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Die Wiederbelebung der Dinosaurier

24. Mai 2013
Tobias Krug, Referent für Energieeffizienz © David Biene / WWF
Tobias Krug, Referent für Energieeffizienz © David Biene / WWF

Kommentar von Tobias Krug, Referent für Energieeffizienz

Bei den großen Energiekonzernen dürften in der vergangenen Woche die Korken geknallt haben, war ihnen doch ein besonders dreistes Lobby-Kunststück gelungen: die unbegrenzte „Laufzeitverlängerung“ für Nachtspeicherheizungen. Eigentlich sollten die rund 1,5 Millionen Dinosaurier der Heiztechnik bis 2019 schrittweise eingemottet werden. Nun aber hat die Bundesregierung die beschlossene Regelung wieder über Bord geworfen. Neuerdings soll die anachronistische Technik angeblich sogar die Energiewende befördern. Stromspeicherheizungen sollen nun, aufgemotzt mit neuer, teurer Regelungstechnik in Zukunft überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen aufnehmen und damit zur Energiewende beitragen. Das ist ebenso absurd wie die Verabreichung von Schokolade zum Erhalt der Zahngesundheit. Der Weiterbetrieb uralter Heizungen schadet der Energiewende und belastet die Verbraucher mit hohen Kosten.

Nachtspeicherheizungen sind eine Erfindung des vergangenen Jahrhunderts. Sie wurden entwickelt, um den Stromkonzernen zu Zeiten geringer Nachfrage, beispielsweise nachts, eine hohe Auslastung ihrer Kraftwerke zu garantieren. Mehr als 80 Prozent dieser Heizanlagen wurden vor 1978 installiert. Sie sind nicht nur hoffnungslos veraltet, sondern zudem auf den damaligen, ineffizienten Gebäudestandard mit einfach verglasten Fenster und unisolierten Wänden ausgelegt. Spätestens nach der Modernisierung eines Gebäudes ist die Uralt-Stromheizung folglich völlig überdimensioniert. Nachtspeicher als „Energiespar-Lösung“ anzupreisen ist  schlicht Kundentäuschung. Der WWF rät dringend, auf andere Heiztechniken umzusteigen. Die Umwandlungseffizienz bei Nachtspeicherheizungen beträgt nur rund ein Drittel zu modernen elektrischen Wärmepumpensystemen. Zudem entsteht bei der Erzeugung von Heizstrom 50 Prozent mehr Kohlendioxid als bei Heizenergie aus Öl oder Gas.

Das Argument, Stromspeicherheizungen könnten eine tragende Rolle bei der sinnvollen Verwendung überschüssigen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen spielen, ist aberwitzig. Die ausreichende Versorgung der Nachtspeicherheizungen mit Strom kann nur durch fossile oder nukleare Grundlastkraftwerke gedeckt werden. Das hilft der Energiewende nicht, es bremst sie.

Hinzu kommt, dass durchaus sinnvolle Ideen zur Speicherung überschüssigen Wind- oder Sonnenstroms existieren. Pumpspeicherkraftwerke und die bald rasch zunehmende Anzahl an Elektroautos können als flexible, vernetzte Speicher eingesetzt werden. Große Kühlhäuser können dann mit voller Leistung gekühlt werden, wenn die Stromüberschüsse besonders groß sind. Sinkt das Angebot, können sie sich eine Weile abschalten und Energie sparen.

Der Betrieb von Nachtspeicherheizungen hingegen erhöht tendenziell den Stromverbrauch und sichert den großen Energieversorgern ein weiterhin lukratives Geschäftsmodell für den Betrieb veralteter, klimaschädlicher Kraftwerke. Das geht zulasten des Klimaschutzes – und belastet gleichzeitig die Verbraucher mit unnötig hohen Heizkosten.

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