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Wasser hat natürliche Grenzen – keine nationalen

Luxemburg hat auf dem Weltwasserforum 2012 in Marseille angekündigt, die UN Flusskonvention (UN Watercourses Convention) zu ratifzieren. Das Papier soll ein partnerschaftliches, zwischenstaatliches Management für Wassersysteme garantieren. Damit wäre das europäische Land der 25. Staat, der das Papier unterzeichnet. Doch um die Konvention in Kraft treten zu lassen, fehlen noch weitere zehn Unterstützerländer. wwf.de traf sich auf dem Forum mit Flavia Loures, beim internationalen WWF- Süßwasserprogramm zuständig für Internationale Gesetze und Politikarbeit.

Flavia Loures © WWF

Flavia, warum ist es so entscheidend, dass die UN-Flusskonvention endlich in Kraft tritt?

Die Herausforderungen im globalen Wassermanagement sind enorm. Um effektiv und entschlossen der weltweiten Wasserkrise zu begegnen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich das Management von Wasservorkommen nicht länger nach nationalen sondern nach natürlichen Grenzen ausrichtet. Schließlich gibt es zahlreiche Flüsse, Seen und auch Grundwasserreservoire die von mehreren Staaten genutzt und beansprucht werden. Um zukünftige Konflikte um deren Nutzung zu vermeiden, stellt die Konvention ein entscheidendes, politisches Instrument dar.

Welche Staaten habe die Konvention bereits ratifiziert?

Aktuelle haben 24 Staaten der Konvention auf nationaler Eben zugestimmt, darunter Deutschland, Frankreich, Jordanien, Nigeria und Südafrika. Aber es fehlen noch immer weitere elf Unterzeichnerländer. Erst dann kann die Konvention in Kraft treten. Besonders Staaten in Regionen, die in jüngster Vergangenheit immer wieder Wasserkonflikte ausgetragen haben, wie etwa im Nahen Osten oder am Mekong, müssen die Zeichen der Zeit erkennen und die Konvention ratifizieren.

Wie bewertet der WWF die Ankündigung von Frankreichs Premierminister Fillon, sein Land wolle das in Kraft treten der Konvention auf internationaler voranbringen?

Es ist sehr wichtig, dass eine Industrienation wie Frankreich hinter der Konvention steht. In der Eröffnungsrede zum Weltwasserforum hat Fillon außerdem angekündigt, die erste sogenannte Teilnehmerkonferenz abzuhalten, sobald die notwendigen 35 Staaten zusammengekommen sind. Auch das, kann als positives Signal gewertet werden. Der WWF hofft, dass jetzt andere Staaten dem Beispiel Luxemburgs folgen werden. Und zwar möglichst bald, schließlich haben bereits heute etwa vier Milliarden Menschen nur ungenügenden oder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Steigende Bevölkerungszahlen und schlechtes Management der Wasservorräte verschärfen die Situation weiter. Entscheidend, um das Menschenrecht auf Wasser auch Wirklichkeit werden zu lassen ist, dass wir die Ökosysteme, die unser Trinkwasser speichern, bereitstellen und reinigen schützen und erhalten. Dafür setzt sich der WWF im Rahmen des Forums ein.

Gibt es besonders kritische Regionen, in denen die Konvention helfen könnte, bestehende Probleme zu lösen?

Den Mittleren Osten und die Mekong-Region habe ich ja bereits angesprochen. Aber auch in Südamerika gibt es Konflikte. Kolumbien und Venezuela teilen sich das Orinoco-Flusssystem, immerhin der viertgrößte Strom auf der Erde. Zwar haben die beiden Länder erste Erfolge hinsichtlich kooperative Lösungen gefunden, doch noch immer werden einseitig neue Wasserkraftwerke geplant. Auch die nicht abgesprochene Wasserentnahme und Umleitung ist ein Problem, da sie das gesamte Ökosystem zu belasten droht. Auch im asiatischen Ganges-Einzugsgebiet gibt es Konflikte. So hat Indien erst vor kurzer Zeit Chine beschuldigt, entscheidende Informationen über das Wassermanagement zurückzuhalten, die womöglich bei der Bekämpfung von Hochwassern und Überflutungen entscheidend gewesen wären.

Was erhofft sich der WWF mit Blick auf Rio+20 in Bezug auf die Konvention?

Der Umweltgipfel wäre ein gute Gelegenheit für weitere Staaten, um der Konvention beizutreten. Wir haben Anzeichen dafür, dass Niger, Ghana, Benin, Senegal, Irland, Honduras, England Papua Neu Guinea die Ratifizierung vorantreiben. Ich drücke beide Daumen, dass wir bis Rio in diesem Bereich weitere Erfolge vermelden können.

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