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Soja als Futtermittel

Oder: Warum der Runde Tisch für verantwortungsvolles Soja nicht an einer Neuaufteilung der Erde arbeitet und wir alle weniger, aber besseres Fleisch essen sollten.

Jahr für Jahr importiert Deutschland 5,34 Millionen Tonnen Soja aus Südamerika. Dafür beansprucht allein die Bundesrepublik eine entsprechende Anbaufläche von der Größe Hessens. Beinahe 80 Prozent davon wird als Futtermittel in der Agrarindustrie eingesetzt, um unsere Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln – vor allem Fleisch befriedigen zu können. Damit tragen auch wir, durch unseren Konsum, in Südamerika zumindest indirekt dazu bei, dass der Druck auf die letzten Wälder und Savannenlandschaften weiter zunimmt.

Sojapflanze © agrarphoto

Wunderbohne mit Nebenwirkungen

Um die die negativen Umweltauswirkungen des Sojabooms durch Aufstellung von Mindestanforderungen zu reduzieren und die sozialen Bedingungen für die Arbeiter zu verbessern, wurde 2006 der Runde Tisch für verantwortungsvolles Soja (Round Table on Responsible Soy, kurz RTRS) gegründet. Der Runde Tisch ist eine freiwillige, globale Plattform für alle Akteure entlang der Soja-Wertschöpfungskette. Unter den Mitgliedern befinden sich sowohl Soja-Produzenten, Vertreter von Industrie, Handel und Finanzinstituten als auch Nichtregierungsorganisationen wie The Nature Conservancy, Solidaridad und eben der WWF.

Gentechnik und Soja

Der WWF spielte im Entwicklungsprozess der Kriterien in der Version 1.0 eine Rolle und setzt sich seitdem für eine Verbesserung der Kriterien ein. Unser größtes Verdienst ist es, dass es seit 2011 eine gentechnikfreie Linie des RTRS gibt. Ursprünglich sollte das Thema Gentechnik am Runden Tisch keine Rolle spielen – für den WWF vollkommen inakzeptabel, da wir Gentechnik ablehnen.

Allerdings sieht die Realität in Lateinamerika so aus, dass bereits über 70 Prozent der Sojaplantagen mit transgenem Saatgut bestückt sind. In Argentinien sind sogar über 90 Prozent der Soja gentechnisch verändert. Wenn wir in diesen Ländern wertvolle Lebensräume retten wollen, müssen wir uns diesem Problem stellen. Dazu gehört auch ein kritischer Dialog mit den Produzenten von Gensoja. Doch eines ist klar: Trotz aller Dialogbereitschaft rüttelt der WWF Deutschland nicht an seiner Ablehnung gegenüber Gentechnik. 

 

Von sachlicher Kritik zur Verschwörungstheorie

Der RTRS wird von verschiedenen Umweltgruppen wie etwa dem BUND hart kritisiert. Buch-Autor Wilfried Huismann versteigt sich sogar in die Verschwörungstheorie der WWF hätte sich im Zuge einer „Neuaufteilung der Erde“ auf die Seite Monsantos geschlagen. - Zunächst einmal steht der WWF grundsätzlich als Anwalt der Natur an der Seite von bedrohten Ökosystemen und deren Bewohnern. Im Rahmen seiner Mitgliedschaft hat sich der WWF mit anderen Mitgliedern des RTRS auf Kriterien  für die Vergabe eines Zertifikates  „Aus verantwortungsvoller Produktion“ geeinigt. Und das zu einem Zeitpunkt, als Monsanto noch gar kein RTRS Mitglied war. Später trat der Konzern schließlich doch diesem Round Table bei. „Aus verantwortungsvoller Produktion“ bedeutet, dass freiwillig Mindestkriterien wie zum Beispiel der Erhalt natürlicher Vegetation (u.a. Primärwaldflächen und artenreiche Lebensräume) eingehalten werden. Die Zahlung von Mindestlöhnen, faire Arbeitsbedingungen sowie Respekt vor den traditionellen Landrechten gehören ebenfalls zu diesen Kriterien.

Was empfiehlt der WWF?

© WWF

Der WWF empfiehlt grundsätzlich nur gentechnisch unverändertes Soja. Wir setzen daher auf die gentechnikfreie Lieferkette innerhalb des RTRS und das gentechnikfreie Soja nach ProTerra Standard (Basler Kriterien) oder auf Bio-Soja. Außerdem rät der WWF um die negativen, ökologischen Auswirkungen des - durch unseren Fleischkonsum angeheizten - Soja-Booms zu mindern, nicht nur weniger, sondern auch besseres Fleisch zu essen. Empfehlenswert sind Produkte, die nach den Kriterien des EU-Biosiegels, der Bio-Anbauverbände und dem Produktionsverband Neuland hergestellt wurden. Auch „Weidefleisch“ stellt eine Alternative dar. Doch nicht nur Landwirte und Verbraucher sind gefordert, auch die EU-Agrarpolitik muss endlich den Gedanken der Nachhaltigkeit konsequent umsetzen. Dazu gehört auch, heimische Futtermittel in der EU wieder verstärkt zu fördern, um zukünftig vermehrt Soja ersetzen zu können.

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