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Stand: 04.05.2015

„Ernährung ist der Teppich, auf dem wir uns bewegen“

Tatort-Kommissar Andreas Hoppe © Alexander Kluge / SWR
Tatort-Kommissar Andreas Hoppe © Alexander Kluge / SWR

TATORT-Kommissar und neuer WWF-Kampagnen-Botschafter Andreas Hoppe im Interview.

Die WWF-Kampagne zum nachhaltigen Leben „#iamnature“ hat prominente Unterstützung durch Tatort-Kommissar Andreas Hoppe bekommen. In seiner Rolle als Kampagnen-Botschafter setzt sich der beliebte Schauspieler für eine nachhaltigere Ernährung und Essenskultur ein und unterstützt den WWF darin, das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen.

Privat beschäftigt sich Andreas Hoppe schon seit längerem mit ökologischen Themen. Er setzt sich prominent für den Verzehr von regionalen und saisonalen Produkten ein, schrieb 2009 dazu sein Buch „Allein unter Gurken“ und begleitete 2013 für das SWR Fernsehen in der Doku-Serie „Der Kommissar im Kühlschrank“ Verbraucher beim Versuch, sich rein regional zu ernähren. Zudem ist Andreas Hoppe Initiator der „Walkampagne“, die sich gegen den Abbau von schmutzigem Teersandöl in Kanada einsetzt.

Herr Hoppe, im Ludwigshafener Tatort verkörpern Sie die Rolle des Mario Kopper - einem Halb-Italiener, bei dem sich viel um Essen und Genuss dreht. Wie viel Kopper steckt mit Blick auf die Ernährung in Ihnen?

Da müsste man eher die Frage umdrehen: Wie viel Andreas Hoppe steckt in Mario Kopper? Was Kopper kocht und isst, ist nur ein Bruchteil von dem, was Andreas Hoppe isst. Privat habe ich mit gutem Essen wesentlich mehr zu tun und mache es auch wesentlich genussvoller als Kopper. Wenn es doch mal schnell gehen muss, esse ich auch gerne italienische Pasta. Am liebsten mag ich dann Vollkorn- oder Bio-Nudeln mit frischem Parmesan, Olivenöl, Pesto und Salbei aus meinem Garten. Einfach und köstlich!

Nachhaltig und genussvoll © Thinkstock Photos
Nachhaltig und genussvoll © Thinkstock Photos

Sie setzen sich schon länger für saisonale und regionale Produkte ein. Warum ist Ihnen das Thema nachhaltige Ernährung so wichtig?

Zum einen ist eine gute Ernährung wichtig für uns selbst, denn sie macht uns leistungsfähig und hält uns gesund. Neben dem egoistischen Aspekt gibt es aber auch den ökologischen. Schließlich hat unsere Ernährung direkte Auswirkung auf unsere Umwelt. Wenn man weiß, welche Pestizide, Wachstumshormone, Antibiotika und ähnliche giftige Substanzen in der konventionellen Landwirtschaft und der Tierhaltung genutzt werden – wenn man zudem sieht, wie ganze ländliche Gebiete vergiftet und die Böden zerstört werden - dann muss man sich zwangsläufig fragen, ob man die Konsequenzen tragen will oder sich nicht doch bewusster, nachhaltiger und auch genussvoller ernährt.

Was hat Sie dazu bewogen, Kampagnen-Botschafter zu werden?

Ich habe gesehen, dass man Dinge bewegen kann, wenn man sich engagiert. Das ist mir wichtig. Irgendwo stehen zu bleiben und Dinge gar nicht erst in Angriff zu nehmen, das ist für mich eine ganz furchtbare Vorstellung. Es ist höchste Zeit, umzudenken. Ernährung und Umwelt sind der Teppich auf dem wir uns alle bewegen. Wenn der weg ist, dann ist eben Schluss. Doch dann ist es zu spät zum Handeln. Wir müssen dem Thema jetzt Aufmerksamkeit schenken!

Sie werden am 4.7.2015 am #Essensretterbrunch in Berlin teilnehmen, bei dem der WWF zusammen mit anderen Partnern ein Buffet aus aussortierten Lebensmitteln für die Öffentlichkeit organisiert. Warum liegt Ihnen das Thema Lebensmittelverschwendung am Herzen?

Ich bin in einer Familie groß geworden, in der sehr auf Lebensmittel geachtet wurde. Da wurde nichts weggeschmissen. Meine Großeltern haben den Krieg miterlebt, für sie war Essen überlebenswichtig. Heute ist das schon absurd: Gemüse, das nicht durch bestimmte Schablonen passt, kommt nicht in den Handel. Dabei ändert es doch nichts an der Qualität, ob eine Gurke zu krumm ist oder eine Möhre mehrere „Füße“ hat. Was da alles weggeschmissen wird, ist unglaublich! Aber es geht nicht nur um Normkonformität – auch um die große Produktpalette, die in Supermärkten angeboten wird. Vieles davon kann nach ein paar Tagen nicht mehr verkauft werden. 45 Prozent aller produzierten Lebensmittel werden weggeschmissen. Das ist eine ungeheuerliche Zahl! Die können wir nicht einfach hinnehmen. Wir müssen uns dringend Gedanken machen, wie man diese Produkte weiter verwenden kann.

2009 haben Sie das Buch „Allein unter Gurken“ geschrieben. Wie ist es Ihnen bei diesem Selbstversuch, sich ein Jahr lang nur regional zu ernähren, ergangen?

Bio-Huhn © Markus Wolter / WWF
Bio-Huhn © Markus Wolter / WWF

Einiges war einfacher als anfangs gedacht. In einer Stadt wie Berlin ist es beispielsweise relativ einfach, sich regional zu ernähren. Das Problem ist jedoch – und dies musste ich auch erst lernen - „regional“ ist im Gegensatz  zu „bio“ kein geschützter Begriff. Von daher ist der Satz „Regional ist das neue Bio“ auch einfach nicht richtig. Mir ist es sehr wichtig zu wissen, woher mein Essen kommt, dass die Lieferwege kurz sind und dadurch der CO2-Fußabdruck so gering wie möglich ist. Gerade bei Fleisch reicht das aber noch nicht aus. Ein konventionell betriebener Schweinemastbetrieb um die Ecke nützt mir nichts. Hier ist verantwortungsvolle Tierhaltung das oberste Gebot. Am besten ist es also, wenn alles zusammen kommt: Bio, saisonal und regional.

Was sind Ihre fünf goldenen Regeln und Tipps hinsichtlich einer nachhaltigen Ernährung?

Es gibt viele Regeln, die ich selbst gerne beherzige und auch weitergeben möchte. Wenn ich mich auf fünf beschränke, dann diese Tipps:

  1. Lerne, woher dein Essen kommt und wer es hergestellt hat – gerne mit Ecken, Kanten und witzigen Formen und Farbe. Auf die inneren Werte kommt es an.
  2. Dein Essen mag es auch gerne unverpackt. Weg mit unnötiger Verpackung.
  3. Wirf so wenig Lebensmittel weg wie möglich.
  4. Gönne dir mehr frisches Obst und Gemüse und esse öfter vegetarisch.
  5. Bevorzuge zertifizierte Lebensmittel, am besten Bio.
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