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Stand: 30.03.2015

Ernährung

Es gibt viele Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz, den Umweltschutz und die Artenvielfalt einzusetzen. Weniger Auto fahren, sich für energiesparende Elektrogeräte entscheiden, keine Möbel aus Tropenhölzern kaufen, die Ausweisung von Naturschutzgebieten unterstützen und vieles mehr. Eine alltägliche und dabei sehr effiziente Möglichkeit, sich für den Umwelt- und Naturschutz einzusetzen, wird oft übersehen. Und dabei ist sie auch noch gesund. Denn die Art und Weise, wie wir uns ernähren, hat erhebliche Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch. Nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit.

Augen auf beim Einkauf © agrarfoto.com / WWF
Augen auf beim Einkauf © agrarfoto.com / WWF

Was hat unser Essen in Deutschland mit dem WWF zu tun?

Der WWF hat die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen unter die Lupe genommen, um folgenden Fragen nachzugehen:

  • Welcher Zusammenhang besteht zwischen unserer täglichen Ernährung und Landnutzungsänderungen in Deutschland und anderswo in der Welt?
  • In welchem Maße tragen wir mit unseren Ernährungsgewohnheiten zum weltweiten Ressourcenverbrauch und dem Klimawandel bei?
  • In welchem Maße tragen wir durch unsere alltägliche Ernährung zur Zerstörung von natürlichen und für den Artenschutz bedeutsamen Lebensräumen bei?
  • Welchen Anteil daran hat unser verschwenderischer Umgang mit Lebensmitteln?

Unser Essen wiegt schwer

Fazit ist: Bis zu einem Drittel der natürlichen Ressourcen, die wir weltweit benötigen, verbrauchen wir für unsere Ernährung – von der landwirtschaftlichen Produktion über den Transport, die Lagerung, die Verarbeitung und Verpackung, den Handel - bis hin zum Verzehr und der Entsorgung der Verpackung.

Für jeden einzelnen mag es unerheblich erscheinen, für welches Essen er sich entscheidet, in der Gesamtheit hinterlassen unsere aktuellen Ernährungsgewohnheiten tiefe Fußspuren:

  • Deutschland verfügt über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von ungefähr 17 Millionen Hektar. Um unserer Nachfrage nachzukommen, werden nochmals über fünf Millionen Hektar im Ausland in Anspruch genommen (sogenannter Flächenimport). Davon liegt fast die Hälfte in Südamerika.
  • Tierische Produkte sind mit einem besonders hohen Ressourcenverbrauch verbunden. Ihr Anteil an unserem ernährungsbedingten Flächen-Fußabdruck summiert sich fast auf 70 Prozent (ca. 14 Mio. Hektar).
  • Ölsaaten dominieren den Flächenimport, allen voran Soja mit fast zwei Mio. Hektar. Aber auch andere Ölsaaten wie Raps oder Palmöl tragen zum Flächenimport bei. Neben der Nutzung als Tierfutter spielt hier auch der wachsende Bioenergiesektor eine große Bedeutung.
  • Jede zusätzliche Nachfrage erhöht den Druck auf die Flächen. Die Ausdehnung von Acker- und Weideland ist häufig mit der Zerstörung von einmaligen und für die Biodiversität sehr wichtigen Lebensräumen verbunden.
  • Jedes Lebensmittel muss erzeugt werden und verursacht entlang dieser Prozesskette Treibhausgas-Emissionen. Zählt man alle diese Emissionen zusammen, ist unsere Ernährung mit knapp 161 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente verbunden. Dies ist mehr als aus Industrieprozessen. Davon gehen wiederum fast 70 Prozent auf den Konsum von tierischen Produkten zurück.
  • Landnutzungsänderungen erhöhen den Anteil an Treibhausgas-Emissionen nochmals erheblich. Dazu gehören Umbrüche von Grünland für die Ackernutzung genauso wie die Rodung von Regenwald zur Schaffung von Weide- oder Ackerland.
  • Für die Herstellung jeden Lebensmittels wird Wasser benötigt, verbraucht oder verschmutzt. In Deutschland stellt vor allem die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrate ein ungelöstes bzw. wieder steigendes Problem dar, was lokal große Auswirkungen auf unsere Trinkwasserqualität haben kann.
Braunkehlchen © iStock / Getty Images
Braunkehlchen © iStock / Getty Images

Ob Ameisenbär in der tropischen Savanne oder Braunkehlchen in Mecklenburg: Ob diese in Zukunft noch ausreichend Lebensräume finden, hängt im Wesentlichen auch davon ab, wie wir uns zukünftig ernähren werden. Gegenwärtig ist ein Artensterben in beispiellosem Tempo festzustellen; auch in Deutschland. Über die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt und prägt damit in vielfältiger Weise den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Die Intensivierung der Bewirtschaftungsmethoden hat jedoch in den vergangenen Jahrzehnten den Verlust an Lebensräumen und Arten stark beschleunigt. So gelten beispielsweise die Vögel der Agrarlandschaft als überdurchschnittlich stark gefährdet. Rebhuhn, Wiesenpieper, Braunkehlchen oder Feldlerche sind nur noch selten zu hören. Acker-Rittersporn, Sand-Mohn oder Kornrade, früher typische Bewohner von Getreidefeldern, gelten als gefährdet. Gleiches gilt für Pflanzenarten der Wiesen und Weiden. Damit verbunden ist der starke Rückgang vieler Schmetterlingsarten. Ein besonders hohes Potenzial, die Artenvielfalt wieder in die landwirtschaftlichen Flächen zu integrieren, bietet hier der Ökologische Landbau.

Minimale Änderungen unserer Ernährungsgewohnheiten führen zu großen Effekten

  • Der Mehrverbrauch von Lebensmitteln von 2009 zu 2010 von etwa 10 Kilo pro Person und Jahr führte zu einer Erhöhung des Flächenbedarfs zur Erzeugung der zusätzlich nachgefragten Nahrungsmittel um ca. 215.000 Hektar.
  • Da Deutschland seine landwirtschaftliche Nutzfläche nicht mehr ausdehnen kann, werden diese Flächen im Ausland in Anspruch genommen. Allein 37.000 Hektar davon liegen in Südamerika.
  • Über Landnutzungsänderungen werden Emissionen in Höhe von etwa 40 Mio. Tonnen CO2. Das entspricht der Hälfte der Treibhausgas-Emissionen Österreichs in 2009.

Jeder Bissen zählt:

Würden alle Deutschen sich nach den ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen ernähren, dann:

  • würden 1,8 Millionen Hektar Fläche weniger benötigt. Umgerechnet sind dies etwa 1,8 Millionen Fußballfelder. 700.000 Hektar würden allein in Südamerika frei.
  • könnten insgesamt 27 Millionen Tonnen an Treibhausgasen eingespart. Für eine vierköpfige Familie umgerechnet hieße dies, auf eine 11.000 Kilometer lange Autofahrt pro Jahr zu verzichten, um gleich hohe Einsparungen an CO2 erreichen zu können.

Jeder Schritt Richtung einer gesünderen Ernährung ist von Bedeutung und kann einen Beitrag zum Schutz unserer Ressourcen, des Klimas und von einmaligen Lebensräumen leisten. Statt Werktagsbraten wieder Sonntagsbraten und am besten ein Braten aus artgerechter und ökologischer Tierhaltung, denn Soja aus Südamerika kommt dort nicht in die Futtertröge.

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