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Stand: 09.11.2016

Die verschwundenen Luchse: Auf Spurensuche mit Cassandra Steen

Luchse leben gefährlich bei uns in Deutschland: Immer wieder verschwinden sie auf ungeklärte Weise. Sängerin Cassandra Steen gibt nun den gefährdeten Tieren eine Stimme. Gemeinsam mit ihr begeben wir uns auf Spurensuche im Bayerischen Wald. 

Cassandra Steen im Bayerischen Wald. Bewegen Sie das Bild und sehen Sie sich die 360° Ansicht an.
© WWF

Wir sind auf etwa 1000 Meter Höhe, ein breiter Weg führt durch den Nadelwald und mitten im Juni pfeift uns immer noch ein eisiger Wind um die Ohren. Nur einen Kilometer Luftlinie von uns entfernt beginnt Tschechien. Von dort, aus dem Schutzgebiet Sumava, wandern immer wieder Luchse über die Grenze – ohne zu wissen, welche Gefahr ihnen droht: Der Bayerische Wald gilt als Bermuda-Dreieck der Luchse, weil hier besonders viele von ihnen unter mysteriösen Umständen verschwinden.

Verschwunden oder gewildert?

Eine Spur: Luchs-Losung © Robert Guenther / WWF
Eine Spur: Luchs-Losung © Robert Guenther / WWF

"Das ist der Rand des Reviers von Luchsin Hope." Unser kleines WWF-Team und Cassandra Steen folgen Sybille Wölfl vom Luchsprojekt Bayern durch den Wald. Die Biologin kennt "ihre" Luchse ganz genau, es ist ihr Job. Sie beobachtet den Bestand mit Hilfe von Kamerafallen.

 

"Hope habe ich aber schon länger nicht mehr auf den Fotos gesehen. Ich will es gar nicht aussprechen, sie geht mir auch schon wieder ab." Sybille Wölfl schluckt. Fünf Luchse sind hier in den letzten zehn Jahren nachweislich illegal getötet worden. Dazu kommen weitere 15, die einfach irgendwann nicht mehr da waren. Doch hat ein Luchs einmal ein Revier gefunden, gibt er es nicht von alleine wieder auf. Höchstwahrscheinlich wurden also auch die 15 verschollenen Luchse gewildert.

 

"Unvorstellbar. Grausam. Ungerecht!" Cassandra Steen ist sichtlich schockiert, als sie diese Zahlen hört. Da werden weitere sechs überfahrene Luchse schon fast zur Nebensache.

Bestandsaufnahme der Luchse per Kamerafalle

Cassandra Steen besucht Luchsprojekt Bayern © Robert Guenther / WWF
Cassandra Steen besucht Luchsprojekt Bayern © Robert Guenther / WWF

"Schon vor der Arbeit mit Kamerafallen hatte man hier Luchshinweise und Spuren. Aber dass es immer neue Luchse sind, das wusste man ja nicht. Das weiß man erst, seit die Fotofallen den schnellen Wechsel der erwachsenen Tiere dokumentieren." Sybille Wölfl unterscheidet die Luchse anhand ihrer Fellzeichnung und gibt den Tieren zur Dokumentation auch Namen.

 

Anfangs noch ganz unpersönlich, wie beispielsweise B31, werden die Namen phantasievoller, sobald die Biologin die Chance hatte, das Geschlecht der Tiere zu erkennen. "Als B31 auf einmal mit einem Jungtier an der Kamera vorbeispazierte, wurde sie zu Geli – von Angelika, die Engelhafte." Geli kommt jedoch nur ab und zu hier entlang, ihr Revier liegt wahrscheinlich in Tschechien. Auf Bayerischer Seite gab es zum Beispiel Leonie und Schlacks, Kleine Pfote und Gestiefelter Kater. Sie alle sind verschwunden. Und nun also auch Hope?

 

Der Weg gabelt sich, es wird steiler. Immer wieder sieht Cassandra Steen angestrengt zwischen die Bäume. "Ja, die Luchse sind da irgendwo," bestätigt die Biologin, "in guter Deckung." Hier? Während wir gestern noch einen schmalen Trampelpfad in unwegsamem Gelände hochgestiegen sind, laufen wir heute breitere Waldwege entlang, die viel auch von Joggern und Spaziergängern genutzt werden. Hier soll es Wildtiere geben? Und sogar die scheuen Luchse? "Ja natürlich, auch Wildtiere nutzen Transitwege, um schnell vorwärts zu kommen." Den Beweis für Sybille Wölfls Worte sollen wir gleich erhalten.

