wirksamer Alternativen. Auch ist ein Umschwenken der Munitionsindustrie von der Nachfrage und damit vom Markt abhängig“, sagt Arnold. „Somit gibt es aber keine Alternative mehr zum Verbot; neue Geschosstypen müssen natürlich genauso auf Toxizität und Wirksamkeit geprüft werden, wie das bei bleihaltigen Geschossen der Fall ist.“

Bleischrot ist schon heute in vielen Ländern verboten. Vorreiter waren hier die USA. In den 70er Jahren begann die Umstellung, seit 1991 ist Bleischrot bei der Jagd auf Wasserwild verboten. Man hatte festgestellt, dass vor allem Enten massenhaft hohe Bleiwerte in sich hatten: Sie nahmen beim Gründeln die am Gewässer liegenden Bleikügelchen der Schrotmunition auf. Auch bei Flamingos und Schwänen wurden Bleivergiftungen durch Munitionsreste nachgewiesen. Beim kalifornischen Kondor ist die Bleivergiftung Todesursache Nummer Eins.

Vielfältige negative Auswirkungen – es wird höchste Zeit für den Umstieg.

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