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Stand: 19.06.2015

Christian Rach und der WWF: Gemeinsam gegen die Lebensmittelverschwendung

Christian Rach © Thomas Ptitschet
Christian Rach © Thomas Ptitschet

Christian Rach ist einer der bekanntesten Fernsehköche und Kochbuchautoren in Deutschland. Seit vielen Jahren kämpft er gegen das sinnlose Wegwerfen von genießbaren Lebensmitteln. Darum unterstützt er jetzt die Arbeit des WWF und ruft zur Teilnahme an der WWF-Petition gegen Lebensmittelverschwendung und am #Essensretterbrunch am 04. Juli in Berlin auf. Was ihn bewegt und welche Tipps er gegen die Lebensmittelverschwendung im eigenen Haushalt hat, erfahren Sie hier im Interview.

Wissen wir zu wenig über Lebensmittel?

Ja, das kann man wohl so sagen. Das, was früher als tradiertes Wissen von den Großeltern zu den Kindern weitergegeben wurde, geht uns innerhalb von zwei Generationen verloren. Wir haben eine flexible Arbeitswelt, das ist gut so, beinhaltet aber auch, dass wir nicht mehr zusammen kochen und essen. Damit geht uns Ernährungswissen verloren.

Das Thema Lebensmittelverschwendung ist Ihnen sehr wichtig. Wie nutzen Sie Ihre Popularität und Bekanntheit, um sich gegen diese Verschwendung zu engagieren?

Ich bin Pate vieler Veranstaltungen und mache immer wo es auch geht, auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam. Darum unterstütze ich auch den #Essensretterbrunch am 4. Juli. Wenn wir alle gemeinsam dafür sorgen, dass wir Wissen und Tipps rund um Lebensmittel miteinander teilen und weitergeben, dann landet auch weniger Essen in der Tonne. Eine wirklich unterstützenswerte Sache.

Wie kann ein Event wie der Essensretterbrunch dabei unterstützen, dass zukünftig vielleicht weniger Lebensmittel weggeworfen werden?

Essensretterbrunch © WWF
Essensretterbrunch © WWF

Wir haben ein Luxusproblem in Europa. Permanent ist alles verfügbar. Die Zahl ist erschütternd: Die Hälfte der in Deutschland eingekauften Lebensmittel landet auf dem Müll. Wir schwelgen im Überfluss, und wir wertschätzen das einzelne Produkt nicht mehr. Stattdessen wollen wir immer neues und immer mehr haben. Diese Veranstaltung wird aufklären und aufzeigen, dass es auch anders geht, sowie zu einem Umdenken beitragen. Das hoffe ich sehr.

Alleine an diesem Tag retten wir vor Ort mit 5.000 Menschen rund 1,5 Tonnen Gemüse, 500 Kilogramm Reis sowie massenweise Backwaren vom Vortag sowie sonstige Lebensmittel, die ansonsten gar nicht in den Handel gekommen bzw. bereits aussortiert wären. Wir zeigen, dass knolliges Gemüse keinerlei Einbußen von Qualität hat, geben Tipps, was jeder selbst dazu beitragen kann, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Werden Sie selber am Essensretterbrunch am 4. Juli teilnehmen?

Ich würde so gerne dabei sein, denn die Veranstaltung ist wirklich toll und hat ein sehr dringliches Anliegen. Aber ich habe ein großes Familienfest und diesmal muss das vorgehen.

Umso wichtiger ist es mir, vorab alle meine Möglichkeiten zu nutzen, um die Veranstaltung zu bewerben, ein starkes Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. Also: kommt vorbei, kocht mit, esst mit, informiert euch und helft uns, das Thema verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen.

Zu viel Essen landet im Müll © WWF
Zu viel Essen landet im Müll © WWF

Welchen Beitrag sollte Ihrer Meinung die Politik leisten?

Gemeinsam mit der Bundesregierung arbeite ich auch für das Projekt „Zu gut für die Tonne“. Vor fast 3 Jahren haben wir z.B. eine App vorgestellt, die unter anderem Resterezepte und einen interaktiven Einkaufszettel enthält. Sie soll Verbrauchern beim Vermeiden unnötiger Lebensmittelabfälle helfen.

Seit dem ist aber nicht mehr viel passiert. Obwohl alle Fraktionen im Bundestag sich den Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung auf die Fahnen geschrieben haben, gibt es bis heute keine konkreten Pläne und Gelder, um die Verschwendung weiter zu begrenzen. Darum unterstütze ich die Petition des WWF, die die Politik dazu auffordert, endlich mehr zu tun und ganz konkret das Ziel bis 2020 zu erreichen: 50 Prozent weniger Verschwendung von Lebensmitteln.

Wie gehen Sie selber mit dem Thema Lebensmittelverschwendung um?

Zu Hause produzieren wir sehr wenig Abfall. Zum Beispiel: Wenn man Brokkoli kocht, kann man auch die Stiele verwenden. Man muss nur wissen, wie das funktioniert. Auch gibt es bei uns im Kühlschrank keine zehn Sorten Wurst. Zwei oder drei tun’s auch.

Hier meine Tipps, wie man beim Einkaufen und beim Verwenden der Produkte echt Geld sparen und Abfall vermeiden kann:

  1. Kennen Sie Ihre Vorräte. Schauen Sie vor dem Einkauf nach: Wie viel Milch oder Butter ist noch da, sind vorhandene Wurst oder Joghurt noch in Ordnung?
  2. Kaufen Sie nur, was Sie brauchen. Sprich: Machen Sie sich vor dem Gang in den Supermarkt Gedanken, was Sie in den nächsten drei Tagen kochen wollen und schreiben Sie wieder eine gute alte Einkaufsliste. Dann landet auch nur das im Korb, was Sie brauchen.
  3. Lesen Sie Verpackungsangaben. Mal verpackte Nudeln oder Tomatensoße zu kaufen, ist kein Problem – aber bitte nur, wenn man die Deklaration versteht. Nur dann weiß man auch, was in einem Lebensmittel drin ist.
  4. Sprechen Sie sich ab. Bei vielen Paaren oder Familien bestücken beide Partner den Kühlschrank, ohne Absprachen. So werden zu viele Produkte unnötigerweise doppelt eingekauft.
  5. Lagern Sie richtig und halten Sie länger frisch. Das heißt, sortieren Sie Obst, Gemüse & Co. in die entsprechenden Zonen Ihres Kühlschranks. Und, verwenden Sie Frischhaltedosen mit spezieller Dichtung. Diese halten Lebensmittel länger frisch, als herkömmliche Dosen.

Sie kochen auch sogenannte „Reste-Essen“. Haben Sie ein Lieblings-„Reste-Rezept“?

Das meiste, was in Deutschland weggeworfen wird, ist Brot. Ich mache aus altbackenem Brot zum Beispiel "Arme Ritter". Dieses Gericht, wird mit altbackenen Brötchen oder Toast hergestellt. Hier das Rezept:

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