WWF Deutschland

http://www.wwf.de/


Content Section

Stand: 31.03.2015

Tonnen für die Tonne

Laut der Weltagrarorganisation (FAO) werden derzeit 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel unnötigerweise weggeworfen. Damit einher geht eine Ressourcenverschwendung von ungeheurem Ausmaß. Allein in Deutschland werden Schätzungen zufolge mehr als 13 Millionen Tonnen an Lebensmitteln pro Jahr verschwendet, die entweder aufgrund von Normen als „Abfall“ deklariert werden oder aus anderen Gründen entsorgt werden. Pro Stunde sind dies 1500 Tonnen Lebensmittel. Der weitaus überwiegende Teil davon wäre vermeidbar.

Viele Lebensmittel landen im Müll © iStock / Getty Images
Viele Lebensmittel landen im Müll © iStock / Getty Images

Lebensmittelverschwendung gleich Ressourcenverschwendung

All diese weggeworfenen Lebensmittel wurden angebaut, geerntet, transportiert, vielleicht weiterverarbeitet, gekühlt oder zubereitet – um dann vielleicht als zu große Beilage in den Müll zu wandern. Zukünftige Generationen werden sich diese Art der verschwendeten Ressourcen nicht mehr leisten können. Berechnungen des WWF zufolge werfen die privaten Haushalte in Deutschland jährlich im übertragenen Sinne eine Fläche von 2,4 Millionen Hektar jedes Jahr weg. Eine Fläche so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Schon heute sind Agrarflächen ein sehr knappes Gut, natürliche oftmals einzigartige Lebensräume werden täglich in Ackerland oder Weide umgewandelt. Es wird intensiviert, um die zunehmende Weltbevölkerung zu ernähren. Und dies geschieht nicht nur in fernen Ländern, auch in Deutschland gehen zunehmend Flächen verloren, die für den Gewässerschutz, den Klimaschutz oder für die Artenvielfalt besonders wertvoll sind.

50 Prozent weniger Lebensmittelabfall bis 2020

Krumm gewachsenes Gemüse ist auch lecker © Selina Pfruner
Krumm gewachsenes Gemüse ist auch lecker © Selina Pfruner

Sowohl die EU als auch die Bundesregierung Deutschlands haben sich bis 2020 das Ziel gesetzt, die Lebensmittelabfälle zu halbieren. Bislang hat die Bundesregierung jedoch keine Strategie vorgelegt, die aufzeigt, wie dieses Ziel erreicht werden sollte. Nach wie vor ist auch die Datengrundlage, wie viel Lebensmittelabfall wo entlang der Wertschöpfungskette anfällt, nicht ausreichend. Die Schätzungen für den Bereich Lebensmittelindustrie reichen von 210.000 Tonnen bis zu 4.580.000 Tonnen pro Jahr. Da fragt man sich, bei welchem Wert die Hälfte erreicht sein soll. Der WWF fordert daher die Politik auf, einen verbindlichen Aktionsplan mit konkreten Zielen und Maßnahmen zur Verringerung der Lebensmittelabfälle zu verabschieden. Erarbeitet werden sollte der Aktionsplan von einer Koordinationsstelle zusammen mit allen Beteiligten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wir brauchen einen Ruck, der alle Gesellschaftsbereiche erfasst. Ziel ist es, dass Deutschland bis spätestens 2018 eine nationale Strategie zur Verminderung der Lebensmittelabfälle verabschiedet. 

Besonderer Handlungsbedarf: Großverbraucher

Nach neuesten Untersuchungen werfen Großverbraucher wie Kantinen, Restaurants und Caterer etwa 44 Prozent der Lebensmittel weg. Dabei könnten gerade diese oft schon durch einfache Maßnahmen ihre Lebensmittelabfälle erheblich reduzieren. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass z.B. durch die transparente Erfassung des Lebensmittelabfalls oder das Angebot verschiedener Portionsgrößen die Lebensmittelabfälle bis zu 40 Prozent reduziert werden konnten. Eine besondere Vorbildfunktion haben hier die Bildungseinrichtungen (Kindergärten, Schulen, Universitäten) sowie die öffentlichen Kantinen.

Tödliche Verschwendung auf hoher See

Fischfang im Mittelmeer © Isaac Vega / WWF Canon
Fischfang im Mittelmeer © Isaac Vega / WWF Canon

Gut 80 Millionen Tonnen Fisch und Meerestiere holt die globale Fischindustrie Jahr für Jahr aus den Ozeanen. Die derzeitigen Fischereigesetze und Fangmethoden führen laut Schätzungen dazu, dass 38 Millionen Tonnen Meerestiere oder etwa 40 Prozent des jährlichen Weltfischfangs pro Jahr als Rückwurf ungenutzt wieder zurück ins Meer geworfen wird. Während in manchen Fischereien kaum Beifang anfällt, landen bei anderen pro Kilogramm des gewünschten Fisches bis zu 20 Kilogramm Meerestiere mit im Netz. Der hohe Anteil an Beifang bringt Arten an den Rand des Aussterbens, bedroht die Basis der Fischerei und zerstört den empfindlichen Lebensraum Meer – ganz abgesehen davon, dass es ethisch nicht vertretbar ist, Lebewesen wie Müll zu behandeln. In der EU gilt seit Beginn des Jahres 2014 ein neues Fischereigesetz. Dieses sieht vor, den Rückwurf von ungenutzten Fischfangs binnen vier Jahre bis 2019 zu beenden. Die dafür notwendige Lösung zahlreicher technischer und politischer Probleme wird derzeit von Wissenschaftlern, Fischern, NGOs und der Politik entwickelt.

