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Relikte der Eiszeit

"Oh, schaurig ist's, übers Moor zu geh'n": Mit Mooren verbindet der Mensch von je her Bedrohliches und Lebensfeindliches. Wenn man nicht musste, ging man nicht ins Moor, und man siedelte auch nicht in Moorgebieten, denn es war der Ort böser Geister.  Auch deshalb wurden diese nacheiszeitlichen Urlandschaften Jahrhunderte lang entwässert, abgetorft und in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt.

Salemer Moor. © Sabine Reichle / WWF
Salemer Moor.© Sabine Reichle / WWF

Von einst etwa 500.000 Hektar Hochmoorfläche in Deutschland sind nur etwa 30.000 Hektar übrig geblieben. Heute werden die letzten Hoch- und Niedermoore als natürliche Wasserspeicher und Lebensräume für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten bewahrt und sorgfältig renaturiert.

 

Moore und Torfabbau

Moore sind Lebensräume, die von einem Überschuss an Regen- oder Grundwasser abhängig sind. In ihrem natürlichen Zustand besitzen sie eine Torfbildende Vegetation. Als Torf wiederum wird eine Bodenart bezeichnet, die aus unterschiedlich stark zersetztem Pflanzenmaterial besteht. Die Torfbildung ist ein sehr langsamer Prozess: im Durchschnitt wächst die Torfschicht eines naturnahen Moores nur um einen Millimeter pro Jahr.

 

Dieses langsame Wachstum macht Moore jedoch zu wichtigen Informationsquellen in geschichtlichem Ausmaß. So lassen sich beispielsweise landschaftliche oder klimatische Veränderungen im Torf ablesen und lassen in gewissem Umfang Rückschlüsse zu, welchen Einfluss der Mensch auf Klima und Umwelt hat. Etwa die Hälfte aller weltweiten Süßwasser-Feuchtgebiete sind Moore, die zusammen genommen eine Fläche von über 4 Millionen Quadratkilometern bedecken. In Deutschland gibt es insgesamt etwa 14.000 Quadratkilometer Moorflächen, der Großteil davon liegt in den norddeutschen Bundesländern Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.  

 

Privater und kommerzieller Gartenbau sind weltweit Hauptabnehmer für Torf und Torferzeugnisse. Einsatz finden sie dort als Bodenverbesserer und als Wachstumsmedium. Heute muss der Torf bereits oft aus dem Baltikum importiert werden, da die eigenen Torfvorkommen nicht mehr ausreichen oder die wenigen intakten Moore unter Schutz gestellt werden konnten. Doch trotz ihrer großen ökologischen Bedeutung sind Moore kaum in internationalen Abkommen, wie beispielsweise der RAMSAR-Konvention (Übereinkommen über Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung) berücksichtigt: weniger als 10 Prozent der weltweiten Moorflächen sind bisher in die RAMSAR-Liste aufgenommen worden.

 

Lebensraum für Lebenskünstler

Moore erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Durch ihr hohes Wasserspeicher-Vermögen sind sie sehr wichtig als natürlicher Hochwasserschutz. Dank ihrer beträchtlichen Reinigungskraft sind Moore unverzichtbar für den Erhalt unserer Trinkwasservorräte. Sie leisten darüber hinaus auch einen großen Beitrag zum globalen Klimaschutz, da Moore enorme Mengen an Kohlenstoff speichern – weit mehr, als dies Wälder tun.  Sie beherbergen außerdem eine Vielzahl von hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten, darunter Torfmoose, Zwergbirke oder die Moosbeere, Libellenarten wie die Große Moosjungfer, zahllose Tagfalter wie der Hochmoor-Perlmutterfalter und den Hochmoor-Gelbling.

 

Durch die fortschreitende Zerstörung ihres Lebensraumes sind sie jedoch zunehmend in ihrem Bestand bedroht. Denn da sich diese Arten an die oft sehr nährstoffarmen Bedingungen in den Moorgebieten angepasst haben, können sie nicht auf andere Standorte ausweichen. In den Projekten „Schaalsee-Landschaft“, „Uckermärkische Seen“ und „Drömling“ trägt der WWF dazu bei, die biologische Vielfalt dieser Lebensräume zu erhalten.

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