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Was machen NGOs auf den Weltklimaverhandlungen?

30. November 2012

Blog von der UN-Klimakonferenz, Teil V: Was machen NGOs ganz konkret auf den Weltklimaverhandlungen?

Als Vertreter der Zivilgesellschaft haben sie die Aufgabe deren Meinung gegenüber der Politik und den Medien zu vertreten, zu erklären was bei der Klimakonferenz verhandelt wird und dafür zu sorgen, dass die Delegierten nicht vergessen worum es geht: das Klima zu schützen! Hier in Doha sind gibt es drei Hauptgruppen: die Umwelt/Naturschutz/Entwicklungshilfe-NGOs, die Jugend-Gruppen (wie das Arab Youth Movement) und Wirtschaftsverbände wie zum Beispiel die Internationale Handelskammer. In den Sitzungen treten alle NGOs immer als Teil einer dieser drei Gruppen auf.

Doha © Sallie Shatz / flickr via CC
Doha © Sallie Shatz / flickr via CC

Die Umwelt-NGOs werden dabei größtenteils durch CAN – das Climate Action Network – repräsentiert, in dem mehr als 700 NGOs vertreten sind. Sie sehen sich jeden Tag um 14 Uhr, um sich zur Hauptlinie ihrer Themen und Argumente abzustimmen. Vorher und nachher treffen sich Untergruppen, die die Positionen zu den jeweiligen Unterverhandlungssträngen festlegen.

 

Wenn im Rahmen der Klimaverhandlungen Sprechzeit an die NGOs gegeben wird, hat je nach Session entweder nur eine dieser drei Hauptgruppen Rederecht oder je ein Vertreter jeder Gruppe. Innerhalb der Gruppen wird vorab festgelegt, wer in der jeweiligen Sitzung das Rederecht wahrnimmt und natürlich wird möglichst versucht, vielen eine Chance zu geben. Der größte Teil der Lobby-Arbeit findet aber daher außerhalb der Verhandlungsräume statt.

 

In sogenannten „Bilaterals“ diskutieren NGO-Vertreter mit Länderdelegierten in Einzelgesprächen ihre Positionen. Bei welchem Thema darf man vielleicht nachsichtiger sein, um sich bei etwas anderem durchzusetzen. Welche Länder vertreten ähnliche Ziele, mit denen man gemeinsam arbeiten kann? Manche Länder laden auch zum Großtreffen mit allen NGOs ihres Landes ein, um dort Argumente und Strategien auszutauschen. Natürlich laufen sich Delegierte und NGO-Teilnehmer auch immer wieder spontan im Konferenzcenter über den Weg – an der Kaffeebar, im arabischen Zelt-Restaurant, beim Rauchen.

 

Der typische Tagesverlauf eines WWFlers sieht ungefähr wie folgt aus:

 

In einem Morgenmeeting gegen 7.30 Uhr werden die Sitzungen des Tages vergeben, mindestens ein bis zwei WWFler sind in jeder der verschiedenen Verhandlungsstränge (z. B. REDD+, Emissionsminderung, Klimaanpassung, Finanzierung etc.) -  wenn diese öffentlich sind - und schreiben für alle Notizen mit. Außerdem werden auf dem Morgenmeeting die Hauptthemen des Tages festgelegt – worüber wollen wir mit den Delegierten sprechen, welche Argumente wollen wir besonders herausstellen. Gibt es Themen, die besonders wichtig und dringend sind? Dann geht’s per Bus los zum Konferenzcenter. Dort schwirren alle aus. Am frühen Nachmittag trifft man sich bei CAN. Zwischendurch vereinbart man bilaterale Gespräche und stimmt sich mit anderen WWFlern wieder ab.

 

Und dann finden auch noch sogenannte Side Events statt: Zusätzliche Veranstaltungen von Ländern oder NGOs, die zu bestimmten Themen informieren wollen. Dann am Ende des Tages, gegen 18-19 Uhr gibt es dann wieder ein WWF-Gesamttreffen, diesmal im Konferenzcentrum. Dort tragen alle aus ihren jeweiligen Meetings die wichtigsten Ergebnisse vor und wieder wird ausgewertet und diskutiert, wie es nun weiter gehen soll. Gegen 20-21 Uhr geht’s zum Hotel. Und auch dort ist noch nicht für alle Schluss – eine kleine Strategietruppe erarbeitet aus den Gesprächen die Kernbotschaften für den nächsten Tag, die nächsten Tage. Andere verfassen noch Positionspapiere, um den Delegationen auch schriftlich die WWF Meinung zumailen zu können.

 

Man kann also sagen, die Tage sind recht lang und werden wohl, wenn in der zweiten Woche Ministerpräsidenten und weitere hochrangige Politiker anreisen, noch länger werden.

 

Dieser Blog erscheint auf natur.de als Gastbeitrag.

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