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Energiewende 2011 – Deutschland als Vorbild

Die Folgen von Fukushima: Während Japans Leid nach der Dreifachkatastrophe längst noch nicht zu Ende ist, haben die Ereignisse vom 11. März 2011 in Deutschland zu einer Zäsur in der Energiepolitik geführt.

© Istockphoto.com / WWF-Canada
Energiewende 2011. © Istockphoto.com / WWF-Canada

Dem seismischen Beben in Japan folgte eine politische Erschütterung in Deutschland. Die im vergangenen Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung der 17 Kernkraftwerke wurde für drei Monate ausgesetzt. In diesem Moratorium sollte die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke (KKW) auf den Prüfstand. Die sieben ältesten deutschen Reaktoren wurden für diesen Zeitraum vom Netz genommen. Hinzu kam das KKW Krümmel, das wegen Sicherheitsproblemen schon seit rund einem Jahr heruntergefahren war. Der WWF unterstützte den neuen Kurs der Bundesregierung und mischte sich intensiv in die Diskussionen, um das beschleunigte Energiekonzept ein.

 
Ziel des WWF ist eine Energiewende, die von Menschen gemachte Katastrophen ausschließt – eine kohlenstoffarme Wirtschaft und eine Stromversorgung ohne Kernkraft aus erneuerbaren Energiequellen mit einer sehr hohen Energieeffizienz. Bundeskanzlerin Angela Merkel berief eine Ethik-Kommission ein, die unter Vorsitz des ehemaligen Bundesumweltministers Prof. Klaus Töpfer und Prof. Matthias Kleiner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie unter Beteiligung von Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kirchen Vorschläge für eine neue, konsensfähige Energiepolitik erarbeitete. Bei der ganztägigen Anhörung der Ethik-Kommission am 28. April 2011 war der WWF geladen, seine Analysen und Ideen einer Umgestaltung der Energiewirtschaft zu präsentieren.


Die Gegner der neuen Energiepolitik versuchten, den Atomausstieg mit vermeintlich einhergehenden unbeherrschbaren größeren Risiken zu diskreditieren. Dazu gehörten „ein schneller Klimawandel durch steigende CO2-Emissionen,“  der vermeintlich zwingende Neubau klimaschädlicher Kohlekraftwerke, „eine stark steigende Stromrechnung,“ eine so genannte „Stromlücke“ oder mehr Atomstromimporte aus Frankreich und Tschechien.  
Der WWF konnte Mitte April 2011 in zwei Studien klar zeigen, dass ein Atomausstieg bis 2017 ohne diese Risiken möglich ist. Denn die CO2-Emissionen werden im europäischen Kontext nicht steigen, da sie durch den Emissionshandel gedeckelt sind. Statt Kohlekraftwerke können sehr gut Gaskraftwerke errichtet werden. Die Strompreise werden nach Einschätzung des WWF nur um 0,5 Cent pro Kilowattstunde steigen, also marginal.

Zudem wurde mehrfach nachgewiesen, dass genug Kraftwerksreserven vorhanden sind, sodass eben nicht „die Lichter ausgehen werden“. Nach der Verhängung des Moratoriums wurden auch nicht die Atommeiler in unseren Nachbarländern hochgefahren.


Am 6. Juni wurden schließlich acht Gesetze in einem Gesetzespaket im Kabinett verabschiedet, die den Weg in eine neue Energiezukunft weisen. Am 8. Juli 2011 gab der Bundesrat seine Zustimmung. Deutschland soll damit zum Modell für einen gelungenen Ausstieg aus der Kernenergie und den wegweisenden Einstieg in die erneuerbaren Energien werden. Die Richtung, die dabei eingeschlagen wurde, unterstützt der WWF.


An den Reaktionen aus dem internationalen WWF-Netzwerk haben wir alle gespürt: Die Welt schaut auf uns und beobachtet sehr genau, welche Schritte wir gehen für eine sichere Energiezukunft. Wir haben einen neuen Pfad eingeschlagen, den vor uns noch kein Industrieland gegangen ist. In der Energiepolitik will Deutschland Vorbild werden, wie der WWF es vor zwei Jahren in seiner Studie „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050. Vom Ziel her denken“ nahegelegt hat.


Die Energiewende bietet uns nicht nur die Chance, die Weichen hin zu einer klima- und energiesicheren Zukunft zu stellen. Sie ist gleichsam auch die Chance für die deutsche Wirtschaft, ihre Marktführerschaft bei innovativen Zukunftstechnologien auf einer nachhaltigen Basis auszubauen. Die Chance zu einem Quantensprung in der Energiepolitik ist da. Wir müssen sie jetzt nutzen. 

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