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Ein Lied geht um die Welt: Wie Wale kommunizieren

Buckelwale. © N.G.Stock / F. Nicklin / Minden Pict. / WWF
Buckelwale. © N.G.Stock / F. Nicklin / Minden Pict. / WWF

"Wir sind auf etwas aufmerksam geworden, das wir für das außergewöhnlichste Merkmal der Buckelwale halten", schrieben die amerikanischen Zoologen Roger Payne und Scott McVay im Magazin 'Science' 1971: Die Tiere singen ein Lied mit einer regelrechten Melodie und wiederholen es in Zyklen. Heute wissen wir: Es sind die längsten und abwechslungsreichsten Gesänge im Tierreich. Und die lautesten: Das Pfeifen eines Blauwals übertrifft sogar die 170 Dezibel eines vorbeifliegenden Düsenjets. Die mit 20 Hertz tiefsten Töne können Blau- und Finnwale singen - was mehr wie ein Seebeben vibriert als nach einem Ton klingt. Zwergwale wiederum äußern sich durch ein Niederfrequenzpochen von etwa 100 bis 200 Hertz, und Delfine pfeifen meist.

 

Offenbar überträgt jede Walart ihre Gespräche per Schallwellen über eine jeweils ganz eigene Frequenz auf dem Unterwasser-Sendenetz. Und nicht nur das: Alle Walarten verwenden auch ganz charakteristische Wiederholungsabläufe (neudeutsch: Loops) um ihre jeweiligen Artgenossen 'persönlich' anzusprechen.

 

Das ist auch nötig, denn in den Ozeanen herrscht offenbar für feine Ohren ein Geräuschpegel wie in einer Bahnhofshalle. Denn Wasser leitet Schall etwa fünfmal schneller als Luft. Da ist es immens wichtig, dass jeder auf die für ihn bestimmte Durchsage lauscht.

 

Und die Sender den richtigen Lautsprecher benutzen. Um ihren Liedern die richtige Kraft zu verleihen, nutzen viele Wale einen natürlichen Sound-Verstärker. Vor allem zwischen etwa 600 und 1.200 Metern Wassertiefe verläuft eine Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Wasserschichten: Temperatur, Salzgehalt und Druck ändern sich hier sprunghaft auf wenigen Metern und schaffen damit eine Art Telefonkanal rund um den Globus. Das heißt: Entlang dieser Wassergrenze werden Geräusche wie in einem Frequenztunnel besonders rasch und weit geschallt. Einige Walforscher vermuten, dass sich so ein Buckelwal im Indischen Ozean mit einem Artgenossen im Pazifik unterhalten kann.

 

Die meisten Wale nutzen die Soundnetze - ähnlich wie deutsche Radiostationen - für schmachtende Liebeslieder: Dabei bevorzugen Weibchen von ihren Verehrern offenbar gerne mal eine neue Melodie - was manche Forscher als Zeichen von Intelligenz deuten.

 

Wale führen aber nicht nur Ferngespräche: Anders als etwa Blauwale, die gerne als Einzelgänger unterwegs sind, leben Delfine zum Beispiel gerne in Gruppen zusammen. In diesen so genannten Schulen herrscht meist ein lautes Klicken, Pfeifen und Schnattern untereinander. Nicht nur das: Sie berühren sich auch absichtlich und suchen oft erkennbar die Körpernähe des anderen.


Der Trick mit dem Klick

Auch zum Orientieren in dunklen Weiten machen Wale Geräusche - allerdings meist für uns per unhörbaren Ultraschall. Vor allem Zahnwale (siehe Kasten) produzieren in einem fettgefüllten Organ im Kopf, der so genannten Melone, niederfrequente Klicks. Die sende sie als Soundbündel aus und empfangen das Echo des Aufpralls in den fettgefüllten Aushöhlungen des unteren Kieferknochens, von wo sie wieder zum Hirn zur Auswertung geleitet werden. Ähnlich wie Fledermäuse bekommen sie so in Sekundenbruchteilen ein räumliches Bild ihrer Umgebung. Bartenwale können sich auch per Ultraschall orientieren - vermutlich aber schlechter, da sie keine erkennbare Funkfernsteuerung wie die Melone besitzen. Was genau dabei im Inneren des Wales vor sich geht, ist bis heute noch unklar.

 

Mit Hilfe ihres Echolots können Delfine in Gefangenschaft auch mit verbundenen Augen Ringe einsammeln und selbst den durch ein Basin gespannten Seilen ausweichen. Die in den Ozeanen umherschwimmenden Treibnetze allerdings vermögen die Kleinwale offensichtlich nicht zu erkennen - mit meist tödlichen Folgen. Sind Wale also offenbar doch nicht so klug, wie die meisten von uns annehmen?

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