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Stand: 16.12.2014

Gans, Truthahn & Ente: Wie gut ist unser Festessen?

Stopflebermast, gentechnisch verändertes Tierfutter und verformte Knochen - was unser Weihnachtsbraten hinter sich hat, ist oft alles andere als appetitlich. Wer trotzdem nicht auf Geflügel verzichten möchte, sollte genau darauf achten, was er sich auf den Teller holt. Wie finde ich einen wirklich guten Braten? Auf was muss ich beim Kauf von Gans, Truthahn und Ente achten? Wo kaufe ich das beste Geflügel?

Gänse © iStock / Getty Images
Gänse © iStock / Getty Images

Was als saftiger Truthahnbraten auf der Weihnachtstafel landet, ist vorher oft unter schmerzlichen Bedingungen gemästet worden. Konventionelle Puten nehmen in knapp fünf Monaten bis zu 400 Prozent ihres Eigengewichtes zu. „Das hohe Gewicht verformt die Knochen und sorgt für Schmerzen bei jeder Bewegung“, erklärt Markus Wolter, Landwirtschaftsexperte beim WWF Deutschland. „Gibt man den Tieren Schmerzmittel, bewegen sie sich nachgewiesenermaßen mehr als ohne.“ In der konventionellen Tierhaltung haben außerdem fast alle Puten Fußprobleme, weil die Tiere im geschlossenen Stall ständig über ihre eigenen, feuchten Exkremente laufen.

Im Laufe seines Lebens verzehrt ein Deutscher durchschnittlich 46 Puten, 37 Enten und zwölf Gänse – viele davon an Weihnachten. Etwa 90 Prozent des Gänsefleisches werden in den beiden letzten Monaten des Jahres gekauft. Gänsekeule, Entenbrust und Truthahnbraten gelten als etwas Besonderes und kommen deshalb häufig als Festessen auf den Tisch.

WWF Vergleich Putenhaltung © WWF
WWF Vergleich Putenhaltung © WWFLupe

Bio-Puten können flüchten

Bio-Puten haben ein geringeres Schlachtgewicht. Das verhindert extreme Gelenk- und Fußprobleme. Mehr Auslauf ermöglicht den Tieren das Ausleben ihres arteigenen Verhaltens und stärkt ihr Immunsystem. Mehr Platz im Stall verhindert Stress und Krankheiten. In ihren Ställen finden die Tiere Ruhe- und Fluchtmöglichkeiten. So können sie ihre natürliche Hackordnung einhalten und sich tiergerecht verhalten.

 

Aber: Ökologische Putenzucht ist extrem schwierig

Im Bio-Bereich ist die Putenhaltung mit vielen Problemen behaftet. „Die vorhandenen Zuchtlinien des Geflügels benötigen Futter, das in der geforderten Qualität zumindest im Moment nicht erhältlich ist,“ sagt Markus Wolter vom WWF. Während der Aufzucht und Mast sterben nach wie vor sehr viele Tiere – zum Teil bis zu 30 Prozent. Einzelne Bio-Betriebe sind deshalb aus der ganzjährigen Putenmast ausgestiegen und bieten nur noch Puten zur Weihnachtszeit an.

Gänse aus Stopfleber-Produktion werden zu unserem Gänsebraten

WWF Vergleich Gänsehaltung © WWF
WWF Vergleich Gänsehaltung © WWFLupe

Die Gans wird schon seit Jahrtausenden als Nutztier gehalten und galt früher als das „Schaf des kleinen Mannes“. Doch während vor 50 Jahren Hausgänse noch häufig auf Bauernhöfen beheimatet waren und viel Auslauf auf saftigen Wiesen bekamen, hat sich dieses Bild in neuerer Zeit erheblich gewandelt. Von über 200.000 Gänsehaltern im Jahre 1950 sind kaum 7000 übriggeblieben. Ein Großteil unseres Bedarfs an Gänsefleisch wird heute importiert – vor allem aus Ungarn und Polen. Dort haben die Tiere ein kurzes und brutales Leben hinter sich. Sie werden in kleinen Käfigen gehalten, und können selten aufrecht stehen. Markus Wolter weist auf ein weiteres Problem hin: „Auch Gänse aus der Stopflebermast werden bei uns angeboten. Das wissen viele Verbraucher gar nicht.“

Gänsekeule und Entenbrust schaden wertvollen Wäldern und Savannen

In Deutschland genießen Gänse auch in konventionellen Betrieben meist Freilandhaltung. Sie werden jedoch – genau wie Enten – bereits nach acht bis zehn Wochen geschlachtet. Eine derart schnelle Mast ist nur möglich, wenn die Gänse und Enten mit Sojaschrot gefüttert werden. Das Sojafutter ist in der Regel gentechnisch verändert und wird hauptsächlich aus Lateinamerika importiert – hier muss die Natur riesigen Anbauflächen weichen. „Wer nicht will, dass sein Festtagsessen auf Kosten von Wäldern und Savannen in Südamerika geht, muss Bio-Geflügel kaufen,“ mahnt Markus Wolter.

WWF Vergleich Entenhaltung © WWF
WWF Vergleich Entenhaltung © WWFLupe

Enten baden gerne

Enten sind Wassertiere. In der konventionellen Haltung haben sie aber selten Zugang zu Wasserflächen. Die Enten werden in der Regel auf Drahtboden gehalten, Krallen und Schnäbel werden gekürzt. Das ist in der Bio-Tierhaltung verboten. Hier können die Tiere im Grünauslauf nach Futter suchen und finden Wasserstellen, in denen sie baden, gründeln und sich abkühlen können. Auch werden nur so viele Tiere gehalten, dass der Boden nicht überdüngt werden kann. 

 

Weniger aber besseres Fleisch

Der WWF rät zu einem bewussteren Fleischeinkauf und empfiehlt grundsätzlich Bio-Fleisch. Bio-Tiere leben im Schnitt mehr als doppelt so lang wie ihre Artgenossen aus der konventionellen Mast. Bio-Bauern achten auf eine tiergerechte Haltung und berücksichtigen die Bedürfnisse der Tiere. Für den Verbraucher besonders interessant: Im ökologischen Landbau gilt es, so wenig Medikamente wie möglich zu geben. Wenn diese doch notwendig sind, müssen homöopathische oder naturheilkundliche Methoden vorgezogen werden. Außerdem müssen Bio-Bauern die doppelte Wartezeit einhalten, wenn sie herkömmliche Medikamente verwendet haben, bis sie das tierische Produkt vermarkten dürfen.

Von Stephanie Probst und Markus Wolter

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