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Stand: 12.12.2013

Ochs und Esel auf der Roten Liste

Tiere, die dem Jesuskind vor 2000 Jahren an der Krippe Gesellschaft leisteten, finden in der modernen Landwirtschaft kaum noch Verwendung. Heute würden die Heiligen Drei Könige wohl nur noch Hochleistungsrinder im Stall antreffen.

Eselherde © iStock / Getty Images
Eselherde © iStock / Getty Images

Artenreichtum gibt es nicht nur im Regenwald und vom Aussterben bedroht sind nicht nur Tiger und Berggorilla. Schon lange, lange vor Jesus, seit ungefähr 10.000 Jahren domestiziert der Mensch Tiere – mit gewaltigen Folgen für die Menschheit. Erst durch Nutztiere wurde die Basis für komplexere, sesshafte und arbeitsteilige Gesellschaften geschaffen, als die Abhängigkeit von der Jagd nicht mehr bestand. Aus etwa 20 Wildtierarten entstanden über 7.600 Haustierrassen, darunter alleine 500 Rinderarten. Doch diese Vielfalt scheint zu Ende zu gehen: Jeden Monat stirbt eine weitere Nutztierrasse aus (nach FAO „World Watch List“ für „Domestic Animal Diversity“). 22 Prozent aller noch lebenden Nutztierrassen sind als bedroht oder gefährdet eingestuft.

Leistung statt Vielfalt

Kühe im Stall © iStock / Getty Images
Kühe im Stall © iStock / Getty Images

Die „alten Rassen“ sind meist robust und anspruchslos, langlebig, widerstandsfähig gegen Krankheiten und perfekt angepasst an die Gegebenheit ihrer jeweiligen Umweltbedingungen. "Doch in Zeiten der Industriellen Landwirtschaft zählt das immer weniger“, sagt Landwirtschaftsexperte Markus Wolter vom WWF Deutschland. Vor hundert Jahren gab es beispielsweise in Deutschland noch 87 verschiedene Rinderrassen. Heute gehören 96 Prozent des gesamten Rinderbestandes lediglich vier verschiedenen Rassen an. Bei Schweinen, Eseln, Hühnern und Schafen sieht es ähnlich aus. Bei Zuchtzielen spielen heute  fast nur noch quantitative Kriterien eine Rolle: mehr Milch, mehr Tageszunahmen, mehr Eier.

Die Welt verliert wertvolle genetische Ressourcen etwa durch das Aussterben des Kehlheimer Rinds oder des Wittgensteiner Bleßviehs  – aber nur die genetische Vielfalt ist eine Versicherung gegen Gefahren wie Tierseuchen (z.B. Vogelgrippe, Blauzungenkrankheit, Maul- und Klauenseuche).

Weltweit sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen 1.500 Rassen vom Aussterben bedroht. In Deutschland gehören dazu etwa das Limpurger Rind, das Bunte Bentheimer Schwein, das Ramelsloher Huhn, der Schafpudel oder die Moorschnucke. „Mit den Tieren verschwindet aber auch ein Stück kulturelle Vielfalt - und auch Identität von Menschen“, sagt Landwirtschaftsexperte Markus Wolter vom WWF Deutschland. „Wir vom WWF setzen uns auch dafür ein, dass die Artenvielfalt im Stall erhalten bleibt."

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