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Stand: 10.07.2017

Unter Löwen: Wie Farmer in KAZA ihre Herden schützen und die Ernte verbessern

KAZA ist ein Naturschutzprojekt der Superlative: Auf einer Fläche von knapp 520.000 Quadratmetern erstrecken sich insgesamt 21 Nationalparks, Gemeindeschutzgebiete und Wildtierreservate. Eine überwältigende Artenvielfalt charismatischer Wildtiere ist hier zuhause: hier lebt nicht nur die Hälfte aller Elefanten und ein Viertel der Wildhunde Afrikas, sondern auch letzte zusammenhängende Bestände an Löwen - circa 2000 bis 4000 Tiere.

Herden müssen vor Löwen geschützt werden © WWF-US / Deborah Gainer
Herden müssen vor Löwen geschützt werden © WWF-US / Deborah Gainer

Gleichzeitig nennen circa 2,5 Millionen Menschen KAZA ihre Heimat, oft leben sie “Zaun an Zaun” mit den wilden Nachbarn. Eine harmonische Koexistenz der Wildtieren und der lokalen Bevölkerung ist kein einfaches Unterfangen. Immer wieder kommt es zu Konflikten. Nun wurde ein neues System erprobt, um die Toleranz der Kleinbauern gegenüber Wildtieren erhöhen. Denn vor allem sie bringen Tourismus und somit lebenswichtige Einnahmen für die lokale Bevölkerung.

Es ist nicht einfach für die zahlreichen Familien in KAZA, mit einer Vielzahl von Wildtieren zusammenzuleben. Wenn Elefantenherden die Ernte zertrampeln oder Löwen in der Nachbarschaft Nutztiere reißen, kann die Koexistenz zwischen Menschen und Wildtieren bedrohliche Folgen für beide Seiten haben. Vor allem, wenn die Bevölkerung immer weiter wächst und in Gebiete vordringt, die bislang ausschließlich den Wildtieren vorbehalten waren.

Konflikte zwischen Löwen und Farmern eskalierten zwischen 2012 und 2014

Farmer mit mobilen Zäunen © WWF
Farmer mit mobilen Zäunen © WWF

Innerhalb des Mudumu-South-Schutzgebietskomplexes in Nordost Namibia kam es in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zu Konflikten zwischen Löwen und Farmern. „Zwischen den Jahren 2012 und 2014 gab es hier mehr als 200 dokumentierte Fälle von gerissenem Vieh“, sagt Brit Reichelt-Zolho, die beim WWF Deutschland die Projekte im südlichen Afrika betreut. „Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, was solche Zahlen bedeuten, in einer Region, die zu den ärmsten der Welt gehört. So führte dieser Konflikt zu insgesamt 20 getöteten Löwen – eine dramatische Situation, die eine dringende Lösung benötigte, damit der Naturschutz und die nachhaltige Entwicklung nicht gefährdet werden.“ Der Großteil der Vorfälle ereignete sich auf Gemeindegebieten, die sich zwischen Nationalparks befinden und als besonders bedeutende Wildtier-Korridore identifiziert wurden.

 

In der Folge der Eskalation wurde mit Unterstützung des WWF im Mai 2016 ein Testprojekt gestartet. In den Gemeinden wurde der Einsatz von sogenannten mobilen Zäunen erprobt. Dabei handelt es sich um Plastikplanen, die mit Leichtmetallstangen verbunden und mobil einsetzbar sind. Innerhalb dieser Zäune können Herden über Nacht eingezäunt werden. Zieht die Herde weiter, wird der Zaun abgebaut und an anderer Stelle neu errichtet. "So schafften wir es, 800 Rinder vor jeglichen Überfällen durch Löwen zu schützen. Denn die Löwen greifen nicht an, was sie nicht eindeutig sehen können, die undurchsichtigen Planen bieten also perfekten Schutz für das Nutzvieh”, sagt Brit Reichelt Zolho.

Herdenschutz durch nachhaltige Weidewirtschaft

Geschützte Rinder © WWF
Geschützte Rinder © WWF

Um die Erntereste zu nutzen, treiben die Bauern ihre Kühe auf die abgeernteten Felder, wo diese circa zwei Woche verbleiben. Mit den mobilen Zäunen werden sie nachts vor Raubtierüberfällen geschützt. Gleichzeitig düngen sie die Felder und bringen so extrem wichtige Mineralien für die folgende landwirtschaftliche Saison in den Boden ein. Dies erhält die Bodenfruchtbarkeit und ermöglicht eine längerer Nutzung der kargen Böden und Felder. „Der Effekt der mobilen Zäune ist demnach dreifach: Die undurchsichtigen Planen schützen die Nutztiere fast hunderprozentig. Gleichzeitig verbessert sich die Fruchtbarkeit der Flächen. Das führt zu höheren Ernten und somit zu einer verbesserten Akzeptanz der Löwenpopulationen in der Nähe der betroffenen Bevölkerung“, sagt Reichelt-Zolho. „Gleichzeitig können die Felder länger genutzt werden und es muss weniger Savannenwald gerodet werden. Das erhält den Lebensraum der Wildtiere in KAZA.”

 

Nachdem das Pilotprojekt so erfolgreich im südlichen Mudumu-Komplex verlief, wird es nun im Jahr 2017 auf den nördlichen Mudumu-Komplex ausgeweitet.

Think global - act local

Naturschutz funktioniert nur gemeinsam mit den Gemeinden, deswegen werden alle Aktivitäten immer zusammen mit lokalen Partnern und der Bevölkerung geplant und umgesetzt. Hans Felimbwe, ein fortschrittlicher und angesehener Kleinbauer, ist gleichzeitig der Koordinator für das Löwenschutzprojekt und leitet die Schulungen der Bauern und den Einsatz der Zäune. In einer Reihe von Workshops erklärte er die Vorteile der nachhaltigen Weidewirtschaft. Anschließend waren die Kleinbauern bereit, dies zu testen und mit Erfolg umzusetzen.

Eine Zukunft für Menschen und Wildtiere in KAZA

Im Juni 2016 wurde auf Initiative des WWF der erste Erfahrungsaustausch zwischen den Kleinbauern organisiert. Die Vernetzung und die Wissensweitergabe ist ein wichtiger Teil des Projekts, da sie die Toleranz der Bevölkerung gegenüber den Wildtiere weiterhin verbessern. Das schafft Grundlagen für den Aufbau des Tourismus. Das gemeinsame Ziel: Durch Naturschutz und Ökotourismus eine nachhaltige Entwicklung für die lokale Bevölkerung schaffen. Die tolerante Koexistenz ist der Schlüssel zum Erfolg von KAZA.

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