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Stand: 20.06.2014

Trauriger Schmuggel-Weltrekord: Schuppentiere in Not

Es gehört zu den am meisten gewilderten Säugetieren der Welt, obwohl nur die wenigsten von uns es überhaupt kennen: das Schuppentier oder auch Pangolin. Es wird zu Tausenden getötet, weil seinen Schuppen besondere Fähigkeiten nachgesagt werden. Dass sie genauso zusammengesetzt sind wie menschliche Fingernägel, tut dem Geschäft mit den Schuppen keinen Abbruch. Für die Schuppentiere ist der Mythos eine Katastrophe. 

Schuppentier / Pangolin © istock / Getty Images
Schuppentier / Pangolin © istock / Getty Images

Gerade haben Zöllner in Hong Kong mehr als zwei Tonnen Pangolin-Schuppen beschlagnahmt. Über 10.000 Tiere mussten dafür sterben. Erst zwei Wochen zuvor war in Hongkong bereits eine Tonne der grausam erbeuteten Schuppen beschlagnahmt worden - ein erschreckender Rekord, der nun mit mehr als der doppelten Menge innerhalb kürzester Zeit gebrochen wurde. „Wir beobachten schon seit einiger Zeit immer mehr und größere Aufgriffe von geschmuggelten Pangolinen und Pangolin-Teilen. Auch dieser Fund ist Hinweis auf einen florierenden Markt, der illegale Handel mit Schuppentieren hat deutlich zugenommen.“ Flora Müller, die für den WWF Deutschland gegen Wildtier-Kriminalität kämpft, ist alarmiert. Auch vom deutschen Zoll werden immer häufiger Schuppentier-Schuppen beschlagnahmt. 

Das Schuppentier – so eigenartig wie phantastisch

Es sieht ein wenig aus wie ein Tannenzapfen auf Beinen und so lautet ein weiterer, bildlicher Name des Pangolins auch Tannenzapfentier. Die scheuen und nachtaktiven Insektenfresser leben in Asien und dem südlichen Afrika in Wäldern, Buschland und Savannen. Sie sind etwa so groß wie Hauskatzen, jedoch ansonsten äußerst bizarre Geschöpfe. Fast erinnern Pangoline an kleine Dinosaurier; vor allem, wenn sie auf ihren Hinterbeinen trippeln.

Schuppentierjunge werden von ihren Müttern auf dem Schwanz getragen. Die klebrige Zunge der Tiere ist länger als ihr eigener Körper und die Ohrmuscheln des Chinesischen Schuppentiers erinnern fast an die des Menschen. Insgesamt gibt es acht verschiedene Pangolin-Arten. Pangoline können ein stinkendes Sekret ausstoßen, das wohl der Verständigung und Verteidigung dient. Noch weiß die Forschung viel zu wenig über die ungewöhnlichen Wesen. Doch es sind die einzigen Säugetiere auf der Welt, deren Körper mit scharfkantigen Hornschuppen gepanzert ist. 

Gepanzert und doch hilflos

Der Name Pangolin stammt vom Malaysischen Wort „pengguling“, was so viel bedeutet wie „etwas, das sich aufrollt“. Fühlen sich Schuppentiere bedroht, rollen sie sich zu einer Kugel zusammen. Gegen ihren größten Feind, den Wilderer, hilft ihnen das allerdings wenig. „Dadurch dass diese Tiere nicht besonders schnell sind und sich bei Bedrohung bewegungslos zusammenrollen, sind sie für die Wilderer eine leichte Beute. Man muss sie eigentlich nur einsammeln und in einen Sack stecken,“ erklärt Flora Müller vom WWF Deutschland. 

Aussterben für den Aberglauben?

Die Schuppentiere könnten aussterben, noch bevor die meisten Menschen überhaupt von ihnen gehört haben. Denn sie werden tonnenweise gewildert. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse, ihre Schuppen und ihr Blut als Wundermittel der Chinesischen Medizin.

„Über zehntausend Schuppentiere fallen jedes Jahr dem illegalen Handel zum Opfer,“ sagt Flora Müller. „In Asien sind die Tiere schon so stark dezimiert, dass sie nun aus Afrika geschmuggelt werden. Hier pflücken Wilderer die Pangoline kilo- und säckeweise aus dem zentralafrikanischen Dschungel.“ Ein Kilogramm Schuppentier ist in einem vietnamesischen Restaurant als Delikatesse bis zu 350 Euro wert. Die Schuppen sollen antiseptisch wirken, gegen Fieber und Hautkrankheiten helfen. Manche glauben sogar an magische Kräfte zur Abschreckung böser Geister. Dabei bestehen Pangolin-Schuppen lediglich aus Keratin, man könnte also genauso gut an den Fingernägeln kauen. 

Die Rekord-Beschlagnahmungen in Hong Kong

Am 11. Juni 2014 öffneten Zöllner in Hong Kong einen Seecontainer. Laut Frachtpapieren enthielt er eine Ladung Edelholz. Stattdessen fanden die Beamten in dem Container jedoch 2340 Kilogramm Schuppentier-Schuppen - falsch deklariert und eindeutig geschmuggelt. Die Inspektion fand nicht zufällig statt, bei der Beschlagnahmung von 1000 Kilogramm Pangolin-Schuppen zwei Wochen zuvor hatten die Zöllner entscheidende Hinweise erhalten. Die Schuppen in diesem Container waren als Plastikmüll deklariert gewesen. Der Zoll geht davon aus, dass beide Fälle zusammenhängen.

„Leider passiert auch nach so einem Fund in der Regel wenig, weil es sehr schwer ist, an die Drahtzieher heranzukommen. Hinter dem Pangolin-Schmuggel steckt ein organisiertes, kriminelles Netzwerk. Die eigentlichen Täter verstecken sich hinter Mittelsmännern, geschnappt werden meistens nur die kleinen Fische,“ erklärt Flora Müller. Allein im ersten Halbjahr 2014 sind in Asien mindestens 17 Fälle von Pangolin-Schmuggel entdeckt worden: In nur 168 Tagen wurden fast vier Tonnen Schuppentier-Schuppen und mehr als 1200 ganze Tiere beschlagnahmt.

Was muss passieren?

Schuppentiere sind eine geschützte Art. Sie stehen auf Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (CITES), der internationale Handel mit ihnen ist also streng reguliert. Für die vier asiatischen Pangolin-Arten besteht seit 2013 eine Nullexportquote, sie dürfen gar nicht gehandelt werden. Doch die Umsetzung dieser Regularien und Verbote ist lückenhaft, kritisiert Flora Müller vom WWF Deutschland: „Wir brauchen dringend sehr viel schärfere Kontrollen und vor allem grenzüberschreitende Maßnahmen. Die Handelswege in Afrika und Asien müssen stillgelegt werden. Das Risiko für Wilderer, geschnappt zu werden, muss steigen. Wichtig ist auch, die Nachfrage zu reduzieren, also den Konsum zum Beispiel durch Aufklärungsarbeit zu reduzieren.“

Teilweise werden Schuppentiere auch als Souvenirs oder zu Schmuck verarbeitet angeboten. Als Tourist sollte man also einmal mehr darauf achten, keine tierischen Produkte als Andenken mit nach Hause zu nehmen. Noch wissen sowohl Forscher als auch die Öffentlichkeit viel zu wenig über dieses ungewöhnliche Tier. Erst wenn das allgemeine Interesse an den Pangolinen steigt, wird es auch eher möglich sein, sie zu retten. Das ist dringend nötig, denn ihr Bestand schrumpft rapide.

Stephanie Probst

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