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Stand: 20.07.2016

Die Rolle der Finanzmärkte für den Klimaschutz

Der Finanzmarkt ist lebenswichtig für die Funktionsfähigkeit unserer Wirtschaft. Über vielfältige Rollen organisiert er Mittelausstattung und Kapitalzugang für Unternehmen neben deren cash-flow aus eigenen Einnahmen. Dabei übernimmt er eine wichtige Rolle - Risiken in Geschäftsmodellen oder z.B. Projekte weist er einen entsprechenden Preis zu.

Klimaschutz und Finanzmärkte © iStock / Getty Images
Klimaschutz und Finanzmärkte © iStock / Getty Images

Die Herausforderung des Übergangs in eine emissionsarme Zukunft stellt Risiken und Chancen da, ist heute jedoch leider weder ausreichend verstanden, konzeptionell und instrumentell umgesetzt oder in die gängigen Geschäftsprozesse integriert. Diese harsche Aussage gilt für weite Teile des Finanzmarkts, also Banken oder Investoren, für die Gestaltung von Versicherungsprodukten oder für Intermediäre wie Investmentconsultants, Rating-Agenturen oder Informationsanbieter. Die entscheidenden Fragen sind formuliert und Initiativen wie die UNEP FI, UN PRI oder einzelne Investorengruppen entwickeln Lösungsansätze. Leider stehen hinter diesen Aktivitäten zu häufig noch lediglich die Nachhaltigkeitsabteilungen der beteiligten Häuser.

 

Dabei liefern immer mehr Studien, Analysen und Abschätzungen deutlich gleiche Ergebnisse: egal in welche „Klimazukunft“ wir gehen, heutige Praktiken auf der Finanzseite müssen sich anpassen. Eine systematische Analyse und Übersetzung der Herausforderungen der Realwirtschaft auf das eigene Geschäftsmodell ist für Finanzmarktakteure sowohl im Fall erfolgreicher Begrenzung auf unter zwei Grad Erwärmung, als auch für den Fall des Scheiterns an der zwei-Grad Schwelle erforderlich. Letzteres wird durch Klimawandelfolgeschäden, erstere durch den erfolgreichen Umbau unserer Wirtschaftsweisen gekennzeichnet sein - sie bringen jeweils ganz unterschiedliche Herausforderungen mit sich.

Kreditvergaben an Klimafreundlichkeit orientieren

Kreditvergabe an Klimafreundlichkeit orientieren © tntemerson / Thinkstock
Kreditvergabe an Klimafreundlichkeit orientieren © tntemerson / Thinkstock

In der aktuellen öffentlichen Diskussion finden sich wenige „Lösungsansätze“ verfolgt. Ein solcher Ansatz im Bereich von Aktieninvestments ist ein „Divestment“-Aufruf, also der Verkauf von Aktien bestimmter Unternehmen. Gerade Divestment aus Bestandsaktien führt jedoch nur zur Änderung der Aktionärsstruktur – die Kapitalverfügbarkeit für klimaschädliche Investitionen wird nicht wesentlich verringert. Divestment im übertragenen Sinn kann sehr viel wirkungsvoller im Bereich der direkten Kapitalüberlassung, also z.B. bei Anleihekäufen im Rahmen einer Neuemission, sein. Hier würde Kapitalzugang verwehrt oder dieser an Bedingungen geknüpft. Überlegungen, z.B. einen Climate Bond Markt auf Basis eindeutiger und transparenter Kriterien und deren Erfüllung zu etablieren sind dementsprechend sehr interessant.

 

In Erfüllung Ihrer Aufsichts- und Fürsorgepflichten als Treuhänder anvertrauten Vermögens von Sparern, Privatanlegern, Versicherungskunden und Pensionären haben Finanzinstitute jeden Grund dafür zu sorgen, Kapitalvergabe an den Anforderungen der Dekarbonisierung und der Minimierung von physischen Klimarisiken in Portfolien zu orientieren. Institutionelle Investoren müssen ihre Eigentümerrolle auf Hauptversammlungen und im kontinuierlichen Austausch mit der Unternehmensführung wahrnehmen und eine angemessene Übergangsstrategie vom Unternehmen einfordern.

 

Eine Anpassung von Prozessen muss im Kerngeschäft des Finanzinstituts geschehen. „Grüne“ Anlageprodukte alleine helfen nicht „at scale“, Risiken zu mindern, wenn weiterhin „falsch bewertete“ emissionsintensive Portfolien bestehen.

In aller Kürze zusammengefasst: Auf den Prüfstand müssen

  • der Kreditvergabeprozess und die Projektfinanzierung auf Bankenseite,
  • die Fragen der Unternehmensbewertung in der Analyse und dem Brokerage,
  • die Formulierung von angemessenen Risikobewertungen in Wertpapierprospekten im Investment Banking,
  • der Investmentprozess von der Asset Allocation über die Portfolio-Konstruktion und das individuelle Investment in alternative Anlageklassen,
  • die Prüfung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Anleihen durch Rating-Agenturen,
  • und die Investment-Beratung der zentralen Investment-Consultants für Pensionsfonds.
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