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Raubkatzen in der Nachbarschaft? Kein Problem ...

... wenn man sie respektiert und Begegnungen meidet

Im Corbett-Tigerreservat hat der WWF Indien gemeinsam mit dem Dorf Mankanthpur eine ungewöhnliche Lösung des Mensch-Tier-Konfliktes gefunden.

Tiger im Corbett-Tigerreservat. © Samir Sinha TRAFFIC India
Tiger im Corbett-Tigerreservat. © Samir Sinha TRAFFIC India

Die Terai Arc-Region liegt im Grenzgebiet von Indien und Nepal am Fuße des Himalaja. Sie ist einer der wenigen Orte auf der Erde, wo wilde Tiger, Elefanten und Nashörner gemeinsam umherstreifen. Im Herzen der Terai Arc-Region mit seinen dichten Wäldern liegt das Corbett-Tigerreservat. Genau hier konzentriert WWF Indien einen wesentlichen Teil seiner Naturschutzarbeit.

 

Dem Waldökosystem in dieser Gegend drohen größere Bedrohungen als jemals zuvor: Fragmentierung, Verlust von Wildtier-Korridoren, nicht nachhaltige Landnutzung, Mensch-Tier-Konflikte und Übernutzung von Waldressourcen. Hinzu kommt die Wilderei, welche eine ernsthafte Bedrohung für die Biodiversität darstellt, für welche die Region bekannt ist.

2006 begann der WWF seine Arbeit mit dem Dorf Mankanthpur. Dieses Dorf am Fluss Kosi-Baur liegt mitten im Streifgebiet von Elefanten und Tigern. Dadurch kommt es häufiger als in anderen Regionen zu Mensch-Tiger-Konflikten.

© Adam Oswell / WWF
© Adam Oswell / WWF

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Zunächst mussten die WWF-Mitarbeiter das Vertrauen der Dorfbewohner gewinnen, ihre Lebensgewohnheiten und Tagesabläufe verstehen und herausfinden, wie das Risiko der Begegnung mit einem Tiger verringert werden kann. Es wurde deutlich, dass Frauen dem größten Risiko ausgesetzt sind, denn sie müssen in den Wald, um Feuerholz und Viehfutter zu sammeln.

Häufige natürliche Waldbrände, verursacht durch große Mengen Laubstreu auf dem Waldboden, bedrohten ebenfalls die Einwohner. Es musste daher ein Weg gefunden werden, die Mensch-Tiger-Konflikte und das Risiko der Waldbrände zu reduzieren. Um beide Probleme zugleich zu lösen, kamen WWF-Mitarbeiter auf eine ungewöhnliche Lösung.


Dabei half der Zufall: Während der WWF zum Schutz der Tiger und zur Reduzierung der Mensch-Tier-Konflikte arbeitete, schulte andernorts die indische Regierung die Bevölkerung im Kompostieren, um die Erträge von Farmen zu steigern. Der WWF regte daher bei der zuständigen Forstbehörde an, der Bevölkerung zu erlauben, Laubstreu in den Arealen, welche für Waldbrände besonders anfällig waren, zu sammeln. Auf diesem Weg kann das Laub kompostiert werden und der Wald ist in den heißen, trockenen Sommermonaten weniger durch Waldbrände gefährdet.

Nachhaltiges Holz und Biogas-Öfen

Daraufhin arbeitete WWF Indien mit der Forstbehörde und den Gemeinden einen Plan aus, wie die Dorfbewohner nachhaltig Ressourcen aus dem Wald gewinnen können. Laubernte und das Einschlagen von Holz wurden verboten, lediglich abgefallene Äste dürfen entfernt werden. Die Bevölkerung wurde zudem aufgefordert, bestimmte Bereiche des Waldes, die Hauptkorridore der Tiger, zu meiden. In den Dorfversammlungen wurde beschlossen, dass nur die Randgebiete des Waldes zum Sammeln von Fallholz genutzt werden dürfen und dass außerdem jedes Dorf nur an zwei bis drei Tagen pro Woche Futter und Feuerholz sammeln darf.

 

Um den Verlust des nicht mehr zugänglichen Feuerholzes zu kompensieren, hat der WWF zugleich die Einrichtung von Biogas-Öfen gefördert. Die Rinder werden nun in Pferchen gehalten, sodass die Menschen den Dung der Tiere nutzen können, um die Biogas-Öfen zu befeuern. Dies hat den Druck auf die Wälder reduziert, da fast keine Rinder mehr in ihnen grasen. Zudem ist es sicherer für das Vieh: 2006 wurden noch 15 Rinder durch Raubtiere gerissen. 2007 waren es weniger als zehn und 2010 wurde nur noch von drei getöteten Rindern am Rande des Dorfes berichtet.  

Bengaltiger. © Jörg Edelmann / WWF
Bengaltiger. © Jörg Edelmann / WWF

Dorfbewohner als Waldranger

Einige Einwohner des Dorfes Mankanthpur sind inzwischen Teil der Waldpatrouillen geworden und arbeiten eng mit den offiziellen Forstbehörden zusammen. Das hilft, den Wald vor Wilderern und Holzplünderern besser zu schützen.

Das Projekt nützt nicht nur den Menschen, sondern nachweislich auch den Tigern. So gibt es inzwischen keine gezielten Tigertötungen mehr, um Vergeltung zu üben für Angriffe auf Dorfbewohner oder Nutztiere. Denn diese „Überfälle“ der Raubkatzen gehören der Vergangenheit an. 

Nach den guten Erfahrungen in Mankanthpur hat der WWF Indien in diesem Jahr ein vergleichbares Projekt im benachbarten Dorf Pawalgarh gestartet. Das Ziel ist auch dort, die Wildtier-Korridore über Generationen hinweg langfristig zu sichern.

Masken, die vor Tigern schützen

Fischer mit Tigermasken. Die Masken sollen dabei helfen, Tiger abzuschrecken. © naturepl.com / Ashok Jain / WWF-Canon

In den Sundarbarns, einem Biosphärenreservat im Gangesdelta im Grenzgebiet zwischen Indien und Bangladesch, haben die Menschen eine andere Taktik, um sich vor Angriffen der Großkatzen zu schützen. In den undurchdringlichen Mangrovenwäldern lebt die weltgrößte Population freilebender Tiger. Gleichzeitig wohnen hier auch Millionen von Menschen - viele von ihnen gehören zu den Ärmsten der Armen. Ihren Lebensunterhalt bestreiten sie als Reisbauern, Fischer und Honigsammler. Jährlich sollen dabei über zwei Dutzend Menschen von Tigern angefallen werden. Um sich dagegen zu schützen, tragen sie Masken mit Gesichtern auf den Hinterköpfen. Im Volksmund heißt es dort, Tiger fallen ihre Opfer immer von hinten an. Die Masken sollen dabei helfen, die Katzen abzuschrecken, oder zumindest zu verwirren.

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