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"Es ist noch Luft nach oben"

27. November 2012

Blog von der UN-Klimakonferenz, Teil II: Der erste Tag in Doha

Heute nun der Start der COP 18 in Doha! Per Busshuttle werden alle Teilnehmer in ein noch ziemlich leeres Stadtentwicklungsgebiet am Rande gefahren, wo außerdem noch eine Universität untergekommen ist. Das Konferenzgebäude ist riesig und fast ganz neu. Die Kollegen witzeln schon, dass wir alle dünn und gestählt am Ende der 14 Tage sein werden - so lange sind manchmal die Wege zwischen den einzelnen Sälen und Meetingräumen.

Katars Vizepremier Abdullah bin Hamad Al-Attiyah bei der Eröffnung der Konferenz © Sallie Shatz

Im Pressezentrum ist noch fast nichts los; die meisten reisen wohl erst zum Ende der Woche an. Wir nutzen die Zeit, Überblick zu gewinnen, sowohl von den Räumlichkeiten als auch von den ganzen so genannten Side Events - Zusatzveranstaltungen, in denen einzelne Organisationen, häufig NGOs oder Länder noch mal zu bestimmten Inhalten informieren oder neue Studien vorstellen. Der morgige Tag zum Beispiel steht unter dem Thema Klima & Gender und sogar die Chefin des UNO-Klimasekretariats, Christiana Figueres, wird auf einem Side Event dazu sprechen.

Den Auftakt heute machte die Eröffnungskonferenz mit dem Vizepremier des Golfstaates, Abdullah bin Hamad Al-Attiyah. Das meiste ist freundlich und eher unverbindlich, was an so einem ersten Tag geäußert wird. Unsere Kollegen, die zu Klimafinanzierung arbeiten, horchen auf, dass die Entwicklungsländer in ihren Reden das Thema immer mal wieder ansprechen. Könnte es sein, dass die Finanzierungsthemen in Doha nicht in eine Arbeitsgruppe gegeben werden, sondern direkt in der Hauptverhandlungen besprochen werden? Das wäre eine gewisse Aufwertung.

Erste ansatzweise positive Nachricht von Tag 1 in Doha: Australien hat seine neuen Emissionsminderungsziele für die zweite Phase des Kyoto-Protokolls offiziell verkündet. 5 Prozent weniger bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2000 sollen es werden. Das klingt ja erst mal nicht so gut.

Aber, so erklärt es mir mein australischer Kollege, ist da noch Luft nach oben. Die fünf Prozent sind bindend, aber eigentlich würde Australien bis zu 25 Prozent Minderung anstreben. Nur so schwarz auf weiß im Protokoll soll das bitte nicht stehen. Denn dann wäre man ja bei Nicht-Erreichen quasi haftbar. Daher also die fünf Prozent und jede Menge Arbeit für den WWF und andere NGOs, daraus mehr zu machen. Denn um die globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Industrieländer mindestens 25 bis 40 Prozent ihrer Treibhausgase bis 2020 reduzieren.

Unsere Kollegen vom Climate Action Network (CAN) loben auf Klimakonferenzen jeden Tag den "Fossil of the Day"-Award aus. Ein Preis, mit dem der größte Bremser des Tages beschämt werden soll. So auch heute. Er geht diesmal gleich an eine ganze Staatengruppe: Die USA, Kanada, Russland, Japan und Neuseeland werden ausgezeichnet, da sie jede Art von Verbindlichkeit bei den Klimaverhandlungen scheuen. Gemeint ist hier speziell das Kyoto-Protokoll.

Die USA, die ja sowieso gar nicht erst mitmachen, wollen noch nicht einmal vergleichbare Messstandards bei der Emissionsreduktion nutzen, damit ihre freiwilligen Klimaschutzbemühungen nicht mal so eben mit denen von anderen Ländern verglichen werden können.

Die anderen Länder sind entweder bereits wieder aus dem Kyoto-Protokoll ausgestiegen und/oder wollen zukünftig sich nicht weiter verpflichten. Die Auszeichnung läutet zugleich das Ende von Konferenztag 1 ein - Zeit, für eine kleine Erfrischung auf dem Eröffnungsempfang. Mal sehen, ob hier auch Alkohol ausgeschenkt wird, der in Doha ja eher Mangelware ist.

 

Dieser Blog erscheint auf natur.de als Gastbeitrag.

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