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Wir düngen uns kaputt

Viel hilft eben nicht viel. Synthetische Stickstoffdünger zerstören die Böden in den Tropen und führen oft nicht zu höheren Ernten, sondern zu Ernteausfällen.

Neun Milliarden Menschen werden schon bald unsere Erde bevölkern. Dabei spielen fruchtbare Böden eine entscheidende Rolle, um diese Menge zu ernähren. Zur Steigerung der Erträge wird bislang vor allem auf den Einsatz von synthetischen Dünger gesetzt. In Afrika, Asien und Südamerika versuchen derzeit viele Nationen mit Subventionsprogrammen für synthetischen Stickstoffdünger, die Produktion zu steigern.

Sojafeld in Brasilien © Peter Caton / WWF
Sojafeld in Brasilien © Peter Caton / WWF

Die Heinrich-Böll-Stiftung und der WWF haben die Auswirkungen von Mineraldünger in der tropischen Landwirtschaft untersucht. Das Urteil der Studie "Bodenlos": „Mittel- und langfristig degradieren die Böden. Sie verlieren ihre natürliche Fruchtbarkeit. Um das auszugleichen, wird noch mehr Dünger benötigt, das hat schwerwiegende ökologische und wirtschaftliche Folgen“, sagt Birgit Wilhelm, Referentin Internationale Agrarpolitik und Nachhaltige Landnutzung beim WWF Deutschland.

Dünger-Orgie der Industrienationen

Der Boom der Düngemittel nütze vor allem den großen Agrarkonzernen, die in Afrika umfassende Lobbyarbeit leisten. „Die Industrienationen dürfen ihre eigene Dünger-Orgie nicht nach Afrika exportieren. Die forcierten Investitionen in mineralische Düngemittel sind kontraproduktiv und führen nur zu sehr kurzfristigen Ertragssteigerungen“, sagt Birgit Wilhelm.

© Birgit Wilhelm / WWF
© Birgit Wilhelm / WWF

Preisexplosion für Dünger– die Entwicklungsländer müssen zahlen

Neben den Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit warnt der WWF vor einem wirtschaftlichen Teufelskreis für Entwicklungsnationen. Gegenüber dem Preis für Nahrungsmittel ist der Preis für Dünger in den letzten 40 Jahren um 250 Prozent gestiegen. Kleinbauern zahlen heute für eine Einheit Dünger doppelt so viel wie vor zehn Jahren, obwohl die einseitige Düngung kaum zu Ertragssteigerungen führt. Die Konsequenz: Kleinbäuerliche Produzenten landen häufig in der Schuldenfalle, sagt  Dr. Christine Chemnitz, Referentin Internationale Agrarpolitik bei der Heinrich-Böll-Stiftung.

Was ist Dünger, und was macht er?

Grundsätzlich dient jede Form von Düngung dazu, Böden und Pflanzen mit Nährstoffen zu versorgen. Diese sind vor allem Stickstoff, Phosphor und Kalium. Eine durchschnittliche deutsche Weizenernte (ca. acht Tonnen auf einem Hektar) entzieht dem Boden 180 kg Stickstoff, 37 kg Phosphor und 124 kg Kalium. Je intensiver Landwirtschaft betrieben wird und je höher die entnommenen Erträge sind, umso höher ist der Entzug. Auf degradierten Böden – also solchen mit niedrigerer Bodenfruchtbarkeit und geringer organischer Substanz – bleibt die Ertragswirkung von Mineraldünger besonders gering. Das liegt vor allem daran, dass degradierte Böden eine geringe Fähigkeit haben, gelöste Nährstoffe im Boden (zum Beispiel aus Mineraldüngung) zu binden und diese wieder abzugeben, wenn die Pflanze sie benötigt. Dadurch wird ein Großteil der Nährstoffe mit dem Bodenwasser ausgewaschen und geht verloren. Vor allem tropische Böden sind durch diese Eigenschaft geprägt.

Die Herausforderung besteht also darin, Mineraldünger so zu nutzen, dass deren Wirkung Böden und Umwelt unbeschadet lassen und die Nährstoffe dem System erhalten bleiben. Auf synthetischen Stickstoff sollte deshalb vollkommen verzichtet werden, andere Nährstoffe müssen in den Kontext einer umfassenden Bodenfruchtbarkeitsstrategie integriert werden. “Zentral sind dafür Techniken, die die Erhaltung und den Aufbau von Bodenhumus gewährleisten, wie zum Beispiel Anbau von Leguminosen, Kompostierungsverfahren, tierische Dünger, Agroforstwirtschaft, Gründüngung und Intensivbrache“, sagt Birgit Wilhelm.

Gerade im Hinblick auf das kommende Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern warnt der WWF ausdrücklich davor, weiterhin Stickstoff-Dünger zu subventionieren. Nationale Strategien zur Entwicklung einer Infrastruktur zur Bodenfruchtbarkeit wären sinnvoller.

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