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Energiehunger gefährdet die Letzten ihrer Art

Seit ergiebige Erdöl- und Gasvorkommen vor Sachalin, einer Pazifikinsel im russischen fernen Osten mit der Ausdehnung Großbritanniens, große Konzerne locken, ist das Refugium der vom Aussterben bedrohten Westpazifischen Grauwale in Gefahr.

Westpazifischer Grauwal (Eschrichtius robustus). © naturepl.com /Mark Carwardine / WWF
Westpazifischer Grauwal (Eschrichtius robustus). © naturepl.com /Mark Carwardine / WWF

Die letzten rund 130 Westpazifischen Grauwale werden nach Angaben von Umweltschützern von einer neuen Ölplattform vor der russischen Insel Sachalin bedroht.  „Höchstens  etwa 30 fortpflanzungsfähige Weibchen haben bis heute überlebt. Schon deshalb ist die gesamte Population kurz davor, für immer von der Erde zu verschwinden“, sagt WWF-Walexperte Alexej Knischnikow. Doch ihr Lebensraum im Ochotskischen Meer ist in Gefahr. Konzerne wie Shell, Exxon und BP und ihre russischen Partnerunternehmen wie Sakhalin Energy beuten schon heute die reichhaltigen Öl- und Gasvorkommen vor Sachalin aus. Jetzt stehen der Bau weiterer Bohrinseln und einer Unterwasser-Pipeline bevor.

 

Die Rolle von Gazprom und Shell

Seit 1998 entsteht vor der Ostküste der russischen Insel Sachalin entsteht seit einigen Jahren das derzeit weltweit größte Öl- und Gasförderprojekt mit einem Investitionsvolumen von etwa 20 Milliarden US-Dollar. Auf der Bohrinsel vor der Bucht von Piltun werden während der Sommermonate täglich etwa zwölf Millionen Liter Erdöl gefördert und auf Tanker verladen. Vor allem die Lärmbelastung durch Baumaßnahmen und Ölbohrungen sowie potenziell auslaufendes Öl gefährden Tiere und Pflanzen.

 

Betrieben werden die Bohrungen nach Öl und Gas von der Investment Company Sakhalin Energy, einem Konsortium unter Federführung der russischen Firma Gazprom und der britisch-niederländischen Shell AG. Die Ölindustrie plant die weitere Ausbeutung der Rohstoffe im großen Stil – die Gefährdung der Grauwale und der Artenvielfalt in der Region nimmt sie dabei offenbar billigend in Kauf.

 

Das laufende Projekt „Sakhalin II“ – die zweite von insgesamt fünf Ausbaustufen zur Ausbeutung der Bodenschätze – hat etwa zehn Kilometer vor der Küste eine weitere Bohrinsel errichtet und die Bohrinseln untereinander und mit dem Land mit einer Pipeline verbunden. Im Januar 2011 kündigte die Sakhalin Energy Investment Company, eine weitere dritte große Ölbohrplattform vor der Ostküste Russland zu errichten.

 

Vertreibung durch Lärm

Die Öl- und Gasförderung bringt empfindliche Störungen für die Wale. Dies belegen Messungen russischer und amerikanischer Walforscher. Nach Messungen des WWF im Sommer 2005 während der Konstruktionsarbeiten der zweiten Plattform überstieg der Lärmpegel die von Shell selbst festgelegten Grenzwerte und erreichte über 130 Dezibel. Die Schmerzgrenze des menschlichen Gehörs liegt etwa bei diesem Wert und entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. Nachweislich änderte sich das Verhalten der Wale, die sich per Schallwellen orientieren und kommunizieren und äußerst sensibel auf Lärmbelastung reagieren, in den Gewässern in der Nähe des Plattformbaus. Sie hielten sich während der Konstruktionsphase signifikant weniger in dieser Region auf, obwohl hier ihre Nahrungsgründe liegen.

 

Nach zahlreichen Verstößen gegen russisches Umweltrecht fordert der WWF, dass Shell seine Arbeiten auf Sachalin unterbricht und eine unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen lässt, die den Rat der Walexperten mit einbezieht. Außerdem soll Shell die Verantwortung für die bereits entstandenen Schäden übernehmen. Zudem setzt sich der WWF für die Einrichtung eines Wal-Schutzgebiets im Norden Sachalins ein.

   
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