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Stand: 03.01.2017

Das Regenwurm-Manifest

Der Regenwurm ist das Leittier des Bodens © iStock / Getty Images
Der Regenwurm ist das Leittier des Bodens © iStock / Getty Images

Ein lebendiger, gesunder Boden ist die Grundlage aller Landökosysteme. Rund ein Drittel der Landfläche ist landwirtschaftlich genutzter Boden, von dessen weltweit bedrohter Fruchtbarkeit die Menschheit lebt. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird vom Mikrokosmos des Bodenlebens geschaffen, welchem mehr Arten angehören als auf der Erdoberfläche leben.

In den meisten heutigen Landbausystemen ist zu wenig der Wurm drin: denn zu viel und zu schwerer Maschineneinsatz, zu wenig Pflanzenrückstände als Regenwurmfutter und zu viele schädigende Stoffe schädigen unsere Bodengestalter. Eine Folge ist die verminderte Wasseraufnahme der Böden mangels Wurmröhren. Zunehmende Überschwemmungen auch nach normalem Starkregen, wobei die Gewässer, braun von abgeschwemmtem Boden, schlammig über ihre Ufer treten, sind deutliche Anzeichen dafür.

Im „Regenwurm-Manifest“ erfahren Sie, warum das würmische Leben für die Böden und für uns so wichtig ist und welche Folgen eine Wurmarmut für die Landwirtschaft und den Wasserhaushalt hat.

Forderungen des WWF Deutschland

Regenwürmer sind Leittiere des lebenswichtigen Ökosystems „Boden“. Sie prägen den Lebensraum Boden in besonderer Weise und sind auf eine nachhaltige Landwirtschaft angewiesen, die ihren Lebensraum erhält und ihnen auch durch Humusaufbau und organische Düngung genügend Futter bereitstellt. Darum fordert der WWF eine stärkere politische und gesellschaftliche Unterstützung und Förderung einer humusaufbauenden und bodenschonenden Landwirtschaft. Es muss ein vorrangiges Ziel der Agrarpolitik sein, die eigenen Grundlagen zu erhalten (oder wieder zu verbessern) und alle dafür dienlichen Leistungen der Landwirte strukturell zu fördern und angemessen zu honorieren.

 

Dafür muss ...

  1. die Bodenverdichtung gestoppt werden. Mit Zulassungsvorschriften für Landmaschinen, die sich an der physischen und ökologischen Tragfähigkeit der Böden orientieren. Eine mittelfristige Absenkung auf maximal 3000 Kilogramm Radlast und 0,8 Bar Reifeninnendruck ist notwendig, um dauerhafte Schäden der landwirtschaftlichen Böden in Zukunft eher zu verhindern.
  2. das Grünland erhalten werden. Mit Veränderung der gesetzlichen Regelungen, um den Netto-Grünlandverlust zu stoppen. Dabei sollten veränderte strukturelle Rahmenbedingungen und Anreize Vorrang vor direkten Eingriffen in die Wirtschaftsweise der Landwirte haben. Ökologisch intaktes Grünland stellt nicht nur Biodiversitätsreserven für die Regeneration geschädigten Ackerlandes dar (Regenwürmer z.B. wandern nur langsam!), sondern ist auch ein besserer Hochwasserschutz.
  3. der Ökolandbau auf mindestens 20 Prozent der Fläche ausgeweitet werden. Mit einem verbindlichen Umsetzungsplan auf europäischer und nationaler Ebene (stufenweise, ähnlich wie z.B. bei Abgasvorschriften).
  4. eine flächengebundene Tierhaltung und dem Bodenleben dienliche Fruchtfolgen verpflichtend eingeführt werden. Dies hilft, einer ökologische Verarmung oder krankhaften Einseitigkeit des Bodenlebens vorzubeugen.
  5. eine neue Initiative für eine europäische Bodenrahmenrichtlinie gestartet und unterstützt werden. Nur wenn der Bodenschutz ein höherwertiges Rechtsgut wird als bisher, kann er ausreichend umgesetzt werden.
  6. eine Gemeinsame Agrarpolitik (ab 2021) der EU erarbeitet und verabschiedet werden, die ihre Zahlungen u.a. an die Einhaltung von standortangepassten Fruchtfolgen bindet. Die jetzigen Steuerungsimpulse fördern die Konzentration auf wenige Marktfrüchte oder Energiepflanzen.
   
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