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Die Rodung des Gran Chaco

Oder: Warum der WWF den Gran Chaco nicht zerstört sondern rettet und was ein Glas Wasser damit zu tun hat.

Die berühmte Anekdote von dem Glas Wasser, das halb leer und zugleich halb voll sein kann, kennt wohl jeder. Ganz ähnlich und doch wieder anders verhält es sich mit dem Gran Chaco im Norden Argentiniens, einer der größten Savannenwälder der Erde und eine einmalige Ökoregion, Heimat von Puma, Tapir und Flaschenbaum.  

Sojaanbau in Südamerika. © Peter Caton / WWF

Gemeinsam sind wir stark 

Gemeinsam mit seiner assoziierten Partnerorganisation FVSA (Fundacion Vida Silvestre Argentina) kämpft das WWF-Netzwerk für den Erhalt des wichtigen Trockenwaldes Gran Chaco durch die Aufstellung detaillierter Landnutzungs- und Schutzgebietspläne. Gemeinsam mit Greenpeace Argentinien, der Organisation FARN und dem Environment Secretary of Argentina erarbeitete FVSA einen Entwurf für ein neues Waldgesetz. Zentraler Bestandteil dieses Gesetzesentwurfs war, dass jede Provinz Argentiniens eine Landnutzungsplanung vorlegen sollte, in der die zukünftige Verteilung zwischen Wald-, Landwirtschafts- und Siedlungsflächen hervorgehen muss.  

 

Hochgradig Schutzbedürftig

Um die Forderung nach einer Landnutzungsplanung zu untermauern und flächig steuern zu können, haben FVSA, The Nature Conservancy (TNC), Wildlife Conservation Society (WCS) und Fundacion Para el Desarollo Sustenable del Chaco im Jahr 2004 eine umfassende ökologische Bewertung der gesamten Chaco-Region unternommen. Für 49 Prozent der verbliebenen Chaco-Region  wurden eine hochgradige Schutzbedürftigkeit und ein enormer, ökologischer Wert nachgewiesen. Buch-Autor Wilfried Huismann behauptet daher, dass der WWF damit seine Einwilligung in die Rodung aller anderen Flächen gab. Er macht also aus einem halb vollen Glas Wasser nicht nur ein halb leeres, sondern kippt es gleich ganz aus. Vielleicht war dem Autor auch einfach nicht bewusst, dass Erhebungen von schutzwürdigen Flächen weltweit ein unverzichtbares Instrument zur Ausweisung von Schutzgebietsflächen sind. Im Falle des Argentinischen Chaco-Gutachtens ging es darüber hinaus auch darum, den Forderungen nach einem neuen Waldgesetz mit einer Landnutzungsplanung Nachdruck zu verleihen und eine wissenschaftlich gestützte Grundlage für spätere Landnutzungspläne zu schaffen. Anlässlich der Schwarzbuch-Veröffentlichung und des Films hat Martin Prieto, der Exekutiv-Direktor von Greenpeace Argentinien, dem WWF bzw. der FVSA in einem Brief ausdrücklich für die Zusammenarbeit zur Rettung des Chacos gedankt.

 

Ein neues Waldgesetz

Letztlich war die in 2002 gemeinsam gestartete Gesetzesinitiative der Umweltorganisationen übrigens erfolgreich und im Jahr 2007 wurde ein neues Waldgesetz verabschiedet. Hiernach mussten nun in jeder Provinz Waldflächen nach Kategorien kartiert und planerisch als verbindliche Landnutzungsform festgeschrieben werden. Neben streng zu schützende Wälder ohne Nutzung wurde außerdem eine Kategorie mit erhaltenswerten Wälder mit nachhaltige Waldnutzung etabliert.  

Wie geht es weiter mit dem Chaco?

Ohne Frage war die von den Umweltverbänden in 2004 durchgeführte Erhebung hochwertiger Ökosysteme eine wichtige Grundlage für die nun von staatlicher Seite durchzuführende Landnutzungsplanung.  Die wesentliche Funktion der Erhebung bestand vor allem darin, als wissenschaftliche Blaupause zu dienen, an der die staatliche Planung gemessen werden musste.


Insofern hatte die Erhebungsarbeit der vier Naturschutzorganisationen einen erheblichen Anteil daran, dass nachfolgend in den Chaco-Regionen ein hoher Anteil schutzwürdiger Waldflächen Eingang in die Landnutzungsplanung gefunden hat. Die Umsetzung der neuen Waldgesetzgebung verfolgen FVSA, Greenpeace Argentinien und FARN kritisch und mit allem Nachdruck. So wurde erst jüngst eine formale Beschwerde gegen die Regierung der Provinz Salta beim Obersten Gericht (Supreme Court of Justice)  eingereicht, um die Praxis der Genehmigungserteilung von Entwaldungsrechten überprüfen zu lassen.

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