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Runder Tisch für Palmöl

© Ilka Petersen / WWF
© Ilka Petersen / WWF

Kein Öko-Label, sondern Mindestanforderung

Weil die wachsende Nutzung von Palmöl zur Rodung tropischer Wälder beiträgt,  hat der WWF 2004 den Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) ins Leben gerufen. Die Mitglieder sind auf verschiedene Weise in die Palmölproduktion involviert oder von ihr betroffen: Palmöl-Anbauer, Händler, Konsumgüterhersteller, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen wie der WWF und Oxfam. Ziel des Runden Tisches ist es, möglichst viele zur Einhaltung der Mindeststandards zu bewegen.


Der RSPO ist also kein Öko-Label. Er signalisiert, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben. Was nicht viel klingt, ist in Entwicklungs- und Schwellenländern wie Indonesien und Malaysia ein wichtiger erster Schritt.

Die Mitglieder des RSPO haben sich bislang zu folgenden Prinzipien und Kriterien verpflichtet:

  • Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten auf der Plantage,
  • Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von Wald),
  • Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
  • Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer.


Der WWF setzt als Mitglied des Runden Tisches auf den kritischen Dialog mit Unternehmen aus der Palmölindustrie. Der Gedanke dahinter: Die am Problem Beteiligten müssen mithelfen, Lösungen zu entwickeln. Die Mitgliedschaft im RSPO allein belegt kein verantwortliches Handeln. Dafür muss ein Unternehmen zertifiziertes Palmöl produzieren oder kaufen. Dennoch ist klar: Am Runden Tisch vertritt jedes Mitglied seine eigenen Interessen. Der WWF versucht, möglichst viel für die Natur zu erreichen, andere Mitglieder wollen möglichst viel Ertrag pro Hektar oder mehr Gewinn.

 

Chancen und Grenzen des RSPO

Der RSPO wird von verschiedenen Umweltorganisationen kritisiert. Er sei zu schwach, um Regenwaldrodungen zu verhindern. Außerdem wird einigen Mitgliedern vorgeworfen, nur einzelne Vorzeigeplantagen nach den Standards  zu zertifizieren, während sie an anderen Orten gegen RSPO-Kriterien verstoßen. Klar ist, dass die Kriterien des RSPO verschärft werden müssen. Daran arbeitet der WWF intensiv. Einige wenige Unternehmen gehen weiter und erzeugen ihr Palmöl beispielsweise nach Biostandard in Kombination mit den RSPO-Kriterien

Ilka Petersen. © WWF
Ilka Petersen. © WWF

"Gleichzeitig gibt es aber auch viele positive Beispiele von zertifizierten Plantagen, wie die REA Kaltim Plantage auf Borneo, die nachhaltig handeln. Das größere Problem sind die Produzenten, die weiter machen wie zuvor und sich gegen die Teilnahme am Runden Tisch entscheiden. Dann haben sowohl der RSPO als auch der WWF nur noch wenig Einfluss auf die Produktionsweise. Deswegen setzt sich der WWF dafür ein, dass der Anteil an RSPO zertifiziertem Palmöl erhöht wird. Zurzeit liegt er bei 10% der weltweiten Palmöl-Produktion", so Ilka Petersen, Referentin Kommunikation Landnutzung und nachhaltige Biomasse.


Ein Allheilmittel ist der RSPO  nicht. Er allein kann die Entwaldung in den Tropen nicht stoppen. Dazu braucht es die richtigen Gesetzgebungen, Landnutzungskonzepte und die Ausweisung von Schutzgebieten.

WWF: Am 25. April findet eine außerordentliche Generalversammlung des RSPO in Malaysia statt. Was wird dort passieren?

Ilka Petersen: Die Versammlung wurde angesetzt, um die Mitglieder über die überarbeiteten Kriterien abstimmen zu lassen. In den letzten 12 Monaten wurden in zwei öffentlichen Konsultationsprozessen Kommentare zu den bestehenden Kriterien gesammelt. Eine RSPO-Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der verschiedenen Gruppen im RSPO hat sich auf dieser Grundlage im Konsens auf Neuerung einigen müssen. Der Prozess dauerte viel länger, als ursprünglich gedacht, deswegen die Sondersitzung.

Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Nein. Die Ergebnisse gehen uns nicht weit genug. Wir sind in den Konsultationsrunden mit klaren Forderungen aufgetreten: Umwandlungsverbot von Torfböden zu Palmöl-Plantagen, Verwendungsstopp für Pestizide sowie strenge Reduktionsziele für Treibhausgase. Diese Forderungen sind jedoch am Widerstand der anderen Mitglieder der RSPO-Arbeitsgruppe gescheitert. Ein Grund dafür ist unter anderem die starke Stimme der Produzenten, die immer noch beklagen, dass bisher nur rund die Hälfte des zertifizierten Palmöls Abnehmer findet. Vor diesem Hintergrund war es leider extrem schwer, strengere Kriterien durchzusetzen.

Welche Forderungen sind denn überhaupt durchgekommen?

Bei den ökologischen Kriterien haben wir an einigen Punkten mehr Klarheit in den Texten, das heißt die Anforderungen sind jetzt eindeutiger formuliert. Torfböden wurden explizit als Böden aufgenommen, die nicht bepflanzt werden sollen, hochgefährliche Pestizide müssen nicht mehr nur reduziert sondern auch eliminiert werden. Uns fehlt da jedoch eine klare Zeitangabe, bis wann das passieren muss. Wir wollten ja, dass ihr Einsatz sofort verboten wird. Für Torfböden wollten wir ein klares Umwandlungsverbot.

Treibhausgasemissionen müssen nach den neuen Kriterien jetzt erfasst werden, aber sie müssen leider erst in drei Jahren veröffentlicht werden. Das ist uns viel zu spät. Wir wollten das sofort und wir hatten ein klares Reduktionsziel, wie Null-Emission bei der Anlage von neuen Plantagen, gefordert. Dadurch wären dann auch Torfböden geschützt gewesen.

Wieso wurden diese Forderungen nicht durchgesetzt?

In erster Linie hat die Vereinigung der malaysischen Produzenten gebremst und sich gegen klare Verbote von Pestiziden oder der Umwandlung von Torfböden gestemmt. Sie sagen, die Produktion wäre dann zu teuer, das Wirtschaftswachstum würde leiden. Ihr Hauptargument ist nach wie vor,  dass bisher nur die Hälfte des zertifizierten Palmöls verkauft wird. Sie sind nicht bereit, mehr Anforderungen zu erfüllen, solange sie ihr zertifiziertes Palmöl nicht loswerden. Unser Argument, es würden mehr Leute zertifiziertes Palmöl kaufen, wenn die Kriterien besser wären, zieht da nicht wirklich. Denn die Realität sieht leider so aus, dass selbst in Deutschland gerade einmal 30% des Palmöls auf die eine oder andere Weise zertifiziert sind. Und damit stehen wir im Gegensatz zu anderen Ländern noch gut da. Wenn sich die Käufer nicht mehr und schneller bewegen, treten wir auf der Stelle.

Tretet ihr jetzt aus dem RSPO aus?

Der WWF Deutschland ist selbst ja kein Mitglied im RSPO, sondern über den WWF International vertreten. Aber wir haben lange überlegt und diskutiert, ob wir den RSPO überhaupt noch unterstützen sollen. Am Ende haben wir uns entschlossen, es weiterhin zu tun. Auch wenn der RSPO mit den überarbeiteten Kriterien weiterhin kein „Öko-Label“ ist, sondern ein Mindeststandard, der signalisiert, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird, als gesetzlich vorgeschrieben. In den Hauptkonsumentenländern von Palmöl, beispielsweise China, Indien und Indonesien, ist das ein sehr wichtiger erster Schritt. Der deutsche Markt sollte jedoch unbedingt weiter gehen. Der WWF fordert alle deutschen Unternehmen auf, zusätzlich zu RSPO-zertifiziertem Palmöl weiterführende Anforderungen bei seinen Lieferanten einzufordern. Gekauft werden sollte nur noch  Palmöl von Produzenten, die bestätigen, dass ihre Plantagen nicht auf Torfwäldern angelegt werden, die sich verpflichten auf gefährlichen Pestizide zu verzichten, und die Treibhausgasemissionen ihrer Plantagen und Ölmühlen öffentlich machen sowie Reduktionsziele ausweisen.

Und wie geht es jetzt bei Euch weiter mit dem Thema Palmöl?

Wir arbeiten gerade an einem Positionspapier, um unsere Zusatzanforderungen klar zu formulieren und an Vorschlägen für die Käufer von Palmöl, wie man diese in den komplizierten Lieferketten auch umsetzen kann. Und zwar so, dass es öffentlich nachvollziehbar ist. Das soll noch vor der Sondersitzung veröffentlicht werden, so dass wir dort dann hoffentlich viele Unterstützer haben. Denn eins ist mal klar, das Wort der Käufer zählt bei den Palmöl-Produzenten weitaus mehr, als das einer NGO.

   
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