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Die Welt schaute vergeblich nach Posen

WWF enttäuscht über Stillstand der UN-Klimaverhandlungen

Eine passive Europäische Union und die destruktive Haltung anderer Industriestaaten führten dazu, dass bei den UN-Klimaverhandlungen 2008 im polnischen Posen kaum Fortschritte gemacht wurden.

Zum Finale der UN-Klimakonferenz im polnischen Posen hatte der WWF den anreisenden Umweltministern deutlich gemacht, dass sie unter aufmerksamer Beobachtung der Weltöffentlichkeit stehen. WWF-Aktivisten mit riesigen Pupillen trugen Banner mit der Aufschrift "Die Welt schaut Euch zu", um zu unterstreichen, dass Millionen Menschen weltweit nach den zähen Verhandlungen der ersten Woche nun endlich ein klares Bekenntnis zum Klimaschutz erwarteten.

 

Doch die Welt schaute vergeblich nach Posen. Eine passive Europäische Union und die destruktive Haltung anderer Industriestaaten führten dazu, dass auf dem Weg hin zu einem internationalen Klimaschutzabkommen, das im kommenden Jahr in Kopenhagen beschlossen werden soll, kaum Fortschritte gemacht wurden. 

 

Die Industriestaaten predigten in Posen lediglich über die Bedeutung des Klimaschutzes, ließen jedoch entsprechende Taten und Vorschläge vermissen. Die USA verharrte am Rande des Geschehens, da der designierte Präsident Barack Obama und seine Administration noch nicht im Amt sind. Die Hoffnung auf Führung durch die EU wurde zerstört, als deren Regierungschefs in Brüssel das Energie- und Klimapaket der EU erheblich verwässerten.

 

Ganz anders präsentieren sich die Entwicklungs- und Schwellenländer. Sie reisten mit konstruktiven Vorschlägen im Gepäck an. Beispielsweise versprach Mexiko seine Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu senken und China legte eine beeindruckende Führungsqualität an den Tag.

 

Nach Einschätzung des WWF wurden in Posen viele gute Gelegenheiten zum Fortschritt verpasst.  So wurden weder Biodiversitätsaspekte, das Thema der Rechte von indigenen Völkern oder die Reduzierung der Emissionen durch Entwaldung in den finalen Text aufgenommen. Immerhin schafften es die Regierungen, Entscheidungen zum weiteren Prozess zu fällen, so dass endlich der Schritt von Gesprächen zu echten Verhandlungen getan werden kann. Gemäß dieses Plans wird erwartet, dass die Industriestaaten ihre Ziele zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen für das Jahr 2020 im Frühjahr 2009 bekannt geben.

 

Obwohl in Posen keine wesentlichen Fortschritte gemacht wurden, besteht 2009 in Kopenhagen nach Ansicht des WWF weiterhin die Chance, ein globales Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu erlangen.  Doch nach einem Jahr der Blockadestrategien läuft der Welt die Zeit davon. Die Regierungen müssen jetzt noch härter und schneller arbeiten.

 

WWF-Aktionen in Posen

In der ersten Woche hatten sich weltberühmte Ski- und Snowboardfahrer hinter die Klimaschutz-Forderungen des WWF gestellt. Olympiasieger und Weltmeister aus den USA wie Ted Ligety und Julia Mancuso, der polnische Europameister Tomasz Sikora sowie das gesamte finnische Skispringerteam unterzeichneten einen dringenden Appell des WWF und machten mit einer spektakulären Show auf den zunehmenden Schneemangel und den Rückzug von Gletschern aufmerksam.

 

Seit 1850 haben sich die Gletscher in den Alpen um 50 Prozent verkleinert. Der Appell wurde vor Ort an den polnischen Umweltminister Maciej Nowicki überreicht. Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz hatte der WWF Nüsse an die Delegierten verteilt und sie dazu aufgerufen, bei den Verhandlungen die „Klimanuss“ zu knacken.

 

Die Geschichte der Verhandlungen

1992 wurde auf dem UN-Gipfel in Rio de Janeiro, Brasilien, die Klimarahmenkonvention zum Klimawandel (UNFCCC) verabschiedet. Ziel der Konvention ist es, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre zu stabilisieren, damit „Ökosysteme sich natürlich an den Klimawandel anpassen können, die Produktion von Nahrungsmitteln nicht gefährdet wird und eine ökonomische Entwicklung auf nachhaltige Art und Weise gewährleistet werden kann.“ Allerdings wurden keine konkreten Grenzwerte für die Höhe der Treibhausgas-Konzentrationen festgelegt.

 

Im Jahr 1994 trat die Konvention in Kraft, nachdem sie von 165 Staaten ratifiziert worden war – auch von den USA und Australien. Seitdem treffen sich die Unterzeichner der Konvention jährlich zur UN-Klimakonferenz, auf Englisch „Conference of the Parties“ (COP). Aus dem Treffen in Japan ging 1997 das Kyoto-Protokoll hervor, worin die Mechanismen festgelegt wurden, anhand derer die Ziele der Klimarahmenkonvention erreicht werden sollen.

 

Gleichzeitig mit der COP findet seit dem Inkrafttreten dieses Kyotoprotokolls 2005 nun auch das Treffen der Kyoto-Staaten statt, genannt „Meeting of the Parties“ (MOP). Auf Bali wurden dann 2007 die Verhandlungen über das Nachfolgeabkommen des Kyotoprotokolls gestartet. 

   
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