Fotoauswertung der Kamerafalle

Cassandra Steen und Sybille Wölfl bei der Auswertung der Bilder © Robert Guenther / WWF
Cassandra Steen und Sybille Wölfl bei der Auswertung der Bilder © Robert Guenther / WWF

Es ist ein ganz besonderes Gebiet, in das wir nun immer weiter vordringen: Gleich mehrere Luchs-Territorien stoßen aneinander. Zwei bis drei Weibchen haben um uns herum ihr Revier und zwei Männchen. Plötzlich bleibt die Biologin stehen: "Jetzt ist ein Foto von uns entstanden." Tatsächlich hängt auf Kniehöhe, direkt am Weg eine Kamerafalle. Und wir haben sie gar nicht gesehen. Aber nicht alle laufen einfach vorbei: "Einmal hatte ich einen Mann drauf, der im Winter das Eis von der Linse gekratzt hat. Das war nett!" Fotos von Menschen löscht die Biologin aus Datenschutzgründen sofort. "Und keine Angst, die Leute sind sowieso fast nie zu erkennen."

 

Gespannt sieht Cassandra Steen zu, wie Sybille Wölfl die Kamera öffnet und die Speicherkarte in ihr Lesegerät steckt. Die Sängerin kommentiert, was sie sieht: "Hase, Fuchs, Wildschwein, Pilzesammler, Schmetterling..." Und dann: "Hah! Ein Luchs! Heute Morgen um zwei Uhr sechzehn!" Nur einige Stunden vor uns ist also wirklich genau hier ein Luchs entlang gelaufen. "Das habe ich nicht oft, dass ich am nächsten Tag hinkomme und sehe, letzte Nacht ist er durch." Sybille Wölfl ist genauso begeistert wie wir alle.

Hoffnungsvolle Luchs-Sichtung

Luchsaufnahme einer Kamerafalle © Luchsprojekt Bayern
Luchsaufnahme einer Kamerafalle © Luchsprojekt Bayern

Es sind gleich mehrere Fotos entstanden. Der Blitz des ersten scheint den Luchs neugierig gemacht zu haben, denn auf dem zweiten Bild guckt er dicht in die Kamera. Davon wahrscheinlich ziemlich geblendet, ist der Luchs auf dem dritten Bild beim Fortlaufen von hinten zu sehen.

 

Cassandra Steen stellt die Frage, die uns allen unter den Nägeln brennt: „Ist es Hope?“ Sybille Wölfl kann das erst zu Hause herausfinden, indem sie die Fellzeichnungen auf den Fotos ganz genau miteinander vergleicht. Am nächsten Tag haben wir Gewissheit: Es ist nicht Hope, sondern der Sohn einer Luchsin namens Luna, der bisher nur B45 heißt. Cassandra wird sich einen schönen Namen für ihn ausdenken. Doch bei aller Freude darüber bleibt uns für Hope nur das, was ihr Name bedeutet: Hoffnung!

 

(Text: Stephanie Probst)

Das macht der WWF

Der WWF kämpft mit Aufklärung, Bildung und auf politischer Ebene dafür, dass Luchse hierzulande dauerhaft eine Heimat finden. Außerdem unterstützt der WWF das Luchs-Monitoring und das LIFE- Projekt Luchs Pfälzerwald, in dem in den nächsten fünf Jahren 20 Luchse in Deutschlands größtem Waldgebiet wieder angesiedelt werden sollen.

WWF-Luchsbotschafterin Cassandra Steen © Robert Guenther / WWF

WWF-Luchsbotschafterin Cassandra Steen

„Luchse sind so wunderschöne und majestätische Tiere – und sie gehörten ganz selbstverständlich in unsere Wälder, bis der Mensch sie grausam ausgerottet hat. Helft den Katzen mit den hübschen Pinselohren bei der Rückkehr in ihre alte Heimat: Werdet Luchs-Pate!“

KONTAKT

Moritz Klose

Referent Wildtiere Deutschland und Europa

030 311 777 294

moritz.klose(at)wwf.de

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