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Kollaps in Kopenhagen

Das Ergebnis der Klimaverhandlungen von 2009 und wie es weitergehen muss

Im Dezember 2009 trafen sich in der dänischen Hauptstadt 193 Staaten zur 15. UN-Klimakonferenz. Seit dem Treffen in Bali im Jahr 2007 verhandelten sie offiziell um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, dessen erste Phase 2012 endet. Doch nach zwei Jahren mühseliger Trippelschritte der Unterhändler, gelang den Verhandlungsführern in Kopenhagen kein Durchbruch. Im Gegenteil – die formalen Verhandlungen kollabierten regelrecht. Schuld daran ist aus Sicht des WWF jedoch nicht der UN-Verhandlungsprozess selber, sondern der fehlende politische Wille.

 

Die angereisten Staats- und Regierungschefs hatten zwar vollmundige Erklärungen im Gepäck, schafften es jedoch nicht, ein faires, wissenschaftsbasiertes, wirksames und völkerrechtlich verbindliches Abkommen zu verabschieden. Rund 26 führende Staats- und Regierungschefs verständigten sich am Ende auf einen Minimalkonsens. Diese „Kopenhagener Vereinbarung“ legt fest, dass die globale Durchschnittstemperatur ohne eine historische Zahl zu nennen nicht um mehr als 2 Grad Celsius steigen soll. Doch wie die Welt das erreicht, ist weiterhin völlig offen.

 

Besser als nichts, doch zu wenig um das 2 °C-Ziel zu erreichen

Die Kopenhagener Vereinbarung ist zweifellos eine Enttäuschung. Das Ergebnis ist viel zu schwach, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern. Dennoch – es gibt einzelne positive Aspekte der Vereinbarung, so dass sie auch als erster Schritt zu einem weltweiten, rechtlich verbindlichen Klimaschutz-Abkommen betrachtet werden kann.

 

Diese sind

  • das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 °C zu begrenzen. Dieses Ziel soll 2015 noch einmal überprüft werden.
  • Finanzangebote seitens der Industrieländer an die Entwicklungsländer für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen: 30 Milliarden US-Dollar von 2010-2012 als kurzfristige Unterstützung. Im Fall von bedeutsamen Reduktionsanstrengungen verpflichten sich die Industriestaaten die Entwicklungsländer bis 2020 mit 100 Milliarden US-Dollar jährlich zu unterstützen.
  • die Einsetzung eines Gremiums, das überprüft, ob die Ziele zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes erreicht werden.
  • neue Programme, um die Entwicklungsländer beim Stopp der Entwaldung und bei der Nutzung neuer Klimaschutz-Technologien zu unterstützen.  

 

Allerdings fehlen in der Vereinbarung auch wichtige Aspekte, um das Ergebnis als zufrieden stellend bezeichnen zu können.

  • Es wird kein Jahr genannt, auf das sich die Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 2 °C bezieht.
  • Es gibt weiterhin kein völkerrechtlich verbindliches Abkommen.
  • Die Ziele zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes sind zu allgemein gefasst.
  • Es fehlen konkrete Maßnahmen, wie diese Ziele erreicht werden sollen.

 

Bis zum 31. Januar 2010 hatten die Staaten nach Kopenhagen Zeit ihre nationalen Reduktionsziele der UNFCCC zu nennen. Leider brachte auch dieses Datum keine positiven Überraschungen. 55 Staaten trugen bis zu diesem Stichtag ihre nationalen Reduktionsziele oder Maßnahmen zur Emissionsminderung in den Anhang der Kopenhagener Erklärung ein. Darunter sind zwar zum Glück die größten Verursacher von Treibhausgasen, wie die USA, China, Russland und die EU. Doch alle genannten Ziele waren vorher bereits bekannt und reichen zusammen gerechnet bei Weitem nicht aus, um die 2°C-Schwelle nicht zu überschreiten. Stattdessen steuert die Welt mit diesen Zahlen auf eine Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur um mehr als 3°C zu.

 

Wie geht es weiter nach Kopenhagen?

Aus Sicht des WWF können mithilfe der Kopenhagener Vereinbarung die politischen Blockaden aufgebrochen und ein transparenter und ambitionierter Prozess gestartet werden. Dazu müssen die internationalen Verhandlungen schnell wieder aufgenommen werden und alle Staaten endlich den nötigen politischen Willen zeigen. Nur so kann ein ambitioniertes und rechtlich verbindliches Abkommen erreicht werden.

   
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