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Stand: 23.10.2014

Klimaschutz? Später bitte…

Die europäischen Regierungschefs wollen in Brüssel neue Klimaziele für die Zeit nach 2020 vereinbaren. Europa könnte seine historische Chance dabei verspielen. Ein Kommentar von WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpre.

Klimapolitik in Brüssel © Getty Images
Klimapolitik in Brüssel © Getty Images

In dieser Woche fallen zentrale Entscheidungen in der Energie- und Klimaschutzpolitik. Die Europäische Union ringt Ende Oktober in Brüssel um eine Minderung der Treibhausgasemissionen von 40 Prozent bis 2030. Die Erneuerbaren Energien sollen auf einen Anteil von 27 Prozent gesteigert werden. Bei der Energieeffizienz soll ein freiwilliges Ziel von 30 Prozent benannt worden.

WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpre © Bernd Lammel / WWF
WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpre © Bernd Lammel / WWF

Deutlich zu wenig

Das ist völlig inakzeptabel. 40 Prozent sind deutlich zu wenig, um eine Minderung der Treibhausgasemissionen von 80 bis 95 Prozent bis 2050 (auf Basis der Emissionen von 1990) zu erreichen. Man muss kein Experte sein, um zu verstehen: Die EU will zwischen 1990 und 2030 nur eine Minderung von 40 Prozent erfüllen, also in 40 Jahren - und soll dann die restliche Minderung von 40-55 Prozent zwischen 2030 und 2050 erreicht werden - in nur 20 Jahren?

Dafür müsste jetzt gehandelt werden. Ab wann fangen wir eigentlich wirklich an, Emissionen einzusparen, wenn nicht jetzt?

Europa verlässt den Weg ambitionierter Klimapolitik

Geringerer Ausbau der regenerativen Energie, zu wenig Effizienzsteigerung: Europa verlässt mit den Brüsseler Entschlüssen den Weg ambitionierter Klimapolitik - zugunsten von Geschachere. Gerade viele osteuropäische Staaten sperren sich aus Angst um ihre Kohlewirtschaft gegen jede neue Verpflichtung. Frankreich, immerhin Gastgeber der nächsten Klimakonferenz COP 2015, will weiterhin auf Atomkraft setzen. Großbritannien ebenso.

Wirkungsvolle Maßnahmen wie die Wiederbelebung des zurzeit nicht funktionsfähigen EU-Emissionshandels werden in Brüssel nicht ernsthaft diskutiert – dabei ist ein funktionierender Emissionshandel die Grundvoraussetzung für wirkliche CO2-Minderung in der Industrie und im Stromsektor. Das betrifft 12.000 Anlagen in Europa.

Die Forderungen des WWF sind klar:

  • Eine Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2030 von mindestens 55 Prozent
  • Einen Anteil von 45 Prozent erneuerbarer Energien am Energieverbrauch
  • Die Senkung des Energieverbrauchs um 40 Prozent

Schwache Vorgaben auf europäischer Ebene setzen auch die deutsche Energiewende aufs Spiel. Deutschland hat ein 40 Prozent Minderungsziel bis 2020 beschlossen, das aufgrund des unwirksamen Emissionshandels unter Gefahr steht. Deshalb wird die Bundesregierung im November ein umfangreiches Paket mit wegweisenden Klimaentscheidungen im Kabinett verabschieden – und je schwächer die EU-Klimapolitik ausfällt, desto schwieriger ist es für Deutschland, diese Ziele zu erreichen. Unsere konkreten Forderungen zu dem Klimaschutz-Aktionsplan des Umweltministeriums sind detailliert nachzulesen.

Deutschland muss vorangehen

Deutschland muss weiter Vorreiter sein: Nach wie vor schauen alle auf das Beispiel des bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Landes der EU. Wenn Deutschland die Energiewende schafft, ohne Kohle und Atom, dann können es alle Länder schaffen. Das fängt mit Europa an. Das EU Klimapaket wird weit über Europa hinaus Ausstrahlungskraft entwickeln, gerade wenn sich die Welt nächstes Jahr in Paris auf verbindliche Klimaziele einschwören möchte. Es wäre fatal, wenn die EU jetzt einknickt.

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