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Die Weihnachtsschildkröten kommen

Wenn schon, dann aber richtig: Pünktlich zur Weihnachtszeit sind rund 3,4 Millionen Schildkröten am dritten Advent aus ihren Eiern geschlüpft. Ereignet hat sich dieses Naturspektakel am Ufer des Río Iténez, einem Grenzfluss zwischen Brasilien und Bolivien, mitten im Amazonas-Regenwald.

„Es gleicht einem Weihnachtsgeschenk, und zeigt, dass unsere Anstrengungen der letzten Jahre Früchte tragen. Dass unsere Arbeit, diese faszinierenden Tiere zu beschützen nicht umsonst war“, sagt Lila Sanz, Biologin des WWF Bolivien.

Die Süßwasser-Schildkröten sind Vertreter zweier gefährdeter Arten, der Arrau- und der Terekayschildkröten. Beide Schildkrötenarten sind stehen auf der Roten Liste der IUCN. Besonders die Terekay Schienenschiildkröte ist trotz des geburtenstarken Jahrgangs noch immer sehre selten.

Projekt zum Schutz der Schildkröten

© Daniel Alarcón / WWF
© Daniel Alarcón / WWF

Das bolivianische Schildkrötenprojekt wurde im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Am Rio Iténez wurden zunächst Strandabschnitte als bedeutende Geburtsplätze identifiziert. Ab Ende August halfen zahlreiche Freiwillige den Parkwächtern bei der Überwachung der Flussufer. Während im ersten Jahr an beiden Strandabschnitten insgesamt 150.000 Schildkröten schlüpften, waren es 2010 bereits mehr als eine Million. Mit dem diesjährigen „Massenschlüpfen“ hat sich die Zahl der Jungtiere noch einmal fast vervierfacht.

Die Eier stehen bei einigen Tieren des Regenwaldes auf dem Speiseplan, beispielsweise bei Kaimanen und Piranhas. Außerhalb des Wassers wiederum sind die Schildkröten eine leichte Beute für Jaguare, Füchse und Raubvögel. 

Menschen sind wie so oft die größte Bedrohung

© Daniel Alarcón / WWF
© Daniel Alarcón / WWF

Allerdings sind es vor allem die Menschen, die die Schildkröten an den Rand der Ausrottung brachten. „Schildkröten und ihre Eier sind sehr eiweißhaltig und gelten im gesamten Amazonasgebiet als Delikatesse. Insbesondere in der Trockenzeit ist es einfach, die Tiere zu fangen. In den vergangenen Jahrzehnten landeten so Millionen von Tieren im Kochtopf“, sagt Dirk Embert Lateinamerika-Referent beim WWF Deutschland. 

 

Trotz gesetzlicher Verbote leiden die Reptilien in Südamerika unter intensiver Bejagung und der Plünderung ihrer Nester durch den Menschen. Auch der zunehmende Lebensraumverlust und die Wasserverunreinigung wirken sich besonders dramatisch auf die Flora und Fauna des Regenwaldes aus. 

„Es ist fast unglaublich, wie sich die lokalen Populationen so schnell erholen konnten“, freut sich Dirk Embert. „Dieser Erfolg war nur möglich, weil wir die lokale Bevölkerung für den Schutz der Schildkröten sensibilisieren konnten. Die Menschen sind heute stolz, einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz zu leisten.“

 

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