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Kampf dem Kahlschlag in Kamerun

Einer der wertvollsten Wälder der Welt droht dem Palmöl-Boom zum Opfer zu fallen:  Herakles hat seinen Austritt vom Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl RSPO erklärt. Mit diesem Schritt will der Palmöl-Hersteller wahrscheinlich seine Abholzungspläne in Kamerun vorantreiben. Der WWF wird nun erst Recht kämpfen.

© Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK
© Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Es war lange befürchtet worden, nun ist es passiert: Herakles und  die Tochterfirma Sithe Global Sustainable Oils Cameroon (SGSOC) ziehen sich vom RSPO zurück. „Das ist die logische Konsequenz, wenn sich Herakles nicht an die Regeln des RSPO halten will“, sagt Ilka Petersen, Referentin für Agrarrohstoffe beim WWF Deutschland. Jetzt gelte es das große Roden aufzuhalten.

Abholzung ohne Rücksicht

Der Austritt von Herakles/SGSOC erfolgt nach mehreren beim RSPO eingereichten Beschwerden von Experten und NGOs, darunter auch vom WWF. Herakles/SGSOC  planen in Kamerun auf einer über 70.000 Hektar großen Konzessionsfläche, die überwiegend von intakten Wäldern bedeckt ist, riesige Palmölplantagen anzulegen – mitten zwischen vier Schutzgebieten wie dem Korup National Park. Diese zusammenhängenden Wälder zwischen Küste und Kongobecken gelten als eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt. Hier leben bedrohte Tierarten wie Schimpansen, Waldelefanten, Wildkatzen und Stummelaffen. Die Regeln des RSPO -die eine Umwandlung ökologisch wertvoller Waldflächen in Ölpalmplantagen untersagen- hatten nach den Beschwerden verhindert, dass dort die Kettensägen angeworfen werden. „Jetzt will das Unternehmen anscheinend ohne jede Rücksicht auf  die Plantage vorantreiben“, vermutet Ilka Petersen.

Der WWF gibt den Kampf gegen den Kahlschlag aber nicht auf. „Jetzt geht es erst richtig los“, kündigt Petersen an. Große Teile der Bevölkerung -die seit jeher von und mit dem Wald leben- sprechen sich massiv gegen die Plantage aus. Es werden Klagen vor kamerunischen Gerichten erwartet, die der WWF unterstützen will. „Wir hoffen und kämpfen vor Ort dafür, dass die Regierung in Kamerun Herakles nicht erlaubt, gegen den Willen der Bevölkerung und ohne die unabhängige Bewertung der ökologischen Risiken mit dem Projekt fortzufahren“, sagt Johannes Kirchgatter, Afrika-Referent des WWF Deutschland. "Sollte von Herakles hier gegen kamerunisches Recht verstoßen werden, wird der WWF gerichtliche Klagen der betroffenen Bevölkerung unterstützen." Gemeinsam mit unabhängigen Partnern erhebt der WWF zudem umfangreiche biologische und sozioökonomische Daten, die den hohen ökologischen Wert der betroffenen Wälder und ihre enorme Bedeutung für die Bevölkerung belegen.  Darauf beruhend sollen Landnutzungsalternativen zu dauerhaftem Erhalt und ausschließlich nachhaltiger Nutzung der Wälder entwickelt werden.

„Präzedenzfall stoppen“

Früher Wald, heute Plantage. © SAVE Wildlife Conservation Fund
Früher Wald, heute Plantage. © SAVE Wildlife Conservation Fund

Im Kampf gegen die Herakles-Plantage geht es nämlich noch um mehr, als einen der Biodiversitätsschwerpunkte der Welt vor der Abholzung zu retten. Dem Hunger nach Palmöl sind in Indonesien und Malaysia schon mehr als zehn Millionen Hektar Regenwald zum Opfer gefallen – jetzt nehmen die Produzenten auch zunehmend Wälder in Afrika ins Visier. „Wir wollen diesen Präzedenzfall in Kamerun unbedingt stoppen“, sagt Kirchgatter. „In Afrika darf nicht stattfinden, was in Asien schon passiert ist.“

So dramatisch und langwierig der Kampf gegen Herakles auch zu werden droht – es gibt doch auch eine gute Nachricht in der schlechten: „Immerhin ist es Herakles nicht gelungen, unter dem Deckmantel des RSPO zu roden und damit dessen Standards auszuhöhlen“, gibt Petersen zu bedenken. „Auch wenn wir uns gewünscht hätten, dass der Prozess im RSPO noch schneller gewesen wäre.“ Der WWF hat 2004 den RSPO mit ins Leben gerufen. Die RSPO-Mitglieder sind auf verschiedene Weise in die Palmölproduktion involviert oder von ihr betroffen: Palmöl-Anbauer, Händler, Konsumgüterhersteller, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen wie der WWF und Oxfam. Ziel des Runden Tisches ist es, möglichst viele Beteiligte in der Palmölindustrie zur Einhaltung von ökologischen und sozialen Mindeststandards zu bewegen.

Herakles/SGSOC haben gezeigt, dass sie dafür nicht bereit sind.

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