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Japan: Atomausstieg ist nicht genug

Nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima dauerte es anderthalb Jahre, bis Japan den Atomausstieg verkündete – und gleich wieder relativierte.

Das von Erdbeben und Tsunami beschädigte Atomkraftwerk Fukushima © Digital Globe
Das von Erdbeben und Tsunami beschädigte Atomkraftwerk Fukushima © Digital Globe

Am 15. September veröffentlichte die japanische Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda den neuen Energieplan für 2030, in dem der Atomausstieg angekündigt wurde. Wenige Tage später würdigte das Kabinett Nodas den Plan lediglich in einem Statement, ohne ihn offiziell zu verabschieden. Die so marginalisierte Strategie sieht vor, dass japanische Atomkraftwerke nach 40 Jahren Laufzeit stillgelegt werden, momentan stillgelegte Kraftwerke nur nach Erlaubnis des nationalen Reaktor Komitees wieder ans Netz dürfen - und es sollen keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Gesamtversorgung soll bis 2030 auf 30 Prozent gesteigert, der Stromverbrauch vom Niveau des Jahres 2010 bis 2030 um zehn Prozent gesenkt werden. Der Gesamtenergieverbrauch soll um 19 Prozent sinken.

Masako Konishi, Leiterin des Projektes Klimawandel beim WWF Japan © WWF
Masako Konishi, Leiterin des Projektes Klimawandel beim WWF Japan © WWF

Dass der vorgestellte Plan nun lediglich als Referenzpapier bezeichnet wird, führt Masako Konishi, Leiterin des Projektes Klimawandel von WWF Japan, auf den massiven Druck seitens der Industrie sowie einiger Gewerkschaften zurück.

 

Als Ersatz für die Atomkraft sollen fossile Energieträger wie Kohle in Zukunft wieder ein größeres Gewicht bekommen. Schon vor der Erklärung zum Ausstieg hatte die japanische Regierung die Wirtschaft ermutigt, in fossile Kraftwerke zu investieren. Noch sind die Konsequenzen für die japanischen Klimaziele nicht exakt ausgearbeitet, es gilt aber als sicher, dass das bisherige Ziel einer Minderung des Ausstoßes von Klimagasen um 25 Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990 stark abgesenkt wird. Der WWF Japan kritisiert diese Entwicklung, da die verwässerten Emissionsminderungsziele die Lücke zu der Erreichung des Zwei-Grad-Ziels weiter vergrößert. Vor Fukushima bezog Japan 30 Prozent seines Strombedarfs aus 54 Atomkraftwerken. Dieser Anteil sollte vor der Katastrophe auf 50 Prozent gesteigert werden. Dies ist nun vom Tisch. Augenblicklich sind nahezu alle Reaktoren zu Wartungsarbeiten vom Netz genommen.

„Absenkung führt in die Irre“

„Japan sollte nicht in die Falle laufen, die Risikotechnologie Kernenergie gegen eine andere, Kohlekraft, zu ersetzen“, kommentiert Regine Günther, Direktorin für Klima und Energie beim WWF Deutschland. „Japan hat jetzt die Chance seine Wirtschaft effizient und zukunftsfähig umzubauen. Hierzu gehört die richtige Rahmensetzung, die ein Dreiklang sein muss aus Atomausstieg, ambitionierten Emissionsminderungszielen und Effizienzzielen. Die Absenkung dieser Ziele führt in die Irre.“


Das rohstoffarme Japan ist bei fast allen Energieträgern auf Importe angewiesen. Der WWF Japan fordert schon länger die stärkere Nutzung von Erdgas statt Kohle – und massive Investitionen in erneuerbare Energien. Im japanischen Energiemix sind erneuerbare Energien bisher nur mit drei Prozent vertreten. „Wir liegen da weit hinter Europa zurück“, sagt Konishi.

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