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„Weiße Zertifikate“: Energiesparen, aber wie?

Kann man durch die Einführung eines Einsparquotensystems die Energieeffizienz steigern? Der WWF und die KfW veröffentlichen eine neue Studie zu Vor- und Nachteilen eines Energieeinsparquotensystems – und der WWF meint: Ja. Aber richtig.

© Kevin Schäfer / WWF

Energieeinsparquotensystem ist fraglos ein Wortmonster, das Prinzip ist aber eigentlich einfach: Energieversorger bekommen Einsparziele festgeschrieben. Dafür gibt es Zertifikate. Wer seine Sparziele übertrifft, darf mit den Zertifikaten handeln - und damit Geld verdienen. Die neue Studie von WWF und KfW analysiert nun genau, wie ein deutsches Energieeinsparquotensystem aussehen könnte. Dazu werden Vor- und Nachteile der bestehenden, allerdings sehr unterschiedlichen Energieeinsparquotensysteme in Frankreich, Italien, Dänemark und Großbritannien ausgewertet. Die Studie soll bei der Entscheidung helfen, ob und wie ein Einsparquotensystem in Deutschland eingeführt werden sollte. Hintergrund sind Vorgaben aus Brüssel, im Rahmen der EU-Energieeffizienzrichtlinie ein Einsparquotensystem vorzuschreiben.  

Die Studienautoren vom Öko-Institut e.V. und dem Fraunhofer ISI schlagen dazu vor, den Energieversorgern vorzuschreiben, jährlich eine festgelegte Menge Strom, Gas oder Heizöl einzusparen. Diese Einsparungen können die verpflichteten Unternehmen bei sich selbst oder ihren Kunden erreichen - etwa durch Anreize zum Kauf hocheffizienter Geräte oder Heiztechnik oder den Austausch alter Fenster. Die erzielten Einsparungen könnten mittels sogenannter „Weißer Zertifikate“ dokumentiert werden. Für Energieeinsparungen werden entsprechende Zertifikate ausgegeben, die entweder zur Erfüllung der eigenen Verpflichtung verwendet oder verkauft werden könnten – Energiesparen würde sich für Unternehmen also tatsächlich lohnen.  

„In Deutschland ist der Energieverbrauch in den letzten Jahren leicht gesunken. Das ist positiv, aber leider viel zu wenig“, Tobias Krug, WWF-Experte für Energieeffizienz. © David Biene / WWF

Am Handel mit den „Weißen Zertifikaten“ sollen aber nicht nur die verpflichteten Energieversorger, sondern auch beispielsweise Handwerksbetriebe oder Energieeffizienz-Dienstleister teilnehmen können. Den verpflichteten Energieversorgern stünde es somit frei, die Energieeinsparungen selbst umzusetzen oder „Weiße Zertifikaten“ zu kaufen, falls sie selbst nicht genügend Einsparungen nachweisen können. Für Handwerksbetriebe oder Effizienz-Dienstleister könnte so ein lukratives Geschäftsmodell entstehen.  

„In Deutschland ist der Energieverbrauch in den letzten Jahren leicht gesunken. Das ist positiv, aber leider viel zu wenig“, sagt Tobias Krug, Experte für Energieeffizienz beim WWF Deutschland. „Dieser Trend kann mit einem Effizienzverpflichtungssystem gezielt verstärkt werden. Bis 2050 wollen wir den Gesamt-Energieverbrauch Deutschlands um die Hälfte senken, dafür müssen wir aber noch einiges tun. Die Einführung eines Effizienzverpflichtungssystems wäre ein Anfang.“  

Der Teufel steckt aber natürlich im Detail – und so umfasst die Studie auch satte 131 Seiten. Verwaltung, Ablauf, Finanzierung, Einsparmengen – alles muss erarbeitet und natürlich auch politisch durchgesetzt werden. Klar ist der Studie zufolge: Voraussetzung für funktionierende Energieeinsparquoten ist ein intensiver Wettbewerb zwischen den verpflichteten Unternehmen. Nur dann haben diese einen Anreiz, die kostengünstigsten Einsparpotenziale zu erkennen und durchzuführen. Und natürlich muss geklärt werden, wer die Finanzierung der durchgeführten Einsparmaßnahmen übernimmt.  

Ein funktionierendes Energieeinsparquotensystem würde sich auf jeden Fall lohnen: Schließlich ist die drastische Steigerung der Energieeffizienz einer der zentralen Eckpfeiler der deutschen Energiewende. Die bisherigen Fortschritte sind aber – gemessen an den hohen Einsparpotenzialen – bislang gering. Auch im europäischen Ausland sind die Resultate mager.  

„Die Energieeffizienz spielt immer noch eine stiefmütterliche Rolle“, analysiert WWF-Energieexperte Krug. „Das halte ich für falsch. Ihre Bedeutung für ein Gelingen der Energiewende ist ebenso groß wie der Ausbau der erneuerbaren Energien.“    

Am 13. Juni einigten sich der Europäische Rat, das EU-Parlament und die Kommission auf den Entwurf einer neuen Energieeffizienz-Richtlinie. Kernstück des Richtlinienentwurfs ist die Einführung eines sogenannten Effizienzverpflichtungssystems in allen Mitgliedstaaten. Energieversorger und –händler werden darin verpflichtet, ihren Energieabsatz jährlich um 1,5 Prozent zu reduzieren. In anderen EU-Mitgliedstaaten wurden solche Systeme bereits vor Jahren eingeführt. Die Mitgliedstaaten können allerdings auch durch von der Kommission zu genehmigende alternative Instrumente die geforderten Energieeinsparungen sicherstellen. Bislang ist offen, wie die Bundesregierung die Vorgaben aus Brüssel umsetzen will.

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