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Der Weltbasar tritt zusammen

28. November 2012

Blog von der UN-Klimakonferenz, Teil III: Ein Land im Widerspruch, die Begrenzung der Redezeit auf SMS-Format und undurchschaubare Strategien des katarischen COP-Präsidenten

Am heutigen zweiten Konferenztag präsentierte sich das Gastgeberland Katar in einer Pressekonferenz: Ein 1,5 Millionen Einwohnerland, dass in Sachen Klimaschutz erst mal den großen Nationen wie China und den USA den Vorrang lässt. So mögen pro Kopf gerechnet, die Treibhausgasemissionen des Gastgebers zwar die höchsten der Welt sein, aber pro Staat - und so rechnet Katar lieber - sind sie es bei dieser geringen Einwohnerzahl natürlich nicht.

Konferenzort: Das Qatar National Convention Centre (QNCC). © caitlinroberta

Es ist ein Land im Widerspruch. Denn einerseits wird gerade Katar besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. So liegt die Hauptstadt, in der fast alle Kataris wohnen, auf Meeresspiegelhöhe. Das Land ist zu 90 Prozent auf Exporte angewiesen, um seine Lebensmittelversorgung sicher zu stellen. Andererseits ist dieser Wüstenstaat komplett auf Wachstum ausgerichtet, was auch die vielen Baustellen im Stadtgebiet zeigen. Macht diese Wachstumsstrategie ausgerechnet hier Sinn? Wie nachhaltig ist sie? Worauf fußt sie?

Das National Convention Centre, wo die Klimakonferenz COP 18 stattfindet, ist zumindest so nachhaltig wie möglich gebaut und nach dem amerikanischen Standard für energieeffizientes Bauen (LEED) zertifiziert. Es gibt Solaranlagen, LED Licht, Wasser Recycling und Mülltrennung. Das Wifi System heißt "plug-n-play", Snacks werden als "Grab-n-go" angeboten. Wäre doch auch Klimaschutz so "plain-n-simple".

Doch bisher ist die Strategie des katarischen COP-Präsidenten undurchschaubar. Die Signale gehen in beide Richtungen. Einerseits will Katar den Gipfelerfolg, und wenn vielleicht auch nur als "to do" auf einer lange Liste von Marketing-Maßnahmen, um Bekanntheit und Renommee des Landes zu verbessern. Doch wirklich nachhaltig lebt der Durchschnitts-Katarer eben nicht. Das Climate Action Network (CAN) fordert daher das Gastgeberland auf, durch eine Selbstverpflichtung zur Emissionsreduzierung ein Zeichen zu setzen und so den Grundstock für ergebnisreiche Verhandlungen zu legen. Bisher hat sich Katar auf gar nichts festgelegt, es ist ein Land ohne Emissionsminderungsziele.

Zugleich sind CAN und die darin vertretenen Nichtregierungsorganisationen (mehr als 700) auch unzufrieden, dass ihre Redezeit in den Verhandlungen vom COP-Präsidenten auf 30 Sekunden begrenzt worden ist. Kommentare quasi im SMS Format - mehr ist da kaum möglich.

Am heutigen zweiten Verhandlungstag ging jedoch erst mal alles seinen üblichen Gang - weitere Unterarbeitsgruppen und ihre Themenkataloge werden festgelegt. Dabei gehen alle sehr höflich miteinander um. Argumente werden ohne Spitzfindigkeiten ausgetauscht. Weil alle mit eher niedrigen Erwartungen angereist sind, sei keiner im Angriffsmodus, meint ein COP-erfahrener US-Kollege zu mir. Hoffen wir mal, dass die Lust auf belastbare Ergebnisse noch steigt.

Hier noch ein paar Statistiken zur COP18:

  • 6280 Delegierte sind angemeldet, von denen bisher fast 2400 erschienen sind.
  • 5700 Mitarbeiter von Oberserver Organisations (also NGOs, UN und zwischenstaatlichen Organisationen) 
  • 780 Medienvertreter, bislang ist ein gutes Drittel aufgeschlagen.
  • 17.600 Gäste werden zur COP18 erwartet.
  • 450 Busse sind im Einsatz, die zwischen Konferenzort und den Hotels pendeln. Die Fahrt dauert je nach Unterkunft und Verkehrslage zwischen 30 und 50 Minuten. Tram oder S-Bahn hat Katar nicht.

 

Dieser Blog erscheint auf natur.de als Gastbeitrag.

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