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Stand: 08.05.2015

Der Appetit auf Fleisch und seine Folgen

Weltweit wächst der Appetit auf Fleisch. Seit Anfang der 1960er Jahre hat sich der weltweite Fleischverzehr mehr als vervierfacht. Doch die Erzeugung von Fleisch hat enorme Auswirkungen auf Klima, Flächenverbrauch, Artenvielfalt, Böden und Gewässer. Und auch mit Blick auf die zukünftige Welternährung stellt sich die Frage, wie viel Fleisch wir uns in Zukunft noch erlauben können.

© Ma?gorzata Cyrnia / WWF
© Ma?gorzata Cyrnia / WWF

Fleisch frisst Land. Natürliche Lebensräume in Gefahr.

Laut FAO werden derzeit weltweit mehr als 19 Milliarden Hühner, 1,4 Milliarden Rinder und jeweils eine Milliarde Schweine und Schafe gehalten. Diese Tiere benötigen Fläche und Futter. Von den ungefähr fünf Milliarden Hektar weltweit verfügbarer landwirtschaftlicher Nutzfläche werden etwa 80 Prozent in Form von Weide oder Ackerland allein für die Tierhaltung in Anspruch genommen. Und es wird immer mehr Land benötigt - mit gravierenden Auswirkungen auf natürliche Lebensräume. So sind zum Beispiel 60 bis 75 Prozent der neu gerodeten Flächen im Amazonasgebiet auf die Schaffung von Weideland zurückzuführen. In Deutschland werden etwa 17 Millionen Hektar Fläche landwirtschaftlich genutzt und auf maximalen Ertrag getrimmt. Das ist fast die Hälfte des gesamten Landes. Und doch reicht uns das nicht: Eine Fläche so groß wie Bayern „importieren“ wir aus anderen Ländern.

Zunehmende Nachfrage nach Soja zerstört Lebensräume.

Den größten Flächenanteil brauchen nicht die Tiere selbst, sondern ihr Futter. In der Intensivtierhaltung wird die Eiweißversorgung mit hochwertigen Importfuttermitteln gesichert – vor allem mit Soja aus Südamerika. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Soja als Futtermittel stark an und entsprechend fand auch eine enorme Ausweitung der Soja-Anbauflächen statt. Millionen Hektar einmaliger Lebensräume sind durch den Soja-Anbau in den letzten Jahren vernichtet worden, was zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt in den entsprechenden Regionen führte. Damit nicht genug, benötigt die meist in Monokulturen angebaute Soja auch Unmengen an Pestiziden.

Fleischkonsum heizt das Klima an.

Ökologische Gründe sprechen für einen bewussten Fleischgenuss: Meist landet gentechnisch verändertes Soja aus Monokulturen in den Futtertrögen von Schweinen © Landesanstalt für Landwirtschaft Hessen
Ökologische Gründe sprechen für einen bewussten Fleischgenuss: Meist landet gentechnisch verändertes Soja aus Monokulturen in den Futtertrögen von Schweinen © Landesanstalt für Landwirtschaft Hessen

Immer tiefer fressen sich die Sojafelder in die Regenwälder Südamerikas – und beeinflussen damit auch unser Klima. Denn stirbt die ursprüngliche Vegetation ab, wird gespeicherter Kohlenstoff frei. Mit Sauerstoff verbunden, wandelt dieser sich zum Klimagas CO2. Ein Vergleich zeigt deutlich, dass tierische Lebensmittel wie Fleisch, Käse oder Butter erheblich mehr Emissionen verursachen als pflanzliche Lebensmittel. Fast ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch die Rodung von Flächen für die Viehwirtschaft verursacht.

 

Fleisch und Welternährung

Weiden und Futtermittel belegen oft Flächen, die für die Ernährung der Weltbevölkerung fehlen. Allein 35 Prozent des weltweit angebauten Getreides ist inzwischen für die Tierhaltung bestimmt. In Deutschland sind es im Schnitt sogar über 60 Prozent. Die vorhandene Ackerfläche ist jedoch endlich und sie wird nicht ausreichen, wenn die Nachfrage nach Fleisch weiterhin wächst. Wir könnten viel mehr Menschen mit Getreideerzeugnissen ernähren, würden wir diese nicht massenhaft an die Tiere verfüttern, die wir essen.

Auswirkungen der Tierhaltung in Deutschland

Auch in Deutschland sind die Folgen der intensiven Nutztierhaltung spürbar. Was an die Tiere in der Intensivtierhaltung verfüttert wird, drängt massenhaft wieder nach draußen: Tierische Ausscheidungen enthalten Nährstoffe, insbesondere Stickstoff und Phosphor. Dazu kommen Rückstände der in der Mast eingesetzten Medikamente. Das alles wird auf die Felder ausgebracht und sickert dort in Gewässer und Grundwasser. Nicht zuletzt ist für die Tiere in der Intensivtierhaltung das Leben alles andere als tiergerecht.

Was tut der WWF?

Der durch Agrarprodukte verursachte ökologische Fußabdruck ist viel zu groß - mit fatalen Konsequenzen für die Ökosysteme. Um die negativen, ökologischen Auswirkungen des Fleischkonsums zu mindern, arbeitet der WWF intensiv an drei Bereichen:

  • Änderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise
    Die konventionelle Landwirtschaft muss sich verändern und die ökologische Landwirtschaft gestärkt werden. Dabei können Zertifizierungssysteme helfen, aber auch der Verbraucher hat einen maßgeblichen Einfluss.
  • Vermeidung von Verlusten und Abfällen
    Ein Viertel aller Lebensmittel in Deutschland wird weggeworfen, davon 6,6 Millionen Tonnen von uns Verbrauchern. Mit dieser gigantischen Verschwendung muss Schluss sein.
  • Umstellung von Ernährungsmustern
    Das Motto sollte lauten: Tu dir und der Natur was Gutes - iss weniger und dafür besseres Fleisch. Statt „Werktagsbraten“ wieder „Sonntagsbraten“. Empfehlenswert sind Produkte, die nach den Kriterien des EU-Biosiegels und der Bio-Anbauverbände hergestellt wurden und Wildfleisch aus nachhaltiger Jagd.

Kurzfilm "WASTE" - gegen den Wahnsinn der Nahrungsmittelverschwedung

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