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Stand: 06.11.2017

Der Boden der Lebensvielfalt - wir stehen drauf!

Einzeller zwischen organischer Substanz in einem lebendigen Boden © Otto Ehrmann
Einzeller zwischen organischer Substanz in einem lebendigen Boden © Otto Ehrmann

Was haben deutsche Buchenwälder mit der Serengeti-Savanne in Tansania und den Gebirgssteppen des Schneeleoparden im Himalaya gemeinsam? Würde ihr intakter Boden geschädigt, brächen diese Ökosysteme zusammen und sie würden wahrscheinlich zu Heideland, Halbwüsten oder Geröllhalden. Bereits 1961 hat der WWF den Schutz des Bodens in seiner Gründungsurkunde zu seinen Verbandszielen gezählt.

Wissen Sie, was „Boden“ ist?

Der Boden ist die belebte Schicht der festen Erde. In allen Land-Ökosystemen steckt die meiste Lebensvielfalt direkt im Boden. Vom Fels ist der Boden genauso verschieden wie die grüne Erde vom roten Mars. Natürlich wird fruchtbarer Boden durch Lebewesen hergestellt. Sie greifen das Gestein an und lösen Minerale heraus. Das Bodenleben profitiert dabei von chemischen Verwitterungsprozessen des Gesteinsuntergrunds und beschleunigt diese aktiv. Zugleich bringen die Bodenbewohner, zu denen natürlich auch die Pflanzen gehören, aus der Luft Kohlenstoff und Stickstoff in den Boden. So entsteht letztlich aus den Ausscheidungen und Körpern dieser Lebewesen organische Substanz – und damit das Beste am Boden: der Humus, die üppigste Speisekammer der Pflanzen. Weil die allermeisten Gewächse nur im Boden und nicht auf nacktem Fels Halt und Nahrung finden, brauchen letztlich alle Lebewesen den Boden zum Leben – Tiere und Menschen eingeschlossen.

WWF weltweit im Einsatz für den Boden

Straucherbsen (Cajanus Cajan) in Tansania bauen Bodenstickstoff und Humus besonders gut auf © icrisat.images
Straucherbsen (Cajanus Cajan) in Tansania bauen Bodenstickstoff und Humus besonders gut auf © icrisat.images

Für den WWF wird der Bodenschutz zunehmend wichtig. In vielen WWF-Projekten weltweit – ob in Brasilien oder Paraguay, Sambia oder Indien – werden wir mit den Folgen von Bodendegradation konfrontiert. Wenn auf ehemals fruchtbaren Böden nichts mehr wächst, dann versucht die Landwirtschaft neue Flächen zu erschließen. Immer mehr Wald wird gerodet, damit die Menschen Nahrung produzieren können. Doch mit so einem Raubbau geht auf Dauer jeglicher lebendige Boden verloren – und damit die Grundlage der Biodiversität und der menschlichen Ernährung zugleich.

Der WWF geht daher andere Wege. Wir setzen uns für eine Landwirtschaft ein, welche die Bodenfruchtbarkeit erhält, die biologische Vielfalt in den Böden als Lebensgrundlage sieht und das Gleichgewicht in den natürlichen Ökosystemen bewahrt.

Wie machen wir Erdboden kaputt?

Bodendegradation weltweit © Philippe Rekacewicz / UNEP/GRID-Arendal
Bodendegradation weltweit © Philippe Rekacewicz / UNEP/GRID-ArendalLupe

Nicht erst, wenn eine Sanddüne naht, wissen wir, dass mit dem Boden etwas nicht stimmt. Fast ein Viertel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit muss bereits als schwer geschädigt bezeichnet werden. Das bedeutet: Sie ist heruntergewirtschaftet und zum Teil im Sinne des Wortes verwüstet. Fruchtbarer Erdboden schwindet weltweit. Vor allem dort, wo Wälder vernichtet werden (das verursacht etwa 30 Prozent der Bodenzerstörung), Grasland überweidet (35 Prozent) und Ackerbau nicht nachhaltig betrieben wird (27 Prozent).

Allein in Deutschland gehen in der Landwirtschaft im Durchschnitt pro Jahr und Hektar zehn Tonnen fruchtbarer Boden durch Erosion und Humusabbau verloren. Dem gegenüber steht ein jährlicher natürlicher Bodenzuwachs von nur etwa einer halben Tonne pro Hektar. Der Boden wird also rund 20-mal schneller zerstört, als er nachwächst. Dieses Ungleichgewicht ist schon lange bekannt und gehört zu den großen Herausforderungen der Weltgemeinschaft.

Tropenböden sind besonders sensibel

Der WWF fordert auch in tropischen Ländern eine nachhaltige Bodennutzung. Denn dort führt der Einsatz von Mineraldüngern besonders schnell und gründlich dazu, dass die Böden ihre natürliche Fruchtbarkeit verlieren – so das Ergebnis der Studie „Bodenlos“, die der WWF mit der Heinrich-Böll-Stiftung und Johannes Kotschi erstellt hat. Eine ertragsstarke und zugleich naturschonende Landwirtschaft ist auch in tropischen Ländern möglich:

  • Ohne Subventionen für synthetischen Stickstoffdünger,
  • mit Einsatz von Mineraldünger wie Phosphor nur dann, wenn er zum Aufbau langfristiger Bodenfruchtbarkeit eingesetzt wird,
  • mit  Standort angepassten Hülsenfrüchten in den Fruchtfolgen, die auf natürliche Weise Stickstoff im Boden anreichern,
  • durch optimal mit Nährstoffen haushaltende, auch traditionelle Mischkulturen und mit dem Aufbau städtischer Kompostieranlagen, um Nährstoffe in den Boden zurückzuführen.

 

Dies alles kann durch die Unterstützung lokaler Gemeinschaften und den Ausbau regional angepasster agrarökologischer Forschung gefördert werden. 
Mehr Informationen finden Sie hier.

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