WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Was Überschwemmungen verschlimmert

Hochwasser ist ein natürliches Phänomen. Die Aue ist ein natürlicher Retentionsraum. Sie bremst den Abfluß von Wasser und bewirkt eine Dämpfung von Hochwasserwellen. Im dicht besiedelten Europa können Hochwasser aber besonders zerstörerisch sein - und schuld ist nicht nur das Wetter.

1. Ursache: Auenvernichtung

Natürliche Überflutungsflächen sind ein ganz natürlicher und wichtiger Schutz vor extremem Hochwasser. Wasser wird in der Landschaft  gespeichert und in trockenen Zeiten  wieder an den Fluss abgegeben. Der beste Hochwasserschutz ist daher, diese Auen nicht zu bebauen. Genau das wurde jedoch über Jahrzehnte gemacht. Rund 80 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen gingen in Deutschland verloren.

2. Ursache: Flussbegradigung

Durch Deiche und Dämme hat der Mensch viele Überschwemmungsgebiete vom Fluss getrennt. Flüsse wurden durch Begradigungen und Staustufen „schneller“ gemacht. Rhein und Donau sind heute weitgehend zu beschiffbaren Wasserbahnen betoniert. Selbst die sonst noch vielerlorts naturnah fließende Elbe ist in ihrem Oberlauf auf tschechischer Seite mit 22 Stauwehren und Talsperren verbaut. Deshalb rast heute das Wasser in den meisten bebauten Flüssen mit viel höherer Geschwindigkeit Richtung Meer. Im Rhein etwa rauscht heute eine Hochwasserwelle in 30 Stunden von Basel nach Karlsruhe – 1955 brauchte sie dazu noch 65 Stunden.

3. Ursache: Versiegelung der Landschaft

Wir versiegeln in atemberaubendem Tempo immer mehr Land. Jeden Tag verschwinden in Deutschland 100 Hektar freie Landschaft unter Asphalt oder Beton – jede Stunde eine Fläche von fünf Fußballfeldern. Dadurch beschleunigen wir das Abflusswasser. Wo Regenwasser nicht mehr im Boden versickern kann, fließt es rasch in die Kanalisation. So gelangt der Regen viel schneller in die Flüsse als im Normalfall über das Grundwasser.

4. Ursache: Mehr Niederschläge

Es regnet deutlich mehr und heftiger in Mitteleuropa. Ungewöhnlich starke Niederschläge kommen heute in Deutschland doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Auch hieran ist der Mensch wahrscheinlich nicht unschuldig: Klimaexperten diskutieren dies bereits als Folge der vom Menschen beschleunigten Erderwärmung.

Mittelfristige Lösungen, um Hochwasser natürlich zu bremsen

• Verbauung von Überflutungsgebieten stoppen
• Mehr Überflutungsflächen entsiegeln und renaturieren
• Weitere geplante Flussausbauten wie an Donau und Elbe stoppen
• Deiche, wo möglich, zurückverlegen

 

Jeder kann etwas zur Reduzierung von Hochwasser beitragen, indem man zum Beispiel auf die Versiegelung privater Flächen in Hof und Garten verzichtet und Regenwasser natürlich im Boden versickern lässt.

© Erika Schneider / WWF
© Erika Schneider / WWF

Beispiel Elbe

Der WWF ist seit vielen Jahren an Renaturierungen deutscher Flüsse beteiligt, vor allem am Rhein und an der Elbe. Im Jahr 2001 begann der WWF an der Mittleren Elbe sein größtes Projekt in Deutschland. Bis 2018 soll zwischen Mulde- und Saalemündung ein durchgehender Verbund überflutbarer Auenwälder geschaffen und gesichert werden. Damit werden zugleich alle auentypischer Tier- und Pflanzenarten und ihre Gemeinschaft nachhaltig geschützt.

 

Durch die Vergrößerung der natürlichen Überflutungsfläche wird flussabwärts die Hochwassergefahr reduziert. Die Gefahr von Deichbrüchen kann so gemindert werden. Der Weg zurück zur Natur ist damit zugleich naturnaher Hochwasserschutz.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF