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Klimakonferenz: „Wir können nicht sagen, wir hätten es nicht gewusst.“

Drei Fragen an Ban Ki-moon, Generalsekretär der UNO

Für Ban Ki-moon ist Klimaschutz eine Herzensangelegenheit, da gerade die ärmsten Länder dieser Erde mit am stärksten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Ihnen fehlen zudem die finanziellen Ressourcen, um sich zu schützen. Zugleich sind sie am wenigsten Schuld an den weltweit steigenden Treibhausgasemissionen und profitieren nicht vom wirtschaftlichen Aufstieg, der auch heute noch damit verbunden sein kann. Ban Ki-moon unterstützt auch die jährlich stattfindende WWF-Aktion „Earth Hour“. Um ein Zeichen für mehr Klimaschutz zu setzen, wird dabei an einem Samstag Ende März weltweit für eine Stunde das Licht ausgeschaltet.

UN-Generalsekräter Ban Ki-moon bei der COP18 © sallie shatz / flickr via cc
UN-Generalsekräter Ban Ki-moon bei der COP18 © sallie shatz / flickr via cc

Ban Ki-moon, die Welt trifft sich in Doha zum Klimagipfel. Wo stehen wir beim Thema Klimaschutz heute?

Ban Ki-moon: Wir steuern auf eine stetig wachsende Krise zu. Die Klimaveränderungen sind weltweit sichtbar. Das Zeitfenster, in dem wir noch gegenzusteuern können, schließt sich gerade. Und wir werden später nicht sagen können, dass wir nicht gewusst hätten, wie schwerwiegend die durch den Klimawandel bedingten Schäden sein können. Technisch und finanziell ist alles machbar, wir können uns retten. Allein – es fehlt der politische Wille. Doch wir müssen jetzt klar Führungsverantwortung übernehmen. Jeder Tag, der ungenutzt verstreicht, verdüstert die Zukunftsaussichten und vergrößert die Schäden. Daher müssen wir jetzt dringend am globalen Klimaschutzabkommen arbeiten, um es bis zum Jahr 2015 fertig zu stellen.

Worauf setzen Sie, um den Klimawandel zu stoppen?

Wir brauchen schnelle Ergebnisse. Im Bereich Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen benötigen wir klar definierte Meilensteine, wie die Anschubfinanzierung für weltweite Klimaschutzmaßnahmen, die Ende 2012 ausläuft, nun fortgesetzt werden kann. Präsident Obama hat nach seiner Wiederwahl den Kampf gegen den Klimawandel als eine seiner wichtigsten Aufgaben genannt. Das ist ein klares Mandat: Die Industrieländer müssen Führung übernehmen und voraus gehen, denn sie haben die Technologien und die nötigen Finanzressourcen. Entwicklungsländer haben keine Möglichkeiten, aktiv zu werden, obwohl sie am meisten unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die USA sollten bei diesen Anstrengungen eine wichtige Rolle übernehmen. Wir dürfen jetzt keine weitere Zeit verschwenden, jeder einzelne hat hier eine wichtige Aufgabe. Wirtschaft und Politik müssen zusammen arbeiten. Aber besonders wichtig ist die Rolle der politischen Führer. Ich bin viel unterwegs und sehe die Folgen von Klimawandel auf der ganzen Welt. Es ist das wichtigste Thema auf der globalen politischen Agenda. Diejenigen, die jetzt noch bezweifeln, dass der Klimawandel tatsächlich existiert, müssen wir wiederlegen. Dazu brauchen wir auch die Arbeit der Medien.

Was sagen Sie zu den Ministern und Staatsoberhäuptern aus der Golf-Region, deren CO2-Emissionen pro Kopf gerechnet, zu den höchsten der Welt gehören?

Diese Klimakonferenz in Doha ist die erste, die in der Golf-Region je stattgefunden hat und zugleich auch nur die zweite, die überhaupt in einem arabischen Land zu Gast ist. Die ganze Region ist abhängig von fossilen Brennstoffen, aber zugleich ist sie auch stark vom Klimawandel betroffen. Bereits heute spürt sie die Folgen und leidet unter Wüstenbildung, Wasser- und Nahrungsmittelknappheit. Die Regierungen dieser Länder versuchen bereits, ihre Energieversorgung zu diversifizieren. Sie investieren in Solarenergie und suchen intelligente Lösungen. Die arabischen Staaten können eine wichtige Rolle in unserem Kampf gegen den Klimawandel übernehmen.

 

(Antworten stammen aus Ban Ki-moons Pressekonferenz in Doha, an der unsere Mitarbeiterin Sylvia Ratzlaff teilnahm.)

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