Prioritäten zur Verwertung von Lebensmittelabfällen

  1. Vermeiden und Reduzieren von Lebensmittelabfällen
  2. Verarbeitung von Lebensmittelresten zu anderen Lebensmitteln
  3. Verarbeitung von Lebensmittelresten zu Futtermitteln
  4. Nutzung von Lebensmittelresten als Bio-Rohstoff
  5. Nutzung von Lebensmittelresten zur energetischen Nutzung
  6. Nutzung von Lebensmittelresten zur Kompostierung

Genießt uns! Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln entlang der Wertschöpfungskette

Vom landwirtschaftlichen Betrieb über die Konservenfabrik bis hin zur Spitzengastronomie – im Engagement gegen die Lebensmittelverschwendung spielen alle Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette eine entscheidende Rolle. Denn wenn sie ihren Umgang mit Lebensmitteln nachhaltiger gestalten, können in Deutschland jährlich Millionen Tonnen von Müll und Verlusten vermieden und wertvolle Ressourcen geschont werden. Hier setzt die Initiative „Genießt uns!“ an: Ziel ist es, kleine und mittelständische Unternehmen zu gewinnen, aktiv gegen die Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Durchführung eines Lebensmittelchecks. Dieser beleuchtet Ideen und Maßnahmen zur Verringerung von und zum Umgang mit Abfällen. Ein Expertenteam wird die Ergebnisse begutachten und auswerten und die besten Unternehmen in einer Preisverleihung Ende 2015 für Ihre „Leuchtturm“-Funktion mit dem “Genießt uns!“-Award auszeichnen. Zur Initiative gehören neben dem WWF Deutschland die Deutsche Welthungerhilfe, Foodsharing, United Against Waste, der Bundesverband Deutsche Tafel e.V., die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sowie Valentin Thurn, Filmproduzent und Autor und Stefan Kreutzberger, Geschäftsführer von foodsharing. Die Initiative wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert und von der FH Münster (iSuN) wissenschaftlich begleitet.

Forderungen des WWF an die Politik

  • In 2015 wird ein Aktionsplan zur Verringerung der Lebensmittelabfälle als Grundlage für eine nationale Strategie verabschiedet. Dazu gehört unter anderem die Initiierung eines  gesamtgesellschaftlichen Dialoges sowie branchenspezifischer Arbeitsgruppen, deren Aufgabe u.a. die Identifizierung des Forschungsbedarfes, die Ausarbeitung einer guten fachlichen Praxis zu den jeweiligen Branchen sowie die Definition von Maßnahmen ist.
  • Aufbauend auf den Ergebnissen des Aktionsplans tritt 2018 eine nationale Strategie zur Verminderung des Lebensmittelabfalls in Kraft. Sie enthält einen verbindlichen Maßnahmenkatalog und einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung des Halbierungsziels bis zum Jahr 2020.
  • Lebensmittel sollten mit einem Herstellungsdatum versehen werden, um eine Grundlage für die Überprüfbarkeit der Vergabe des MHD zu schaffen.

Forderung an die Unternehmen

  • Erfassung und Ursachenanalyse der Lebensmittelabfälle entlang der Wertschöpfungskette. Etablierung von Vermeidungsstrategien.
  • Integration des Aspektes der Vermeidung von Lebensmittelabfällen in einen jährlichen Geschäftsbericht zur Nachhaltigkeit.
  • Überprüfung der  von privatrechtlichen Normen und Verträgen für Lieferanten im Hinblick auf die Verursachung von Lebensmittelabfällen.

Forderungen an die Verbraucher

  • Vermeiden Sie Lebensmittelabfälle zu Hause, im Restaurant, auf dem Weg, denn jedes Lebensmittel ist mit einem hohen Verbrauch an Energie, Wasser und anderen Rohstoffen verbunden sowie mit Emissionen von Schadstoffen und Klimagasen in die Umwelt.
  • Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist kein Stichtag zum Wegwerfen von Lebensmitteln. Produkte mit einem MHD können auch nach Ablauf des aufgedruckten Datums bedenkenlos auf Ihre Verzehrbarkeit geprüft werden. Nur bei leicht verderblichen Produkten mit einem Verbrauchsdatum (wie bei Fleisch und Fisch) sollte das aufgedruckte Datum beachtet werden.
  • Planvolles einkaufen: Überprüfen sie vor dem Einkauf den Bedarf an Lebensmitteln, machen sie sich eine Einkaufsliste und gehen sie am besten nicht mit leerem Magen einkaufen.
  • Beachten Sie Hinweise zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln.
  • Teilen Sie Lebensmittel, von denen Sie zu viel haben, im Bekannten- und Freundeskreis oder z.B. über foodsharing.de.
   
Unterstützen Sie
den WWF
Unterstützen Sie
den WWF