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Der Zustand der biologischen Vielfalt in Europa

Der weltweite Rückgang der biologischen Vielfalt macht auch vor Europa nicht Halt. Die Regierungen der Europäischen Union müssen Weichen stellen und die Natur mit ihren wertvollen Leistungen erhalten, wiederherstellen und endlich nachhaltig nutzen.

© Wild Wonders of Europe / S. Widstrand / WWF
Braunbär. © Wild Wonders of Europe / S. Widstrand / WWF

Die Fakten:

  • Laut europäischen Roten Listen sind 21 Prozent der Amphibien (2009), 15 Prozent der Säugetiere (2007) und 13 Prozent der Vögel (2004) stark gefährdet.
  • Die Anzahl der invasiven Arten in Europa steigt weiterhin rapide an, was immer mehr negative wirtschaftliche und ökologische Konsequenzen nach sich zieht.
  • 80 Prozent der Lebensraumtypen befinden sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand.
  • In den europäischen Meeren sind 86 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände überfischt oder bis an die Grenzen der Tragfähigkeit ausgebeutet.
  • Wiesen, Feuchtgebiete, Mündungsbereiche der Flüsse und Küstenlebensräume sind europaweit am stärksten bedroht.

 

Der Verlust an Naturkapital

Ohne drastische Schutzmaßnahmen wird der zu verzeichnende Schwund an biologischer Vielfalt nicht nur andauern, sondern sich weiter beschleunigen. Das wird uns teuer zu stehen kommen: Jeder vierzigste Arbeitsplatz in der EU ist in einer der „Öko-Industrien“ angesiedelt:  nachhaltige Waldwirtschaft, organische Landwirtschaft und Ökotourismus . Fast jeder sechste Arbeitsplatz in der EU hängt von der Umwelt ab.

 

Der Verlust an Leistungen aus Landökosystemen schlägt in Europa mit 50 Milliarden Euro jährlich zu Buche, wobei Meere und Küsten sowie Binnengewässer nicht berücksichtigt sind. Wir wirtschaften unser Naturkapital herunter, ohne zu wissen, wie viel wir im Endeffekt verlieren werden und ob eine Wiederherstellung überhaupt möglich ist.

 

EU-Politik zur biologischen Vielfalt weitgehend wirkungslos

2001 hatte sich die EU zum Ziel gesetzt, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2010 zu stoppen. Die Europäische Kommission beschloss 2006 den Aktionsplan der EU zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und verstärkte ihre Bemühungen zur vollständigen Umsetzung der Vogelschutz- und der Fauna-, Flora, Habitat-Richtline (FFH-Richtlinie). Diese beiden Rechtsvorschriften bilden die  Grundlage des  Naturschutzes un des Schutzgebietsnetzes  der EU. Obwohl das sog. Natura-2000-Schutzgebietsnetz mit 25.000 Schutzgebieten bereits 17 Prozent der EU-Landfläche einnimmt und andere Schutzmaßnahmen nach der Wasser-Rahmenrichtlinie und der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie begonnen wurden, konnte der Verlust an biologischer Vielfalt in der EU bislang nicht gestoppt werden.

 

Der Europäische Umweltrat hatte deshalb schon im März 2009 für ein neues europäisches Konzept zur biologischen Vielfalt und eine aktualisierte Strategie plädiert, die bis Ende 2010 erstellt wurde. Die EU-Mitgliedsstaaten haben als neue Zielvorgabe beschlossen, den Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 stoppen zu wollen. Damit sollen auch die neuen Zielvorgaben der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD)  bis 2020 umgesetzt werden.

 

Forderungen des WWF

Trotz erster Erfolge des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 ist die Arten- und Lebensraumvielfalt in Europa nicht gesichert. Immer noch ist beispielsweise die intensive und hoch subventionierte Landwirtschaft in der EU für große Schäden an der Natur verantwortlich.

 

Zudem müssen Naturschutz und Klimaschutz Hand in Hand gehen: Werden mehr Wälder, Moore, Auen und andere Wildnisflächen als natürliche Speicher für Treibhausgase in Europa erhalten, bremst das nicht nur den Artenschwund, sondern auch die Erwärmung der Erdatmosphäre. Die neue EU-Strategie zur biologischen Vielfalt muss hier ansetzen, mit vorhandenen Missständen aufräumen und ein detailliertes Maßnahmenpaket schnüren, um die biologische Vielfalt Europas auf Dauer zu erhalten und den anhaltenden Verlust zu stoppen.

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