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Stand: 17.02.2017

Schuppentiere in Not

Schuppentiere sind die meist-geschmuggelten Säugetiere der Welt. Aberglaube und die Gier nach Delikatessen bringen die einzigartigen Tiere an den Rand des Aussterbens – wenn wir nicht handeln.

Schuppentier / Pangolin © istock / Getty Images
Schuppentier / Pangolin © istock / Getty Images

Immer wieder erreichen uns schreckliche Nachrichten über geschmuggelte Schuppentiere. In den letzten Wochen häuften sich die Meldungen besonders. Anfang Februar wurde in Thailand erneut eine Tonne an Pangolinschuppen am Bangkoker Flughafen aufgegriffen. Die Luftfracht kam aus der Demokratischen Republik Kongo und sollte über Laos vermutlich nach China oder Vietnam weitergeschmuggelt werden. Bereits im Dezember hatten die thailändischen Behörden zwei Schmuggelfälle mit der gleichen Route aufgedeckt – mit insgesamt fast drei Tonnen Schuppentierschuppen. Ebenfalls im Dezember wurden in China 3,1 Tonnen beschlagnahmt – der bisher größte Aufgriff in China. Getoppt werden diese Mengen noch von zwei Beschlagnahmungen in Afrika Anfang des Jahres: In Kamerun werden mehr als fünf Tonnen, in Tansania sechs Tonnen sichergestellt. Jeder dieser Funde bedeutet tausende, zehntausende tote Schuppentiere. In den letzten sechszehn Jahren wurden schätzungsweise mehr als eine Million Pangoline illegal gehandelt. Der Markt floriert.

Das Schuppentier – so eigenartig wie fantastisch

Asiatisches Pangolin © Arco Images
Asiatisches Pangolin © Arco Images

Die Schuppentiere sehen ein wenig aus wie Tannenzapfen auf Beinen und so lautet ein weiterer, bildlicher Name des Pangolins auch Tannenzapfentier. Die scheuen und überwiegend nachtaktiven Insektenfresser kommen in acht Arten in Asien und Afrika in Wäldern, Buschland und Savannen vor. Sie sind etwa so groß wie Hauskatzen. Das Riesenschuppentier Zentralafrikas erreicht aber auch ein Gewicht von 30 Kilogramm. Ansonsten sind die Pangoline äußerst bizarre Geschöpfe. Fast erinnern sie an kleine Dinosaurier; vor allem, wenn sie auf ihren Hinterbeinen trippeln.

Schuppentierjunge werden von ihren Müttern auf dem Schwanz getragen. Die klebrige Zunge der Tiere ist extrem lang und wird ganz weit ausgefahren, um Ameisen und Termiten aufzuschlecken. Sie haben keine Zähne und die Ohrmuscheln des Chinesischen Schuppentiers erinnern fast an die des Menschen. Noch weiß die Forschung viel zu wenig über die ungewöhnlichen Wesen. Sicher sind sie aber die einzigen Säugetiere auf der Welt, deren Körper mit scharfkantigen Hornschuppen gepanzert ist.

Gepanzert und doch hilflos

Der Name Pangolin stammt vom Malaysischen Wort „pengguling“, was so viel bedeutet wie „etwas, das sich aufrollt“. Fühlen sich Schuppentiere bedroht, rollen sie sich zu einer Kugel zusammen. Was bei Raubtieren eine großartige Strategie ist, hilft ihnen bei ihrem größten Feind, dem Wilderer, allerdings wenig.

Beschlagnahmte Pangolinschuppen © Picture Alliance / WWF
Beschlagnahmte Pangolinschuppen © Picture Alliance / WWF

Tod als Delikatesse und für den Aberglauben?

Die Wilderei ist die größte Bedrohung für die Schuppentiere. Ihr Fleisch gilt in Vietnam und China als Delikatesse. Ein Kilogramm Schuppentier ist in einem vietnamesischen Restaurant bis zu 300 Euro wert. Ihre Schuppen und ihr Blut werden als vermeintliches Wundermittel der Chinesischen Medizin gehandelt. Die Schuppen sollen antiseptisch wirken, gegen Fieber und Hautkrankheiten helfen. Dabei bestehen Pangolinschuppen lediglich aus Keratin, genau wie unsere Fingernägel. In einigen afrikanischen Ländern werden ihnen auch magische Kräfte zur Abschreckung böser Geister nachgesagt.

Handelsverbot als Rettung

Alle acht Schuppentierarten sind bedroht. Seit Anfang 2017 werden sie nun alle auf Anhang I des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (CITES) geführt und erhalten damit den höchsten Schutzstatus – ein komplettes Verbot des kommerziellen internationalen Handels. „Nun müssen die betroffenen Staaten aber zügig auch strengere Kontrollen und Strafen einführen“, kommentiert Arnulf Köhncke, Artenschutzexperte beim WWF  Deutschland. Die Handelswege in Afrika und Asien müssen stillgelegt werden. Das Risiko für Wilderer, geschnappt zu werden, muss steigen. Wichtig ist auch, die Nachfrage zu reduzieren, also den Konsum zum Beispiel durch Aufklärungsarbeit zu reduzieren.

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