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Stand: 15.05.2015

Fleischgenuss mit Folgen: Wie isst man besser?

In Deutschland wird zu viel Fleisch gegessen. Das hat Folgen für die Tiere, unsere Gesundheit und sogar das Klima. Unser Fleischkonsum frisst außerdem wichtige Ressourcen, vor allem Land und wertvolle Wälder und Savannen. Doch es gibt einen Ausweg – auch ohne ganz auf Fleisch zu verzichten.

Fleischgenuss mit Folgen © iStock / Getty Images
Fleischgenuss mit Folgen © iStock / Getty Images

Der Konsument hat es in der Hand: Wir entscheiden mit jeder Mahlzeit, wie die Lebensmittel produziert worden sind, wie viele Ressourcen dafür benötigt wurden und woher die Lebensmittel stammen. In einer globalisierten Welt hat die Art unserer Ernährung in fast allen Teilen der Erde ökologische Auswirkungen.

Weniger und besseres Fleisch

Fleisch ist ein wertvolles Lebensmittel, zu wertvoll um es tagtäglich zu essen. Unser enormer Bedarf nach Fleisch führt zur Intensivtierhaltung mit schwerwiegenden Folgen. „Wie viel und welches Fleisch wir kaufen, entscheidet zum Beispiel darüber, ob die Tiere in ihrem Leben überhaupt einmal das Tageslicht sehen und Auslauf haben – aber auch darüber, ob Pestizide für den Anbau von Futtermitteln eingesetzt werden und ob Lebensräume für die Futterpflanze Soja geopfert werden“, so Markus Wolter, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. Wir müssen unseren Fleischkonsum überdenken und reduzieren. Und wir müssen besseres Fleisch essen.

Sonntagsbraten statt Alltagsbraten

Wer nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte, sollte zumindest weniger Fleisch essen. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern auch für unsere eigene Gesundheit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, den aktuell ungesunden Fleischkonsum mindestens zu halbieren – und liegt damit auf einer Wellenlänge mit dem WWF: „Wenn wir in den ökologischen Grenzen unserer Erde bleiben wollen, sollten höchstens noch knapp drei Prozent unserer Nahrung aus Fleisch- und Wurstprodukten bestehen. Das sind etwa 300 Gramm pro Woche“, so Wolter.

Das bessere Fleisch: Bio versus konventionell

Besseres Fleisch kommt aus der Region, von Tieren aus tiergerechter Haltung und aus einer ressourcenschonenden Produktion. Doch wie nachhaltig ist Biofleisch wirklich? Wissenschaftler der Universität Halle haben 2014 eine Vielzahl unterschiedlicher Umweltauswirkungen mit denen der konventionellen Fleischproduktion verglichen - angefangen bei den Rohstoffen für die Futtermittel bis hin zu Transport, Verpackung und Zubereitung. Untersucht wurden zum Beispiel die Emissionen, der Wasserverbrauch, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Flächen- und Artenverluste. Die Ergebnisse der Untersuchung sind eindeutig: Egal ob Schwein, Rind oder Geflügel, Biofleisch schneidet in jedem Fall besser ab. Mit anderen Worten: Bio ist besser!

Bio fristet ein Nischendasein. Wir können mit unserem Einkauf dazu beitragen, dass sich das ändert.

Bio: Besser für die Tiere

Eine dreiviertel Milliarde Tiere sterben jedes Jahr in deutschen Schlachthöfen – die meisten davon nach einem kurzen, schmerzhaften Leben in der Intensivtierhaltung. „In der heutigen Intensivtierhaltung werden Schmerzen und Leid der Tiere einkalkuliert“, kritisiert Markus Wolter vom WWF. „Die Tiere werden den Haltungsbedingungen angepasst und nicht umgekehrt.“ Schweinen werden die Schwänze kupiert und die Zähne abgeschliffen. Legehennen stutzt man die Schnäbel, damit sie sich in den viel zu engen Ställen nicht gegenseitig verletzten. Das ist im ökologischen Landbau verboten. Biohöfe berücksichtigen die Bedürfnisse der Tiere und bemühen sich um eine tiergerechtere Haltung.

Wild- und Weidefleisch

Bio-Rinder © Markus Wolter
Bio-Rinder © Markus Wolter

Auch Wild- und Weidefleisch zählt zum besseren Fleisch, da es deutlich nachhaltiger ist als konventionelles – vor allem, wenn es aus Deutschland kommt und besser noch aus der eigenen Region. Weidefleisch stammt von Rindern, die bei guter Witterung auf der Weide grasen. Sie kommen überwiegend ohne Kraftfutter aus und brauchen nicht oder kaum mit Getreide gefüttert werden. Soja wird gar nicht  gefüttert, das braucht ein Rind nicht. Weideflächen können außerdem sehr artenreich sein und bei richtiger Bewirtschaftung erhebliche Mengen an Kohlenstoff speichern. „Weideflächen sind wichtig für unser Klima. Denn Weideland speichert mehr als ein Drittel allen Kohlenstoffs in den Ökosystemen unseres Festlandes“, erklärt Markus Wolter, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. Das Fleisch heimischer Wildtiere wie Reh, Hirsch, Wildschwein, Hase oder Ente kann dann eine Alternative zum Biofleisch sein, wenn es aus der Region stammt und nachhaltig gejagt worden ist.

Fleisch mit Biosiegel findet man mittlerweile immer öfter auch im Supermarkt. Auf diese Siegel kann man sich durchaus verlassen. Biofleisch darf sich nur nennen, was nach ökologischen Kriterien produziert wurde. Dennoch liegen den verschiedenen Siegeln unterschiedlich strenge Anforderungen zu Grunde. Der WWF empfiehlt bei Fleisch zum Beispiel Bioland, Naturland oder das EU-Biosiegel. Um dem Verbraucher die Wahl des richtigen Fleisches leichter zu machen, hat der WWF einen Einkaufsratgeber entwickelt: Einfach nachhaltiger genießen!

   
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