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Stand: 13.06.2013

WWF: Ostsee-Landwirt des Jahres 2013

Bauern als Meeresschüt­zer? Die Mitar­beiter der Güter Brook und Christi­nenfeld in Mecklenburg-Vorpommern haben den Titel "Ost­see-Landwirt des Jahres" gewonnen. Ihr nachhaltiges Konzept hat die Agrarexperten vom WWF überzeugt.

Die Gewinner des Preises "Ostsee-Landwirt des Jahres 2013" (von links nach rechts: Murli Dhar (Agrarexperte, WWF Indien), Dr. Birgit Wilhelm (Jurymitglied, WWF Deutschland), Lukas Tiedemann (stellvertretender Betriebsleiter), Ulrich Bosch (Betriebsleiter), Dr. Reinhard Stauß (Jurymitglied, Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR)), Dr. Herwart Böhm (Jurymitglied, Thünen Institut), Stephan Gersteuer (Bauernverband Schleswig-Holstein e.V., Jurymitglied) und Matthias Meißner (Agrarexperte, WWF Deutschland). © Norbert Fellechner / WWF
Die Gewinner des Preises "Ostsee-Landwirt des Jahres 2013" (von links nach rechts: Murli Dhar (Agrarexperte, WWF Indien), Dr. Birgit Wilhelm (Jurymitglied, WWF Deutschland), Lukas Tiedemann (stellvertretender Betriebsleiter), Ulrich Bosch (Betriebsleiter)

Ein moder­ner Öko-Betrieb mit 250 Milchkühen

Bauern als Meeresschüt­zer, das klingt ungewöhnlich. Doch Ulrich Bosch und die 17 Mitar­beiter der Güter Brook und Christi­nenfeld in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich künftig so nennen. Der Öko-Betrieb hat den WWF-Wettbewerb "Ost­see-Landwirt des Jahres" gewonnen. Als die Jury sich in dem Betrieb umsah, dessen Felder im Klützer Winkel bis an die Steilküste reichen, war sie beeindruckt: "Ein professionell gemanagter Agrarbetrieb, der sich intensiv mit Nährstoffkreisläufen beschäftigt und freiwillig an Klimaschutzprojekten teilnimmt", urteilt WWF-Jurorin Birgit Wilhelm.

 

Obwohl Besucher das historische Ambiente von Gut Brook eher als Veranstaltungsort und Feriendomizil ken­nen, ist es in erster Linie ein moder­ner Landwirtschaftsbetrieb mit 250 Milchkühen, der 17 Mitarbeiter beschäftigt. "Das bedeutet Nachhal­tigkeit für die Region", sagt Wilhelm. "Der Hof gibt Menschen eine Perspektive, das wirkt Abwanderung entgegen."

Ulrich Bosch, Betriebsleiter der Güter Brook und Christi­nenfeld © Norbert Fellechner / WWF
Ulrich Bosch, Betriebsleiter der Güter Brook und Christi­nenfeld © Norbert Fellechner / WWF

Öko-Landwirtschaft mit natürlicher Stickstoffdüngung

Betriebsleiter Ulrich Bosch legt Wert auf eine breit gefächerte Fruchtfolge, pflanzt zwölf Kulturen an. Auch solche, die in der konven­tionellen Landwirtschaft kaum noch zu finden sind - Dinkel,  Lupi­ne, Rotklee, Weidelgras. "98 Pro­zent unseres Futters produzieren wir selbst, von außen kaufen wir kaum zu", sagt der 41-Jährige.

 

Durch den Anbau von Futter­pflanzen wie Klee, Erbsen und Lupinen sorgt der Ökobetrieb auch für natürlichen Stickstoffdünger. "Schmetterlingsblütler sammeln an den Wurzeln Stickstoff, der dann im Boden für Nachfolgekultu­ren zur Verfügung steht", erläutert der Landwirt. Der Einsatz von Mi­neraldünger - im konventionellen Landbau üblich - ist Biobauern ver­boten. Dadurch sind jedoch ihre Er­träge geringer. "Unser Gewinn wä­re doppelt so groß, wenn wir kon­ventionell arbeiten würden", sagt Bosch. Größer wäre auch die Gefahr des Ausschwemmens von Nährstoffen in die Ostsee.

Seit 2009 prämiert der WWF den Ostsee-Landwirt des Jahres

"Für mehr als die Hälfte der Nährstoffeinträge in die Ostsee ist die Landwirtschaft verantwort­lich", sagt Birgit Wilhelm. Überdüngung, Eutrophierung, Algenblüte und sauerstofffrei­e Zonen am Meeresboden sind die Folge. Mit dem seit 2009 ausgelobten Preis "Ostsee-Landwirt des Jahres" will der WWF in allen Ostsee-Anrai­nerstaaten Bauern motivieren, durch den Einsatz von weniger Dünger den Schutz der Meere zu verstärken.

Sönke Thiesen vom Biohof Spannbrück züchtet und mästet das seltene Angler Sattelschwein. Das Fleisch wird ausschließlich direkt vermarktet. © Norbert Fellechner / WWF
Sönke Thiesen vom Biohof Spannbrück züchtet und mästet das seltene Angler Sattelschwein. Das Fleisch wird ausschließlich direkt vermarktet. © Norbert Fellechner / WWF

Dass 1400 Hektar bester Böden im Klützer Winkel ökologisch be­wirtschaftet werden, geschieht auf Wunsch des Eigentümers, des Münchner Industriellen Silvius Dor­nier. Der über 80-Jährige sei über­zeugt von dieser Wirtschaftsweise, und komme regelmäßig, um das Geschehen in Brook und Christi­nenfeld zu verfolgen, berichtet Hof­chef Bosch.


Der Mecklenburger Be­trieb setzte sich im Ostsee-Bau­ern-Wettbewerb gegen einen Öko­-Hof in Schleswig-Holstein durch. "Auch ein guter Betrieb", wie Jurorin Wilhelm erklärt. Der Konkur­rent habe mit dem Anbau von Wild­kräuter Saatgut und der Zucht der vom Aussterben bedrohten "Angler-Sattelschwein" gepunktet. "Ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt", lobt Wilhelm. Sie bedauert allerdings, dass sich an der deutschen Ostseeküste bisher nur Öko-Betriebe um den Preis be­worben hatten.

In Skandinavien und im Baltikum traf der Wettbewerb bis­her auf größere Resonanz. WWF-Koordinatorin Wilhelm kündigt an: "Wir wollen den Wettbewerb bekannter machen und vor allem mehr konventionelle Landwirte dafür gewinnen."

Der Text wurde von Elke Ehlers am 05. Juni 2013 in der Ostseezeitung veröffentlicht. 

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