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Ein Mordsgeschäft: Wofür Wale gejagt wurden

Ein Finnwal wird zerlegt. © Peter Prokosch / WWF
Ein Finnwal wird zerlegt. © Peter Prokosch / WWF

Die Riesen der Weltmeere schufen schon früh Begehrlichkeiten. Als schwimmende Fleischberge wurden sie über 200 Jahre lang erbarmungslos zu Tode gehetzt.

 

Zuerst war der Waltran interessant, gewonnen aus der Speckschicht. Es diente ab dem Mittelalter als Lampenöl für „Tranfunzeln“, später als Rohstoff zur Herstellung von Margarine, Seife und Kunstharz. Im 19. Jahrhundert erhellte er ganze Straßenzüge. Waltran diente als Schmierstoff zu Beginn der industriellen Revolution. Im 1. Weltkrieg wurde daraus Nitroglycerin hergestellt und geriet so zu einem kriegsentscheidender Rohstoff.

 

Noch mehr Wale jedoch starben, weil aus Waltran sich auch Margarine, Seife und Kunstharz herstellen ließen. Und ein Zauberstoff jedes sauberen Haushaltes: 1936 schickte die Firma Henkel ein eigenes Walfangschiff, die „Jan Wellem“ aus. Das Unternehmen brauchte Waltran zur Herstellung von Persil. Aus dem trüben Waltran wurden reinigende Salze zum Weißmachen gewonnen.

Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die größten Wale der Welt bereits in einem wahren Blutrausch an den Rand der Ausrottung gemetzelt worden: Allein in der Fangsaison 1930/31 wurden rund 30.000 Blauwale getötet – mehr als heute noch leben. Fast alle Körperteile der Tiere wurden genutzt: Aus zermahlenen Walknochen wurden Leim und Gelatine hergestellt. Das Fleisch wurde zu Steaks, diente aber auch als Hunde- oder Viehfutter. Bevorzugte Opfer waren Pottwale, denn sie verfügten über zwei ganz besonders begehrte Substanzen: Zum einen Walrat im Kopf – eine ölartige Flüssigkeit, die an der Luft zu einem weichen Wachs erstarrt, mit dem man unter anderem Salben veredelte. Außerdem Ambra im Darm – eine unverdaute graue Masse, vermutlich Reste der Tintenfischmahlzeiten. Daraus wurde eine betörende und teure Essenz für Parfüms gewonnen.

 

Das die begehrten Großwalbestände auch durch immer ausgefeiltere Jagdtechniken dramatisch schrumpften, blieb vor allem den Walfängern nicht verborgen. Ihre Existenz stand auf dem Spiel, und so gründeten die damals 14 Walfangnationen 1948 die Internationale Walfang-Kommission (IWC), um mit selbst auferlegten Quoten das bis dahin sehr einträgliche Geschäft sich nicht selbst zu zerstören.  Es sollte aber noch 40 Jahre dauern, bis sich bei der IWC die Einsicht durchsetzte, dass die Großwale überhaupt nicht mehr bejagt werden dürfen. Erst 1986 beschloss die IWC auf Druck der Weltöffentlichkeit, des WWF und anderer, die kommerzielle Jagd auf Großwale weltweit zu verbieten. Bis dahin wurden einige Millionen Wale getötet.

 

Genehmigte Ausnahme: die traditionelle Jagd von Urvölkern auf wenige Tiere, die sie zum Lebensunterhalt brauchen – wie etwa die Inuit in Grönland und Kanada.

 

Bis 1986 hatten der WWF und andere Umweltorganisationen die Weltöffentlichkeit auf den perfiden Krieg gegen die Meeressäuger immer wieder aufmerksam gemacht – und auf dessen fatales Ergebnis: Zwei Jahrhunderte Jagd auf Wale hinterließen bei allen betroffenen Arten Rumpfpopulationen. Beispiel Blauwale: Zwischen 1904 und 1971 wurden allein 369.000 Blauwale getötet. Von einst 250.000 Blauwalen zum Beispiel blieben nur 4.000 bis 6.000 Tiere übrig, von etwa 25.000 Grönlandwalen um Spitzbergen höchstens  100 Exemplare.  Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

 

Für die vermeintliche Einsicht der IWC gab es allerdings noch einen zweiten Grund: Walfang lohnte sich längst nicht mehr. Chemische und pflanzliche Substanzen waren inzwischen viel billiger und besser geworden als die meisten Wal-Substanzen.

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